Winnenden

30-Jähriger prügelt Familienvater nieder

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Backnang/Rudersberg. Wegen Körperverletzung hat das Amtsgericht Backnang einen 30-jährigen Mann zu einer Geldstrafe von 2000 Euro verurteilt und einen Monat Fahrverbot ausgesprochen.

Der Angeklagte wäre billiger davongekommen und hätte seinen Führerschein behalten, wenn er keinen Einspruch gegen den Strafbefehl über 2450 Euro eingelegt hätte. Denn nun muss er nebst Geldstrafe auch noch die Kosten des Verfahrens tragen.

Beide Männer sahen sich in der Opferrolle

Im Januar diesen Jahres waren der 30-jährige Landschaftsgärtner und ein 45-jähriger Monteur aus Althütte auf einem Parkplatz in Althütte aneinandergeraten. Die zunächst verbale Auseinandersetzung eskalierte. Die Aussagen zur Situation und deren Ablauf hätten nicht gegensätzlicher sein können. Beide Männer sahen sich in der Opferrolle und beharrten vor Gericht auf ihren Aussagen.

Der angeklagte Landschaftsgärtner behauptete, vom Monteur angegriffen worden zu sein, und dessen Schläge nur aus Notwehr abgewehrt zu haben. Der Monteur hingegen sieht sich als Opfer: Der Landschaftsgärtner habe ihn am Kittel seiner Jacke gepackt und gegen einen Müllcontainer gedrückt, woraufhin er zu Boden ging und sein bereits vorgeschädigtes Knie verletzte.

Grund für die Handgreiflichkeiten: Ein Überholmanöver

Der Grund für das handgreifliche Zusammentreffen: Der Monteur war mit seiner Frau und seinem Sohn Ende Januar auf dem Heimweg von einem Essen. Gegen 20 Uhr bog seine Frau in Rudersberg-Oberndorf von der Mannenbergerstraße links auf die Wieslaufstraße ab. Plötzlich überholte der Landschaftsgärtner mit seinem PS-starken Golf GTI das Auto der Familie und fuhr verbotenerweise links an einer Verkehrsinsel vorbei. Die Frau musste stark bremsen, als der GTI zwischen ihr und einem vorausfahrenden VW Bus einscherte. Aus Schreck und Überraschung fuhr die Frau in einen Schneehaufen am Straßenrand. Sowohl der Angeklagte wie auch sein Mitfahrer konnten sich an den Überholvorgang nicht erinnern.

Gericht folgt der Version des Monteurs

Die Familie entschied sich, dem Golf GTI zu folgen, um den Fahrer zur Rede zu stellen. Auf dem Parkplatz einer Pizzeria in Althütte entdeckte die Familie das Fahrzeug des Landschaftsgärtners. Der wollte dort mit seinem Beifahrer die bestellten Pizzen abholen. Als die Frau des Monteurs an das Auto trat und den Landschaftsgärtner zur Rede stellte, erntete sie eigenen Angaben zufolge nur ein müdes Lächeln. Der Monteur wollte es schon dabei belassen, schlug aber etwas emotionsgeladen die Beifahrertür des GTI zu, kontrollierte das Kennzeichen und machte sich auf den Weg zurück zu seinem Auto.

Das war für den Landschaftsgärtner ein Tick zu grob. Er stieg aus und packte den Monteur am Jackenkragen, drückte ihn gegen den Container und anschließend auf den Boden. So lautete die Version des Monteurs, seiner Frau und seines Sohnes, der schließlich auch das Gericht folgte. Die Verletzungen am vorgeschädigten Knie sorgten dafür, dass der Geschädigte für vier Wochen krankgeschrieben werden musste.

Die Nebenklage forderte drei Monate Fahrverbot

Die Verteidigung des zweifach einschlägig vorbestraften Angeklagten plädierte auf Freispruch; der Staatsanwalt forderte 90 Tagessätze zu je 35 Euro plus ein Monat Fahrverbot. Die Nebenklage hingegen plädierte auf eine Strafe von 6000 Euro wegen schwerer Körperverletzung und drei Monaten Fahrverbot.

Richter Marco Siever hielt eine Geldstrafe von 2000 Euro für die Körperverletzung und einen Monat Fahrverbot für angemessen. Der Angeklagte habe Glück, dass nur die Körperverletzung und nicht auch noch der gefährliche Eingriff in den Straßenverkehr Tatbestand der Verhandlung sei, so Richter Siever.