Winnenden

Alarmstufe: Wie Winnender Händler mit der Kontrollpflicht umgehen

Der Schuhladen
Der Schuhladen in der Max-Eyth-Straße: Kontrollen sind ein Mehraufwand. © Gabriel Habermann

Am Mittwoch gilt die Alarmstufe, und sie löst bei Einzelhändlern Verwirrung aus. Über Nacht werden sie zu Corona-Kontrolleuren. Dabei wissen sie gar nicht genau, wie intensiv sie eigentlich kontrollieren müssen. Klar ist: Ohne Impf-, Genesenen- oder Testnachweis darf kein Kunde mehr etwas kaufen. Wie gehen ein sehr großes und ein ziemlich kleines Geschäft in Winnenden mit der neuen Vorschrift um? Und was bedeutet das für die Kunden?

Hunger muss keiner leiden. Lebensmittel sind Teil der Grundversorgung. Ihre Händler brauchen nicht zu kontrollieren, dürfen weiterhin alle reinlassen ins Geschäft, ganz gleich ob geimpft oder ungeimpft. Aber gut auszusehen, schön gekleidet zu sein und neue, warme Schuhe an den Füßen zu haben, ist keine „Grundversorgung“. Da darf nur einkaufen, wer die 3G-Kontrolle ohne Mängel übersteht, wer also nachweist, dass er geimpft, genesen oder negativ getestet ist. Immerhin: Ein Schnelltest reicht, wenn er in den letzten 24 Stunden gemacht wurde – und den gibt es seit Samstag bekanntlich wieder einmal wöchentlich pro Person gratis in den Teststationen.

Der Handelsverband drängt auf eine abgemilderte Kontrollpflicht

Die Kontrollpflicht fällt zum Glück für Händler und Kunden nicht so knallhart aus, wie zunächst befürchtet. Keine Kontrollstationen am Ladeneingang sind vorgeschrieben, keine echten Einlasskontrollen. Dies war auf Anfrage von Ann-Kristin Fischer von der städtischen Wirtschaftsförderung zu erfahren und wurde unserer Zeitung gegenüber vom Sozialministerium bestätigt. Die Geschäfte müssen sich nicht gleich am Eingang gegenüber den Kunden abschotten.

Hier haben wahrscheinlich Proteste des baden-württembergischen Handelsverbands etwas bewirkt, wenn auch der Verband und die Händler in der Hauptsache auf Granit bissen: Die Kontrollpflicht obliegt dem Handel. Weiterhin. Nur sieht es jetzt so aus: Der Kunde muss gleich am Eingang ein Plakat sehen, das auf die 3G-Regel verweist. Noch bevor er den Laden betritt, muss er wissen, dass er einen der drei Nachweise vorlegen muss: geimpft, genesen oder getestet. Er oder sie kann dann den Laden betreten, sich die Ware anschauen. Aber: Sobald sie oder er sich an eine Verkäuferin wendet und ein Verkaufsgespräch beginnen könnte, muss die Verkäuferin nach den Nachweisen fragen und sie kontrollieren, sonst darf sie gar nicht beraten.

Mal angenommen, ein Mann kauft immer die gleichen Adidas-Samba-Schuhe, Größe 44, geht rein, spricht mit niemandem, nimmt die Schachtel mit den Schuhen und will ohne große Worte an der Kasse bezahlen. Wie Männer manchmal sind. Das geht in der Alarmstufe nicht mehr. Irgendwann muss der Mann kontrolliert werden. Und wenn er nie ein Gespräch begann, dann wird er eben erst an der Kasse nach seinem Nachweis gefragt. Hat er keinen, kriegt er die Turnschuhe nicht. So muss man sich jetzt Einkäufe im Einzelhandel vorstellen.

Stichprobenartige Kontrollen hält Schuhhändler Grotz für machbar

Die Frage ist nur, ob es so machbar ist. Joachim Grotz, Inhaber des Schuhladens im Industriegebiet und von Schuh-Grotz in der Marktstraße, hält diese intensiven Kontrollen für unmöglich und er ist sich auch sicher, dass sie so streng gar nicht vorgeschrieben sind. Stichproben genügen. Ungefähr jeder Zehnte soll kontrolliert werden. Diese Information hat Grotz vom Handelsverband Baden-Württemberg, und dessen Pressesprecher bestätigte diese Info gegenüber unserer Zeitung. Für Grotz ist schon die Stichprobenregelung eine erhebliche Mehrbelastung, weil er in seinem großen Laden einen starken Kundendurchlauf hat, und weil die Geschäftswelt mit Corona nun schon seit anderthalb Jahren belastet wird und eigentlich genug hat. Er hofft nur, dass es keinen weiteren Lockdown mehr gibt.

Starke Kundenströme hat Petra Prendel in ihrer kleinen, individuellen Boutique in der Marktstraße nicht zu bewältigen. Insofern kommt sie mit den Kontrollvorschriften schon klar. Allerdings hat sie noch keine genauen Handlungsanweisungen. Muss sie die Personalausweise auch angucken? Kann sein. Muss sie eine Liste ihrer täglichen Kunden führen? Nein, davon war bislang nirgends die Rede. „Dann ist das für mich machbar“, sagt sie, die sowieso mit ihren Kundinnen immer noch ein Schwätzle hält. Da kann man doch gleich noch nach dem Impfpass oder Testnachweis fragen. Petra Prendel ist froh, dass es ihre Boutique überhaupt noch gibt. Einmal in der Corona-Zeit war sie am Rande der Existenz. Aber dann boten ihr treue Kundinnen Hilfe an, die sie dann doch nicht brauchte, weil die beantragten Staatshilfen kamen.

Am Mittwoch gilt die Alarmstufe, und sie löst bei Einzelhändlern Verwirrung aus. Über Nacht werden sie zu Corona-Kontrolleuren. Dabei wissen sie gar nicht genau, wie intensiv sie eigentlich kontrollieren müssen. Klar ist: Ohne Impf-, Genesenen- oder Testnachweis darf kein Kunde mehr etwas kaufen. Wie gehen ein sehr großes und ein ziemlich kleines Geschäft in Winnenden mit der neuen Vorschrift um? Und was bedeutet das für die Kunden?

Hunger muss keiner leiden. Lebensmittel sind Teil

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