Winnenden

"Alles bestens geregelt": Neues Theaterstück des TSV Schwaikheim

Theter
Der Herr Doktor (Armin Hutt) muss gestützt werden von Bauerin Rosi (Barbara Hutt) und Postbotin Lisa (Carina Schmid). © Ralph Steinemann

Schwaikheim. „Politisch korrekt“ ist das ja nicht, was die Theatergruppe des TSV erneut dem armen Heiko Reile zumutet. Wieder spielt er den Dorftrottel mit Sprachfehler. Doch man kann es leider schon bei den Proben von „Alles bestens geregelt“ nicht anders sagen: Die Rolle ist nun mal glänzend besetzt.

Video: Die Theaterprobe des Stücks "Alles bestens geregelt" von der Theatergruppe des TSV Schwaikheim.

Doch nicht nur Reile spielt, wie es heute heißt, „authentisch“. Auch Carina Schmid nimmt man die naiv-verträumte, etwas begriffsstutzige Postbotin ab. Man muss sie einfach liebhaben, ganz im Gegensatz zu „Hans Joachim Hassmann“, dem Thomas Ulrich glaubwürdig als arroganten, selbstverliebten Kotzbrocken spielt. Der, ein Autor aus der Großstadt, macht Urlaub, mit Smartphone und Laptop auf dem „Schönblickhof“.

"Biddafeld": Ein Running Gag

Oder ist es doch der Zillhardtshof? Auf jeden Fall nicht „Biddafeld“, das, als Running Gag, wie üblich bei den Komödien der Schwaikheimer, dafür herhalten muss, wo alles Schlechte herkommt. Lacher bei der Aufführung sind garantiert. Für Lokalkolorit im Stück sorgen zudem der Teufelsbrunnen und der Besen Maier.

Auswertigen Schnösel graust es vor Kopftuch- und Schürzenträgerinnen

Doch auch der einheimische Weiler bekommt sein Fett ab. Angeblich können „die Weiber“ dort nicht (mal) lesen, behauptet der auswärtige Schnösel, zudem ein Macho vor dem Herrn, den es vor Kopftuch- und Schürzenträgerinnen graust und der immer wieder deftige Chauvi-Sprüche vom Stapel lässt, die den Gesinnungsgenossen im Publikum garantiert gefallen werden.

Immer wieder gehen die Laien-Mimen zur falschen Seite raus

Noch ein Running Gag, bei den Proben, allerdings ein unbeabsichtigter, bis zu den Aufführungen werden die TSV-Mimen das wohl leider in den Griff bekommen: Zwei Stellwände sind stellvertretend Requisiten für verschiedene Ausgänge. Ständig treten die, die ihren Auftritt vorne hinter sich gebracht haben, zur falschen Seite hin ab. Jedes Mal kurze Unterbrechung mit korrigierendem Hinweis von Regisseur Roland Knödler. Wenn’s nicht so lustig wäre, es wär’ zum Haareraufen für ihn. Und warum eigentlich steht völlig nutzlos die ganze Zeit diese Blechwanne im Weg, über die immer wieder eine(r) stolpert?

Urlaubsgast muss als Tierarzt ran 

Stark ist auch Armin Hutt in der Rolle als Dr. Reinhard Kümmerlich. Ein Chemiker, wie er immer wieder betont, aber völlig vergeblich, weil auf dem „Schönblickhof“ Doktor natürlich Arzt bedeutet, und zwar Tierarzt, weil der wird dort gebraucht. So muss der etwas verpeilte Urlaubsgast, der eigentlich zum Wandern gekommen ist, unfreiwillig beim Kalben ran, Geburtshilfe leisten. Hutt nimmt, nachdem alles heil, auch für ihn, überstanden ist, zur Feier des Tages einen kräftigen Schluck aus dem Flachmann – und verschluckt sich prompt. Irgendjemand hat ihm statt Wasser tatsächlich „scharfen Stoff“ reingefüllt. Wer das wohl war? Schon mal so richtig in Schwung traut sich der „Sesselfurzer“ aber sogar das Melken zu. Er greift da allerdings bei einem ganz Falschen zu. Dazu nur so viel: einem, der das so gar nicht mag und der das dem Herrn Doktor auch umgehend deutlich macht.

Ein launiger Reigen der Hallodris und Beißzangen

Kurzum: Es ist laut, es ist derb, es ist grob, es wird ein launiger Reigen der Hallodris und Beißzangen – wenn erst mal die Texte vollständig bei allen sitzen, jeder weiß, wo er während seines Auftritts zu stehen oder sich zu bewegen hat und vor allem, wie gesagt, wo’s hinterher rausgeht. Fürs unvermeidliche Schlitzohrige und Hinterfotzige sorgen Lothar Schmid als Altbauer Anton, Barbara Hutt als Bäuerin und Schwiegertochter Rosi und Christiane Hutt als Nachbarin Brunhilde (!), deren Auftritte vom Kontrast zu den „Heimchen“-Rollen leben.

Mutter Klara, gespielt von Ursula Ulrich, lebt derweil ihren Reinlichkeitsfimmel aus und Nachbarin Brunhilde treibt ihr krankhafter Geiz zu Einfällen, die nicht unbedingt immer kinder- und jugendfrei sind.

Aufführungstermine und Kartenverkaufsstellen

Aufführungen sind am Freitag und Samstag, 28. und 29. April, jeweils in der Gemeindehalle, außerdem am Donnerstag und Freitag, 29. und 30. Juni, sowie am Samstag, 1. Juli, im Weingut Maier (die im Besen sind bereits ausverkauft). Beginn der Aufführungen ist jeweils um 20 Uhr.

Karten für die Aufführungen in der Gemeindehalle gibt es in der Schwaikheimer Volksbankfiliale, im „ S’ Lädle“, Bahnhofstraße 53, und im Birkenhof, Winnender Straße 27.