Winnenden

3G statt 2G im Handel: Verhaltene Freude im Modegeschäft "Skurril" in Winnenden

3G Einzelhandel
Ali Öztopal im Modegeschäft „Skurril“ – 2G ist Geschichte, ab sofoft gilt hier wieder die 3G-Regel, sprich: Ungeimpfte dürfen mit negativem Testnachweis einkaufen. © Alexandra Palmizi

Am Mittwochvormittag (26.1.) entfernt Ali Öztopal das „2G“-Schild an der Eingangstür zum Modegeschäft „Skurril“. Seit heute, per Gerichtsurteil, ist die Regel aufgehoben, die schon bei ihrer Einführung für große Empörung im Einzelhandel gesorgt hat – und in der Folge für einen weiteren Rückgang der Kunden. Davon berichtet auch Ali Öztopal. Ob das Geschäft jetzt, wo wieder 3G gilt, Fahrt aufnimmt? Der 37-jährige Verkäufer ist nach zwei Jahren Pandemie nur vorsichtig optimistisch.

Tritt eine neue Regel in Kraft, herrscht zunächst einmal Verunsicherung

Dass die Kundenzahlen jetzt sofort in die Höhe schießen werden, bezweifelt auch der Winnender Wirtschaftsförderer Timm Hettich: „Ob sich das sofort herumspricht und zu einer höheren Frequenz beiträgt, kann ich noch nicht einschätzen“, sagt der Geschäftsführer des Vereins „Attraktives Winnenden“. Die Erfahrung mit den immer neuen Regeln und Verordnungen im Laufe der Pandemie habe gezeigt, dass stets ein paar Tage der Unsicherheit vergehen, bis allen klar ist, was neuerdings gilt. Fest steht für Timm Hettich aber: „Es ist sehr zu begrüßen, dass auch Ungeimpfte wieder einkaufen dürfen.“

Denn in den vergangenen Wochen seit Anfang Dezember seien 20 bis 25 Prozent der Kunden „einfach weggefallen“, ohne eine Chance für die Einzelhändler, diese für sich zurückzugewinnen.

Verkäufer Ali Öztopal: „Das war für uns auch unangenehm“

Als noch die 3G-Regel galt, die auch jetzt wieder zum Tragen kommt, seien immer wieder nicht immunisierte Kunden mit einem Testnachweis zum Shopping gekommen, berichtet Ali Öztopal im „Skurril“. Von einem Tag auf den anderen seien diese Kunden vom Einkaufen ausgeschlossen worden. „Wir durften sie einfach nicht mehr reinlassen. Das war für uns auch unangenehm.“

Wenn er vergleiche, was im Rewe oder Edeka los sei – 100, 200 Menschen, die keinen Nachweis zeigen müssen – und wie sich im „Skurril“ höchstens einmal fünf, sechs Leute gleichzeitig aufhielten, mit Abstand und Maske, dann fehle ihm für die strengen Vorgaben schon ein Stück weit das Verständnis, sagt Ali Öztopal. „Wir halten uns alle an die Regeln, die Gesundheit unserer Kunden und unsere eigene Gesundheit sind uns das Wichtigste“, betont er.

Es ist auch nicht so, dass Wissenschaftler den Einzelhandel jemals als Pandemietreiber identifiziert hätten. Für viele Selbstständige wirkt es deshalb, als übte die Politik auf ihrem Rücken Druck auf Ungeimpfte aus.

Zur Aufhebung der 2G-Regel im Einzelhandel ist es jetzt gekommen, weil der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim das Einfrieren der Alarmstufe II durch die Corona-Verordnung der Landesregierung als „voraussichtlich rechtswidrig“ eingestuft hat. Die Betreiberin eines Schreibwarengeschäfts im Ortenau-Kreis hatte geklagt. In anderen Bundesländern ist der Ausschluss von Nichtimmunisierten bereits zu früheren Zeitpunkten gekippt worden, zuletzt vor wenigen Tagen in Bayern.

Kehrt die Freude am Einkaufen nach der Corona-Pandemie wieder zurück?

Den „Skurril“ gibt es in Winnenden schon seit vielen Jahren, Ali Öztopals Bruder Kemal Öztopal (35) hat das Modegeschäft vor vier Jahren übernommen. Er betreibt auch den gleichnamigen Laden in Schorndorf. Trotz der schweren Zeiten: Die Brüder sind zuversichtlich, dass sie die Pandemie am Ende überstehen werden. „Wir kämpfen“, sagt Ali Öztopal, „und hoffen auf den Frühling. Den Leuten fehlt aktuell einfach die Freude am Einkaufen, sie sind die ganze Zeit nur mit dem Thema Corona, Corona, Corona beschäftigt.“

Ob es jemals wieder wird wie vor der Pandemie? Wirtschaftsförderer Timm Hettich sagt, das zu hoffen wäre „blauäugig“. Der Strukturwandel lasse sich nicht aufhalten und sei durch Corona noch beschleunigt worden. Viele Kunden, die das bis dato nicht getan hätten, deckten sich mittlerweile im Internetversandhandel mit Kleidung und Co. ein. Andererseits: Nachhaltig regional und lokal einzukaufen, sei immer mehr Menschen wichtig.

Die Stadt muss für Aufenthaltsqualität in der Innenstadt sorgen

Die Lust der Leute auf eine ungezwungene Shoppingtour, darauf, durch die Innenstadt zu bummeln, zu flanieren, einen Kaffee zu trinken, kehre ganz bestimmt zurück. Die Innenstadt attraktiv zu gestalten, Aufenthaltsqualität zu schaffen, Geschäfte und Gastronomie zu unterstützen, das sei eine wichtige Aufgabe der Stadt.

Noch hielten die meisten Geschäfte in Winnenden durch, sagt Timm Hettich, nur ganz vereinzelt habe es in Winnenden Schließungen wegen der Corona-Krise gegeben. Daran soll sich auf den vermeintlich letzten Metern nichts mehr ändern: „Ich hoffe, dass Omikron der Gamechanger wird und wir die Pandemie im Frühjahr hinter uns lassen können.“

Am Mittwochvormittag (26.1.) entfernt Ali Öztopal das „2G“-Schild an der Eingangstür zum Modegeschäft „Skurril“. Seit heute, per Gerichtsurteil, ist die Regel aufgehoben, die schon bei ihrer Einführung für große Empörung im Einzelhandel gesorgt hat – und in der Folge für einen weiteren Rückgang der Kunden. Davon berichtet auch Ali Öztopal. Ob das Geschäft jetzt, wo wieder 3G gilt, Fahrt aufnimmt? Der 37-jährige Verkäufer ist nach zwei Jahren Pandemie nur vorsichtig

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