Winnenden

44 Mietwohnungen in Winnenden werden fertig im Mai - Warteliste für Interessenten

Mietwohnbau
Mehrfamilienhäuser am Eichendorffweg: Rohbau ist fertig. © Gaby Schneider

Wer eine Mietwohnung sucht, hat noch eine kleine Chance: Der Rohbau für 44 Mietwohnungen am Eichendorffweg ist fertig. Im Mai sollen die Häuser bewohnbar sein. Aber jetzt schon ist das Interesse groß. Ein Großteil der Wohnungen ist so gefragt, dass bei der Baugenossenschaft Winnenden schon drei Reservierungen pro Wohnung vorliegen. Geschäftsführer Michael Rieger erklärte auf Anfrage: „Wer Interesse hat, darf sich bei uns melden. Wir führen eine Warteliste.“

Sind eigentlich 12,75 Euro pro Quadratmeter eine bezahlbare Miete?

Ganz große Hoffnungen sollte sich allerdings niemand machen. Die meisten Wohnungen seien schon vergeben, sagt Rieger. Die Baugenossenschaft betont immer wieder, sie verlange moderate oder „bezahlbare“ Mieten. Aber was ist das? Was ist „bezahlbar“? Im Eichendorffweg wird eine Mietwohnung zwischen 11,75 und 12,75 Euro pro Quadratmeter kalt kosten. Eine Vierzimmerwohnung für 1000 Euro monatlich – das ist für eine junge Familie nur mit großer Anstrengung und sparsamem Lebensstil bezahlbar. Dennoch ist der Andrang von Mieteressenten groß. Die Leute kennen die Miete. Von der BGW wurden sie informiert. Sie bleiben bei ihren Reservierungen. Wenn die Häuser fertig sind, möchten sie einziehen. Rein logisch folgt daraus: Solche Mieten sind doch bezahlbar. Es gibt sogar zu wenige Wohnungen zu diesen Mieten, sonst käme es nicht zu drei Interessenten für eine Wohnung.

Die Baugenossenschaft würde die Wohnungen gerne günstiger vermieten. Aber das geht angesichts der Baukosten nicht. BGW-Geschäftsführer Michael Rieger kennt die Wohnungsnot. Die BGW hat den größten Bestand an Mietwohnungen in Winnenden, und keine einzige der bestehenden Wohnungen ist zurzeit frei. Drei sind in diesem Jahr freigeworden und waren sofort wieder belegt. Folgt man der schlichten Logik, gibt es gegen die bestehende Wohnungsnot nur ein Mittel: Bauen!

Der Strom für die Mieter kommt direkt vom Dach

„Diejenigen, die am meisten gegen die Wohnungsknappheit tun, das sind die Handwerker“, rief BGW-Geschäftsführer Michael Rieger am Mittwoch einer Versammlung von Interessierten zu, die zum Rohbaufest an der Baustelle im Eichendorffweg gekommen waren. Die Winnender Firma Schief hat den Rohbau erstellt, und deren Polier sprach vom Dach herunter den Richtspruch zum Publikum: „Die heutige Zeit zeigt ihr Gesicht: Ein Dach aus Holz – das steht ihr nicht ...“ Ein Flachdach haben die Mehrfamilienhäuser. Den Zimmermann braucht es dafür nicht, und den Richtspruch macht der Maurer. Aufs Dach wird Fotovoltaik montiert. Den Strom, den sie liefert, dürfen die Mieter größtenteils gleich selbst verbrauchen. Dafür sorgt die Schwaikheimer Bürger-Energie-Genossenschaft. Die Tiefgaragen der beiden Wohngebäude sind auf Elektroautos vorbereitet: Wer möchte, kann ein Ladegerät anschließen, eine sogenannte Wallbox. Wärme liefern die Stadtwerke mit ihrem Blockheizkraftwerk am Ort.

Warum die Baugenossenschaft die Kosten in Grenzen halten kann

Dass diese beiden Wohnhäuser gebaut wurden, ist besonderen Umständen zu verdanken in diesen Zeiten steigender Immobilienpreise. Das Grundstück für die Gebäude gehörte bereits der Baugenossenschaft. Früher schon standen Häuser der BGW darauf, die vor einiger Zeit abgerissen wurden. Wie berichtet, ist die BGW aus einem anderen Wohnbauprojekt ausgestiegen, weil sie dort einfach nicht auf eine moderate Miete gekommen wäre. Dort hätte sie das Grundstück neu und zu heutigen Grundstückspreisen kaufen müssen.

Außer den Grundstückspreisen sind am Bau vor allem die Materialpreise stark gestiegen, und die zusätzlichen Vorgaben des Staats machen das Bauen auch teurer. 11 Millionen Euro kosten die 44 Wohnungen der BGW am Eichendorffweg. Mit diesem Geld hätte sie vor 15 Jahren 75 Wohnungen und vor 30 Jahren 100 Wohnungen bauen können, erklärte Michael Rieger beim Rohbaufest. „Wenn ich könnte, würde ich gebrauchte Wohnungen bauen.“

Sinnvolle Bauvorschriften treiben Baupreise in die Höhe

Er muss und darf neu bauen. Dabei hat er viel mehr zu beachten als die Bauherren vor 30 Jahren. Rieger beklagte regelrecht die Normen und Gesetze, nannte den Artenschutz, die begrünten Dächer, die Schnellade-E-Tankstellen in den Tiefgaragen, die immer dickeren Wärmedämmungen, die Fotovoltaik, Zisternen und noch viel mehr. Alle diese Vorschriften seien, jede für sich, durchaus sinnvoll. Aber alle zusammen treiben die Baukosten nach oben.

OB: „Hier entsteht das derzeit größte Mietprojekt in der Stadt“

„Es war toll, Ihnen zuzuhören“, meinte Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth zu Riegers Rede, „es war wie ein gestochen scharfer Aufsatz über die Schwierigkeiten beim Wohnungsbau.“ Trotz aller Hindernisse gelingt das Projekt am Eichendorffweg. „Hier entsteht das derzeit größte Mietwohnprojekt in der Stadt – trotz Adelsbach“, meinte OB Holzwarth. Adelsbach ist das zurzeit größte Neubaugebiet in der Stadt, in dem viele Mehrfamilienhäuser gebaut wurden und werden. Die meisten davon sind Projekte mit Eigentumswohnungen.

Trotz steigender Materialpreise: Baukosten bleiben im Rahmen

Am Eichendorffweg ist der Baugenossenschaft und den beteiligten Baufirmen ein Kunststück gelungen: Trotz aller Materialknappheit, trotz regelrechter Kostenexplosionen bei bestimmten Baumaterialien, sind die Gesamtkosten für die Mehrfamilienhäuser im Rahmen geblieben, wie Michael Rieger berichtet. Und: Der Bauzeitenplan wurde bis auf kleinere Abweichungen eingehalten. Ein bisschen stolz darauf ist auch Architekt Yves Schwarz vom Winnender Büro Drömer und Schwarz: „Wir haben pünktlich begonnen, und exakt ein Jahr später ist der Rohbau fertig.“

Wer eine Mietwohnung sucht, hat noch eine kleine Chance: Der Rohbau für 44 Mietwohnungen am Eichendorffweg ist fertig. Im Mai sollen die Häuser bewohnbar sein. Aber jetzt schon ist das Interesse groß. Ein Großteil der Wohnungen ist so gefragt, dass bei der Baugenossenschaft Winnenden schon drei Reservierungen pro Wohnung vorliegen. Geschäftsführer Michael Rieger erklärte auf Anfrage: „Wer Interesse hat, darf sich bei uns melden. Wir führen eine Warteliste.“

Sind eigentlich 12,75 Euro

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