Winnenden

Am Schwalbenweg Winnenden: Aus einem Haus werden zwei, Stadtrat Fohr kritisiert den Architekten

Hungerbergwohngebiet
Am Schwalbenweg 16 ist das alte Haus bereits abgerissen. Hier entsteht ein Doppelhaus mit zwei Garagen. © ALEXANDRA PALMIZI

An einem Baugesuch für ein Doppelhaus hat Stadtrat Diethard Fohr (FDP) insbesondere die Höhe kritisiert. Die Planung für den Schwalbenweg 16 im Hungerbergwohngebiet überschreitet die im Bebauungsplan festgesetzte Maximalhöhe um 1,3 bis 1,8 Meter, je nachdem, ob man das natürliche oder das geplante Gelände zugrunde legt. Unter anderem deshalb, weil das Haus leicht am Hang liegt, Kellerfenster zum Schwalbenweg hin bekommt und Treppen zur Eingangstür: Das Erdgeschoss befindet sich ein Stockwerk über Straßenniveau. Und unter dem Satteldach plant der Bauherr einen Kniestock von einem Meter Höhe, der laut Bebauungsplan überhaupt nicht erlaubt ist. Mit Kniestock ist eine Außenwand im Dachgeschoss gemeint, die die Räume größer macht, indem sie das Dach anhebt.

Diethard Fohr findet, dass „der Architekt sich etwas mehr Mühe hätte geben können“, nicht etwa, weil er es optisch nicht ansprechend findet, sondern weil Fohr die zu starke Beschattung des topografisch tiefer liegenden Mehrfamilienhauses Schwalbenweg 13 gegenüber befürchtet. Diethard Fohr war bei dessen Bau im Jahr 2012 nebenamtlicher Vorstand der Baugenossenschaft Winnenden und als solcher in die Planung dieses Gebäudes involviert, aber noch nicht im Gemeinderat. „Wir wollten damals auch höher bauen, das wurde aber abgewiegelt“, sagte er. Vor der Entscheidung im Technischen Ausschuss beantragte Diethard Fohr, vom Baurechtsamt ein Verschattungsgutachten für das gegenüberliegende Haus zu erhalten.

OB Holzwarth zum Gutachten: „Wohnverhältnisse durch Schattenwurf nicht beeinträchtigt“

Am Nachmittag vor der Sitzung legte Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth allen Gemeinderäten das Ergebnis und sein Fazit vor: „Die Verschattungsbeurteilung zeigt, dass keine besondere Beeinträchtigung durch Schattenwurf besteht. Die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse sind eingehalten. Gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse sind definiert durch die Belichtung, Besonnung und Belüftung der Wohnungen und Arbeitsstätten.“

Der Bebauungsplan stammt aus dem Jahr 1955. „Er hat viele Kleinteiligkeiten, wir wollen eine gewisse Nachverdichtung und müssen immer gucken, ob ein Neu- oder Umbau stimmig ist und ins Gebiet passt“, erläuterte Holzwarth in der Sitzung. Auch das Haus der Baugenossenschaft Winnenden habe die Festsetzungen des Bebauungsplans damals „erheblich überschritten“, so Holzwarth. Weitere Bauvorhaben im Gebiet seien auch von Festsetzungen befreit worden, so dass durch dieses neue Doppelhaus keine Präzedenzwirkung ausgehe, beantwortete er eine Frage von Susanne Kiefer (ALi). „Es gibt in der Straße vergleichbare Häuserhöhen“, sagte auch Stadtentwicklungsamtsleiter Markus Schlecht.

Stadträtinnen der ALi enthalten sich, vier stimmen mit Nein

Weitere Punkte in der Beschlussvorlage sind diese: Eine Garage liegt 25 Quadratmeter außerhalb des Baufensters. Die Eingangsüberdachungen mit Treppen sind insgesamt knapp 12 Quadratmeter über der Baulinie. Die zwei Terrassen überschreiten das Baufenster insgesamt mit 27,6 Quadratmetern. Das Baurechtsamt ist der Meinung: „Trotz der Überschreitungen handelt es sich um eine angemessene städtebauliche Entwicklung.“ Von der ALi-Fraktion meldete sich Rahel Dangel nur kurz zu Wort. „Schweren Herzens sage ich Ja dazu.“ Wenn man zwei Häuser hat statt vorher einem, dann sei das eben „sehr viel Verdichtung“. Dangel enthielt sich allerdings der Stimme, ebenso wie ihre Fraktionskollegin Susanne Kiefer. Mit Nein stimmten vier Gemeinderäte, durch sieben Jastimmen sind die Überschreitungen aber genehmigt.

An einem Baugesuch für ein Doppelhaus hat Stadtrat Diethard Fohr (FDP) insbesondere die Höhe kritisiert. Die Planung für den Schwalbenweg 16 im Hungerbergwohngebiet überschreitet die im Bebauungsplan festgesetzte Maximalhöhe um 1,3 bis 1,8 Meter, je nachdem, ob man das natürliche oder das geplante Gelände zugrunde legt. Unter anderem deshalb, weil das Haus leicht am Hang liegt, Kellerfenster zum Schwalbenweg hin bekommt und Treppen zur Eingangstür: Das Erdgeschoss befindet sich ein Stockwerk

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