Winnenden

77-Jährige bekommt Strafe für Fahrerflucht

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Amtsgericht Waiblingen. © Mathias Ellwanger
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Der Unfallhergang

Waiblingen/Winnenden. Eine 77-Jährige hat beim Rückwärtsausparken einen an der Hauptstraße in Birkmannsweiler parkenden Audi stark beschädigt und fuhr davon, ohne sich zu kümmern. Vor dem Amtsgericht beteuerte sie, davon nichts bemerkt zu haben. Ihr Anwalt erreichte eine Senkung der Geldstrafe auf 400 Euro und dass der Führerschein sechs statt acht Monate weg ist.

Richterin Melanie Bayer-Debak senkte aufgrund der sehr geringen Rente der Witwe (749 Euro im Monat) die Geldbuße. Wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort, Anfang März am helllichten Tag, legt sie aber den Führerscheinentzug für ein halbes Jahr fest. Es gab mindestens zwei Zeugen, die sich allerdings bei der alten Dame nicht bemerkbar machen konnten, sie fuhr langsam davon. „Wir müssen Ihnen glauben, dass Sie nichts gehört haben, obwohl der Sachverständige sagte, dass der Zusammenprall deutlich hör- und ortbar gewesen sein muss“, so die Richterin.

Nicht nach hinten gesehen

Hätte sich die 77-Jährige vor dem Ausparken nach hinten orientiert, „hätte sie sich auf die Kollsionsgefahr eingestellt“, so der Gutachter. So aber sei sie von ihrem Parkplatz am Dorfplatz auf den Audi gefahren, der nicht ordnungsgemäß auf einem der gegenüberliegenden Parkplätze stand, sondern parallel zur Hauptstraße. Die Audi-Fahrerin war nur kurz in der Bäckerei und wurde von den Augenzeuginnen auf den Schaden hingewiesen. Über 4000 Euro kostete die Reparatur, auf der die Geschädigte und ihre Versicherung sitzengeblieben wären, hätte die Polizei die Rentnerin nicht ermitteln können. Eine Zeugin notierte das Kennzeichen. „Ich habe es nicht bemerkt“, sagte die Frau zu ihrer Verteidigung. Sie war Geld holen und fuhr dann weiter in die Stadt zum Einkaufen. Abends klingelte bei ihr die Polizei. Sie zeigte den Beamten das Auto bereitwillig. „An meinem Auto war nicht viel kaputt.“ Das sah der Gutachter anders: „An ihrem Auto waren das Seitenteil und der Stoßfänger hinten rechts kaputt. Die Schäden an beiden Autos korrespondierten zu 100 Prozent.“

Immerhin, schnell war sie nicht

Warum die 77-Jährige einen „so großen Ausscherbogen“ gewählt habe, wo es doch hell war und nicht regnete, die Antwort blieb sie dem Gutachter schuldig. „Hätten Sie in die Richtung des Audi geschaut, hätten sie ihn auch wackeln sehen.“ Aber auch ohne Schulterblick hätte die Fahrerin den „abrupten Stopp durch den harten, schleifenden, ungebremsten Aufprall“ spüren müssen. Immerhin, schnell war sie nicht, so bestätigten es auch die Zeugen.

„Meine Mandantin ist stark gehbehindert, sie schafft nur wenige Meter zu Fuß“, argumentierte der Rechtsanwalt für einen kürzeren Führerscheinentzug. „Sie kann nicht Bus fahren, hat zu wenig Geld für ein Taxi und keine Angehörigen in der Nähe.“ All dies ist für das Gericht kein Grund für einen Strafnachlass. „Sie ist 50 Jahre unfallfrei gefahren, eine Musterteilnehmerin im Straßenverkehr“, bekräftigte der Anwalt gleichwohl.