Winnenden

89 Fälle von Telefonbetrug in Winnenden - 2021 bis zu 100.000 Euro erbeutet

Telefonbetrug
Winnender: Wie ein Winnender Ex-Polizist fast auf die Telefonbetrüger reingefallen wäre ... © Benjamin Büttner

Enkeltrick- und Schockanrufer machen auch vor Winnendern nicht Halt. „Wir hatten im vergangenen Jahr 37 Enkeltrickfälle und 52 Anrufe von falschen Polizeibeamten, die wir bearbeitet haben“, erzählt Revierleiter Andreas Lindauer. In jeweils zwei Fällen ist dadurch auch ein Schaden entstanden, eine Winnenderin wurde um Gold und Silber im Wert von 100.000 Euro gebracht.

84.000 Euro Kaution oder der Sohn muss in Haft

„Im Juli hat ein angeblicher Hauptkommissar aus München bei einer 79 Jahre alten Winnenderin angerufen. Er sagte ihr, dass ihr Sohn einen tödlichen Unfall verursacht habe, eine junge Mutter an einer Ampel überfahren hat“, schildert Andreas Lindauer den Fall. Der Anrufer sagte der Winnenderin: Entweder sie hinterlegt 84.000 Euro Kaution oder der Sohn muss in Haft. Die Frau hatte kein Bargeld zu Hause, allerdings Gold und Silber im Wert von 100.000 Euro. „Damit ist sie schließlich nach Waiblingen gefahren und hat die Wertgegenstände einem Abholer übergeben“, so Lindauer.

Anrufer wollten weitere 120.000 Euro

Doch damit nicht genug. Erneut hat der angebliche Kommissar bei der Frau angerufen. „Er sagte ihr, dass die medizinischen Kosten, die beim Rettungsversuch der Frau angefallen sind, extrem hoch seien und weitere 120.000 Euro fällig sind.“ Die Winnenderin wollte zu Hause schon den Schlüssel für ihren Banksafe holen, ehe sie zufällig einen Anruf ihres Sohnes auf dem Anrufbeantworter feststellte. „Wenn die Betrüger einmal erfolgreich sind, dann versuchen sie es bei derselben Person erneut. Das stellen wir immer wieder fest“, so Lindauer.

Die Anrufer verwickeln die Geschädigten in lange Gespräche

Im September hat sich dann erneut ein spektakulärer Fall zugetragen, wenngleich mit einem positiveren Ausgang. „Ein angeblicher Beamter hat bei einem 89-Jährigen angerufen und ihn drei Stunden am Telefon gehalten“, berichtet Lindauer. Dies sei typisch für solche Taten: Die Geschädigten sollen so lange wie möglich in ein Gespräch verwickelt werden, damit sie keine Angehörigen oder die Polizei verständigen können. Auch hier haben die Täter mit einer ähnlichen Masche gearbeitet: Die Tochter soll in einen tödlichen Verkehrsunfall verwickelt gewesen sein, für 20.000 Euro Kaution komme sie nicht in Haft. Der Winnender hat daraufhin das Geld an einen Abholer übergeben. Am selben Tag hat sich in Crailsheim ein ähnlicher Fall ereignet.

Noch am Abend ist der Autobahnpolizei bei Hockenheim ein Fahrzeug aufgefallen, das schließlich kontrolliert wurde.

Gefunden haben die Beamten mehrere SIM-Karten und Bargeld. „Zunächst sind sie davon ausgegangen, dass es sich um Geldwäsche handelt. Anhand des Bargeldes konnte später aber festgestellt werden, dass es um die Betrugsfälle aus Winnenden und Crailsheim geht. Der Abholer, ein 21-jähriger Mann, ist in der Zwischenzeit leider untergetaucht“, erzählt Lindauer. Immerhin hat der Winnender Senior aber sein Geld wieder erhalten.

Die Betrüger können die Anzeige der Telefonnummer manipulieren

Lindauer appelliert, nicht so gutgläubig zu sein. „Die Kaution muss nicht von der einen auf die andere Sekunde bezahlt werden. Es bleibt genug Zeit, um einen Angehörigen über die Situation zu informieren oder bei der Polizei nachzufragen“, sagt er. Ebenso solle auch bei Anrufern, die einen möglichen Geldgewinn vorgaukeln, besonnen reagiert werden. „Gier frisst leider oft Hirn“, sagt der Polizist.

Wichtig ist es zudem, nicht auf die Rückruftaste am Telefon zu klicken. Die Anrufer manipulieren teilweise die Anzeige, beim Rückruf kommt man wieder bei ihnen heraus. „Wenn man fit genug ist, dann hilft es manchmal schon, die Telefonnummer des jeweiligen Polizeireviers zu googeln. Die Polizei ruft nie mit 110 an“, sagt Lindauer.

Wenn die Beamten tatsächlich mit Bürgern telefonieren, erschwere dies zwar oft die Arbeit der Beamten, aber damit kann Lindauer leben. „Wenn sich jemand unsicher ist, dann bitte ich denjenigen, in der Zentrale anzurufen und zu fragen, ob es wirklich einen Andreas Lindauer in Winnenden gibt“, erzählt der Revierleiter.

Täter sitzen oft in Callcentern im Ausland

Die Täter sitzen oft in Callcentern in der Türkei, sind daher schwierig zu fassen. Lindauer vermutet, dass sie Telefonbücher nach Vornamen absuchen, die heutzutage nicht mehr gebräuchlich sind, so mögliche Opfer ausfindig machen. „Womöglich werden aber auch Traueranzeigen in der Zeitung ausgewertet, da auch hier meist die Namen der Angehörigen stehen.“

Enkeltrick- und Schockanrufer machen auch vor Winnendern nicht Halt. „Wir hatten im vergangenen Jahr 37 Enkeltrickfälle und 52 Anrufe von falschen Polizeibeamten, die wir bearbeitet haben“, erzählt Revierleiter Andreas Lindauer. In jeweils zwei Fällen ist dadurch auch ein Schaden entstanden, eine Winnenderin wurde um Gold und Silber im Wert von 100.000 Euro gebracht.

84.000 Euro Kaution oder der Sohn muss in Haft

„Im Juli hat ein angeblicher Hauptkommissar aus München bei

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper