Winnenden

Alte Köhlerfabrik darf abgerissen werden

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Hoftor des Hauses Palmerstraße 11 und Giebel der Köhlerfabrik: Beide sollen abgerissen werden. © ZVW/Benjamin Büttner

Winnenden. Es kommt Bewegung in das Bauprojekt Schmidgallstraße. Der Besitzer hat eine Abbruchgenehmigung für die alte Köhlerfabrik bei der Stadt erwirkt. Am Freitag wurden Absperrbaken aufgestellt, und am Montag arbeitete für kurze Zeit ein kleiner Bagger an dem Bau.

Wann genau der große Abriss kommt, war gestern nicht zu erfahren. Anwohner, Passanten und Freunde des alten Backsteinviertels zwischen Kronenplatz und Bahnhof befürchten schon seit Freitag, dass die vertraute Backsteinfassade fällt und dass auch das Eckhaus Schmidgallstraße/Palmerstraße dem Erdboden gleichgemacht wird. Beide Gebäude prägen seit hundert Jahren das Gesicht der Straße und das des Viertels. Beide haben ihre Eigenheiten und Schönheiten, sind Stein für Stein von Hand hochgemauert, und das Eckhaus hat eine durchgestaltete Fassade. Aber für beide Gebäude gilt: Wer sie von innen kennt, wer die Kellergewölbe des Eckhauses genau angeschaut hat und wer das Obergeschoss der Backmaschinenfabrik von Köhler gesehen hat, der versteht, dass sie mittlerweile verlassen sind.

Erhalt der alten Fabrikwand wäre sehr schwierig

Markus Schlecht, der Leiter des Stadtentwicklungsamts, sagt auf Anfrage: „Ich würde mich schwertun damit, aufzuerlegen, dass die Hülle des Baukörpers erhalten werden müsste.“ Sicher findet er die Backsteinfassade „interessant“, und er sagt: „Die Länge des Baukörpers ist ortsbildprägend.“ Im Gespräch mit dem Bauherrn möchte er erreichen, dass das neue Gebäude Prägendes aus dem alten Baukörper wieder aufgreift, vielleicht die Backsteine, vielleicht die Architektur insgesamt. Es soll sich im Gespräch mit dem Bauherrn und den Architekten entwickeln.

Schon vor Jahren geklärt: Kein Denkmalschutz auf dem Gebäude

Der Abbruch, jedenfalls, sei erlaubt, sagt Schlecht. Die Bauherren haben ihn bei der Stadt angemeldet, alle Unterlagen eingereicht und die Prüffrist abgewartet – nun dürfen sie beginnen. Denkmalfragen hatte die Stadt vor Jahren geklärt: Die alte, weit über Winnenden hinaus bekannte Fabrik für professionelle Teigknetmaschinen und Backöfen steht nicht unter Denkmalschutz.

Der Bauherr hat auch das Eckhaus, das freie Grundstück an der Palmerstraße und das Grundstück hinter der Fabrik erworben. Nach allem, was zu hören ist, möchte er eine Tiefgarage bauen und Wohnhäuser darauf. Spannende Frage bleibt, ob das Eckhaus noch an das jetzige Alt-Gebäude erinnert und ob das Wohngebäude in der Schmidgallstraße noch etwas von der langgezogenen alten Köhlerfabrik haben wird.


Backmaschinen

Köhlers Backmaschinen waren ein Begriff bei Bäckern in Baden-Württemberg. Wenn in den 70er Jahren ein Knethaken brach, wusste zum Beispiel ein Bäcker in Rottweil: „Do muesch noch Winnenden, do kriegsch Ersatz.“

Ein Winnender Konditor erinnert sich an Backöfen von Köhler.