Winnenden

Alte B 14: Holzwarth will sich für Blitzer einsetzen

1/2
755d1b37-e58e-4660-b4b2-a6db170a89d5.jpg_0
© Gabriel Habermann
2/2
_1
Die Polizei wünscht Blitzer an der Waiblinger Straße. Der Gemeinderat hat in dieser Frage noch zu entscheiden. Fotomontage: Gabriel Habermann © Gabriel Habermann

Winnenden. Rund 700 Menschen, die an der Waiblinger Straße und an ihrer Fortsetzung, der Ringstraße, wohnen, sind einer hohen Lärmbelastung ausgesetzt. Das hat ein Gutachten ergeben, dem der Gemeinderat mit dem Rückbau der ehemaligen B 14 Taten zur Lärmminderung folgen lassen will. Anwohner wie Andreas Rittberger finden, dass dies nun schon viel zu lange dauert.

Als es auf einer Zeitungsseite am 26. Oktober um den von der EU vorgeschriebenen Lärmaktionsplan ging, waren zwei Dinge klar. Erstens: Die Polizei wünscht auf der bolzgeraden Straße mindestens zwei Radar-Anlagen, die das um durchschnittlich zehn Stundenkilometer überschrittene Tempo-50-Gebot einhalten helfen und die auch nächtlichen Hobbyrennfahrern in getunten Schlitten den Spaß mit saftigen Strafzetteln und Punkten in Flensburg verderben. Zweitens: Über das Aufstellen von Blitzern entscheidet der Gemeinderat, wie er auch über die Umgestaltungspläne befindet. Stand heute sollen sie im Februar beraten werden. Das heißt für Anwohner: Weiter warten, und zwar bis 2019, bis der Rückbau der ehemaligen B 14 in Abschnitten tatsächlich stattfindet und den Verkehr verlangsamt. Zehn Jahre nach Freigabe der B-14-Ortsumfahrung Winnenden.

Anzeigetafeln mit Solarpanel funktionieren im Dunkeln nicht

Dass sich seit Oktober 2017 gar nichts getan hat, kann man aber auch nicht behaupten, wie Andreas Rittberger auf Nachfrage unserer Zeitung schreibt: „Die Stadtverwaltung hat, wie an den meisten Ortseingängen, eine so genannte Geschwindigkeitsanzeige angebracht. Welche mit Solarpanel betrieben wird. Bei Dunkelheit funktioniert sie meist nicht. Schade. Aber hierdurch hat man wenigstens die Möglichkeit zu sehen, dass ein schöner Anteil der Fahrzeuge zu schnell unterwegs ist. Schön wäre es, wenn die Stadt die Messungen der Geräte auswerten könnte.“ Nach Rittbergers Beobachtung sind meistens diejenigen Fahrzeuge zu schnell unterwegs, „die schon durch ihre Sounds auffällig sind“. Rittberger, der an der Waiblinger Straße seit 1976 wohnt, vermutet, dass die Besitzer der PS-Protze derzeit Urlaub haben, weil sie ihre Kärren nachts um 2 Uhr aufheulen lassen.

Wird sich der Amtsinhaber und einzige OB-Kandidat für stationäre Blitzer an der Waiblinger Straße einsetzen? „Ich werde es dem Gemeinderat empfehlen, sie gleich mit dem Rückbau aufzustellen und nicht nur Leitungen dafür legen zu lassen“, sagt Hartmut Holzwarth.

Dass die Radarfallen sogar früher aufgestellt werden, darauf schürt Holzwarth allerdings keinerlei Hoffnung. „So eine Anlage zu installieren, ist ein hoher Aufwand, dazu braucht man Datenleitungen, die wir beim Umbau der Straße legen.“ Ein Poliscanner kostet 270 000 Euro, kein Pappenstiel. Braucht man zwei oder sogar drei von den Dingern? „Das muss man noch austüfteln, vielleicht kann man drei Standorte einrichten und zwei Anlagen von einem zum anderen wandern lassen“, überlegt er.

Gerast wird vor allem nachts

Im Februar wird das Bauamt das, was das Ingenieurbüro Karajan erarbeitet hat, dem Gemeinderat vorlegen, ein Grünstreifen in der Mitte ist Holzwarths persönlicher Favorit. „Wir können zudem die Straßenbreite verengen und haben die Auswahl, das Tempo bei 50 zu belassen oder auf 40 oder gar 30 zu reduzieren.“ Was eine Überwachung nicht überflüssig mache, sagt Holzwarth, denn gerast werde vor allem nachts. Durch „viele Einzelgespräche mit den Anwohnern ist mir bekannt, dass endlich etwas passieren muss“. Den Rückbau vor 2019 kann Holzwarth zwar nicht in Aussicht stellen. Er dürfte sich aber nicht weiter verzögern: „Finanziert ist die Maßnahme über die Sanierungsmittel des Landes.“ Die wurden vor Jahren bewilligt mit der Vorgabe, dass das Geld bis 2019 ausgegeben wird.

Gegen die getunten Fahrzeuge kann die Stadt nichts tun

Der Neubau der Ortsumfahrung habe die Bewohner zunächst „stark entlastet“, was aber zur Folge hatte, dass bei weniger Stau und „nur noch“ 10 000 bis 15 000 Fahrzeugen in 24 Stunden deutlich schneller gefahren werden kann und Selbiges die Anlieger auch zu hören bekommen. „Das Gutachten für den Lärmaktionsplan hat bestätigt, was die Bürger uns immer wieder gemeldet haben. Der Punkt ist nun benannt und muss von uns behandelt werden.“ Holzwarth weiß aber auch vom Problem der mobilen, in einem VW-Bus untergebrachten Blitzer der Stadt. Es gibt an dieser Straße kaum Stellmöglichkeiten. Und: „Gegen die getunten Fahrzeuge haben wir als Stadt nichts in der Hand.“ Die Einhaltung der Lärmwerte beim einzelnen Fahrzeug regelt die Zulassungsbehörde. Es sei Sache der Polizei, Manipulationen an Auspuff oder Motor zu ahnden.