Winnenden

Angeklagter war in Asien-Perle tätig

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Hat für den Zeitraum von etwa einer Woche im Restaurant Asien-Perle gearbeitet: Dumitru A., einer der beiden Angeklagten. © Alexander Becher

Backnang/Stuttgart. Überraschende Entwicklung im Prozess um den Mord in der Backnanger Asien-Perle: Einer der Angeklagten hat für kurze Zeit in dem Restaurant gearbeitet. Damit scheint die Verteidigungsstrategie klar, denn seine DNA am Tatort könnte auch aus dieser Zeit stammen.

Eine Chronologie des Mordfalls finden Sie hier.

Bisher hatten die beiden Angeklagten im Prozess um den Mord an der Restaurantbesitzerin Aie Wu geschwiegen. Beim jüngsten Landgerichtstermin meldete sich einer von ihnen, der 42-jährige Dumitru A., erstmals zu Wort. „Haben Sie mich gesehen, wie ich den Teppich verlegt habe?“, ließ der Rumäne über den Dolmetscher fragen. Der Befragte, ein angestellter Koch im Restaurant, antwortete, er könne sich nicht mehr genau erinnern. Dass er A. einige Zeit vor der Tat im Restaurant gesehen hat, bestätigte er allerdings.

Bei den Vorbereitungen für die Hochzeit von Aie Wus Sohn ausgeholfen

Über den Zeitraum von etwa einer Woche habe der Rumäne bei den Vorbereitungen für die Hochzeit von Aie Wus Sohn ausgeholfen – als Tellerwäscher, Reinigungskraft und beim Aufbau der Tische. Wann genau die Hochzeit stattgefunden hatte, vermochte der Zeuge nicht mehr zu sagen.

Ob er gesehen habe, wie A. ein Klebeband benutzt hat, fragte Verteidiger Hanno Haupt den Koch. Auch daran konnte sich dieser nicht erinnern. Seine Aussage ist die letzte an diesem Verhandlungstag. Dass A.s Verteidiger in dieser Angelegenheit so insistiert, hat mit der ebenfalls an diesem Prozesstag vorgetragenen Aussage einer DNA-Sachverständigen zu tun. Diese hatte nämlich unter anderem das Klebeband, mit dem das Opfer gefesselt wurde, auf Spuren untersucht.

Zufällige Treffer sind nicht sehr wahrscheinlich

„Es ist immer noch schwer nachzuvollziehen“, sagte Richter Joachim Spieth, nachdem die DNA-Sachverständige des Landeskriminalamtes das Vorgehen zur Auswertung der Spuren erläutert hatte. Ihre Schlussfolgerungen hingegen waren klar: „Es ist höchstwahrscheinlich, dass CC1971 zwölf der Spuren mitverursacht hat“. CC1971, damit ist der zweite Angeklagte, der 46-jährige Constantin C., gemeint. Seine DNA wurde an verschiedenen Stellen des Klebebands gefunden, mit dem das Opfer Aie Wu gefesselt worden war, sowie an Abrieben von den Fingernägeln der Toten und von den Fingernägeln selbst.

Und auch beim Nachweis der DNA von Dumitru A. bestehen kaum Zweifel. „Ein zufälliger Treffer ist eher auszuschließen“, sagte hier die Sachverständige. Dumitru A.s Spuren wiederum waren an mehreren Stellen des Klebebands gefunden worden.

An drei Stellen des Klebebands wurden Spuren gefunden

Die DNA-Analyse ist ein komplizierter Vorgang, bei dem zuerst die DNA aus den Zellen extrahiert und dann in Teilen mit einem fluoreszierenden Farbstoff versehen wird. Aufgenommen und ausgewertet wird das Leuchten der verschiedenen Teile. Nun war aber laut Angaben der Sachverständigen „alles voller Blut“, sodass dieses sich mit den meisten Abriebspuren vermischte.

„Bei einigen der Spuren haben wir deshalb nichts Verwertbares gefunden.“ Deswegen habe sich das Team auf die Anfangs- und Endstücke des Klebebands fokussiert, da die Rissstellen am ehesten ein Ergebnis versprechen. Und sie wurden belohnt. Gleich an drei Stellen des Klebebands wurden Spuren gefunden, die mit der DNA von Dumitru A. übereinstimmen.

DNA führte die Ermittler auf die Spur der Verdächtigen

Vor dem Hintergrund, dass A.s Verteidigung offenbar darauf hinauswollte, dass der Angeklagte im Vorfeld bereits in der Asien Perle mit Klebeband gearbeitet hat, scheint die Strategie klar: Dumitru A.s Spuren am Klebeband könnte von seiner Arbeit im Restaurant stammen. Seine DNA war es, die die Ermittler überhaupt erst auf die Spur der beiden Verdächtigen geführt hatte. Denn als die Sachverständige die Spuren noch mal mit der polizeilichen Datenbank abglich – der erste Versuch war erfolglos verlaufen –, landete sie einen Treffer. Spuren an einer Mütze, die in einem anderen Fall eine Rolle spielte, wiesen die gleichen Merkmale auf, wie die am Klebeband. Und die Mütze wiederum hatte in der rumänischen DNA-Datenbank einen Treffer ergeben: Dumitru A. Er soll gemeinsam mit Constantin C. die 53-jährige Aie Wu zu Tode geprügelt haben.

Blutspuren zeigen Grausamkeit

Wie grausam die Tat war, zeigten auch die weiteren Aussagen des Tages. Ein beklemmendes Bild des Tatvorgangs formte sich durch den Vortrag und die Befragung einer Sachverständigen des Landeskriminalamts zum Blutspurenmuster am Tatort. Sie zeigte einerseits auf, wie sich das Geschehen von der Wand am Waschbecken über den Bereich an der Tür bis hin zur Toilettenkabine verlagert haben muss. In diesem Verlauf sei „eine Mindestanzahl von acht bis neun Gewalteinwirkungen unterscheidbar“.

Bemerkenswert war aus ihrer Sicht der Wechsel in der Höhe der Blutspuren. Daraus könne man schließen, dass Aie Wu anfangs noch stand, sich das Geschehen dann aber auf den Boden verlagerte. Die zahlreichen Spritzspuren auf einer Höhe von 40 bis 60 Zentimetern könnten dadurch entstanden sein, dass das Opfer sich auf die Knie aufrichtete, oder aber dass ihre Peiniger den Kopf für weitere Gewalttaten anhoben.

„wie man es aus einem Horrorfilm kennt“

Grausige Anblicke mussten sich auch den beiden Polizeibeamten geboten haben, die nach den Sanitätern zum Tatort gelangten. Ein Beamter, dessen erster Mordfall dies war, schilderte, dass ein blutiger Handabdruck an der Tür gewesen sei, „wie man es aus einem Horrorfilm kennt“. Er und seine Kollegin waren unter anderem damit beauftragt, die Personalien der Angestellten aufzunehmen, die sich zum Zeitpunkt ihres Eintreffens am Tatort im und vor dem Restaurant befanden. Der Koch, der Dumitru A. wiedererkannt hat, war an diesem Tag erst später dazugekommen. Er konnte dennoch mit seiner Aussage ein weiteres interessantes Detail beisteuern. Seinen Angaben zufolge hatte Aie Wu ihre Angestellten mit Bargeld bezahlt, das sie in ihrem Privatzimmer aufbewahrte. Sollte sie das auch bei Dumitru A. getan haben, könnte ihn das wiederum belasten.

Details der Anklage

Oberstaatsanwalt Matthias Schweitzer legt den beiden angeklagten Rumänen einen gemeinschaftlichen, heimtückischen Mord aus Habgier zur Last, den sie begangen hätten, um einen Raub zu ermöglichen.

Am Abend des 3. März 2016 sollen die beiden Männer das Restaurant Asien-Perle betreten haben, ohne dass dies von der Inhaberin oder ihren Mitarbeitern bemerkt wurde. Die Inhaberin, Aie Wu, 53, hatte offenbar vor, im Restaurant zu übernachten, und machte sich bettfertig, als die beiden Angeklagten kurz nach Mitternacht die Toilette betraten und Aie Wu niedergeschlagen haben sollen.

Die beiden Männer schlugen auf die Frau ein und traten sie. Einer der beiden soll sich auf den Brustkorb der 53-Jährigen gesetzt haben, damit der andere sie mit Klebeband knebeln konnte. Im Privatzimmer stahlen die Täter dann Bargeld in Höhe von mindestens 20 000 Euro und eine 8000 Euro teure Uhr.

Aie Wu sei schwer verletzt zurückgelassen worden, als die beiden das Restaurant mit ihrer Beute verließen. Letztlich sei Wu an einem massiven Thoraxtrauma verstorben. Am nächsten Morgen wurde die Tote von der Putzfrau entdeckt.


Mordfall in der Asien-Perle: Chronologie

Am 4. März 2016 wurde Aie Wu von einer Mitarbeiterin des Restaurants auf der Toilette tot aufgefunden.

Den Ermittlern war schnell klar: Das Opfer ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen, dies bestätigte auch die spätere Obduktion. Eine 70-köpfige Sonderkommission, die Soko Perle, begann mit ihren Ermittlungen. Diese gestalteten sich äußerst schwierig. Nachdem ein Großteil der Spuren abgearbeitet war, löste sich die Sonderkommission Perle im Juni auf.

Im November 2016 dann die Nachricht der Polizei: Zwei Tatverdächtige wurden festgenommen. Ein dringender Tatverdacht erhärtete sich gegen einen 42- und einen 46-jährigen rumänischen Staatsangehörigen aus dem Raum Backnang. 

Im April 2017 wurde schließlich Anklage gegen die beiden Tatverdächtigen erhoben. Der Prozess wird voraussichtlich bis zum Herbst dauern: Angesetzt hat das Landgericht 15 Termine, das Urteil soll voraussichtlich im Oktober verkündet werden.

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