Winnenden

Apothekerin Elke Seitz-Beller über Anwendung, Haltbarkeit und Wert einer FFP2-Maske

Maskenrätsel - Apothekerin
Elke Seitz-Beller gehört die Apotheke am Rathaus in Winnenden. © ALEXANDRA PALMIZI

Das Jahr 2020 wird in die deutsche Geschichte eingehen als das Jahr, in dem wir flächendeckend anfingen, Masken zu tragen. Wie gehen zehn Winnender in den unterschiedlichsten Berufen damit um? Und was sind ihre Hoffnungen fürs neue Jahr? Das erste Gespräch führten wir mit Apothekerin Elke Seitz-Beller.

„Als ich die Alltagsmaske das erste Mal aufgesetzt hatte und die Treppe von der Tiefgarage unter dem Rathaus hochstieg, dachte ich: Die stört mich. Ich war innerlich wütend. Als ich dann aber meine Apotheke aufschloss, sagte ich mir: Sei nicht undankbar. Wer im Operationssaal arbeitet, muss sie immer aufhaben.“ Seit diesem Moment lässt die 55-Jährige Gejammer über die mal dünnen, mal dicken Masken, aus Papier oder aus Stoff, nicht gelten. „Als gesunder Mensch spürt man sie doch irgendwann gar nicht mehr. Die Ausnahmen sind für mich nur schwer lungenkranke oder psychisch kranke Menschen.“

Gute Tipps für Brillenträger und sparsame Menschen 

Die Apothekerin hat einige Tipps auf Lager, wie Menschen, die noch immer mit der Bedeckung an zwei Ohrenbändern hadern, besser mit ihr umgehen und sie zudem so lang wie möglich benutzen können:

• Maske mit sauberen Händen aufsetzen, am besten im Auto oder vor der Haustür.

• Nasenbügel wirklich eng andrücken, den Gesichtskonturen anpassen. Beschlägt die Brille über der Maske, entweicht Luft nach oben, das bedeutet, sie ist nicht dicht. „Meine Maske hinterlässt Druckspuren. Die tun nicht weh, aber sie zeigen mir, sie sitzt richtig. Meine Brille beschlägt nicht.“

• Die Maske ist genau in dem Moment besonders wichtig, da Menschen zueinander nur weniger als 1,5 Meter Abstand halten können. Auch wenn man sich ganz vertraulich mit einer Freundin unterhalten möchte oder erkältet ist, muss die Maske auf dem Gesicht bleiben. „Aerosole, wie sie beim Sprechen, Husten oder Niesen entstehen, sollen in der Maske bleiben, man sollte sie sich auch nicht in die Augen reiben“, sagt die erfahrene Apothekerin. Also Hände waschen oder desinfizieren, bevor man die Maske abnimmt.

• Es gibt drei kostenlose FFP2-Masken für Mitbürger ab 60 Jahren oder Menschen mit Grunderkrankungen egal welchen Alters noch bis 6. Januar in den Apotheken. Wie oft oder wie lange darf man sie tragen, bis man sie wegwerfen muss? Elke Seitz-Beller hat dazu gute Nachrichten. „Dem Durchschnittsbürger reicht eine solche Maske für eine Woche. Er braucht sie doch nur zum Einkaufen oder zum Arztbesuch, derzeit ist viel mehr nicht geboten, wo man sie aufsetzen müsste.“ Die Empfehlung des Herstellers lautet acht Stunden. Ein Apotheker oder ein Arzt, der trägt eine solche Maske durchgehend in einer Schicht, etwa zehn bis 14 Stunden. Wer seine Maske nach einer Stunde Einkauf mit gesäuberten Händen abnimmt und sauber und trocken aufbewahrt, kann sie mehrmals benutzen.

Je sechs Masken werden im Januar und Februar ausgegeben

Es kommt noch besser: Im Januar und im Februar erhält man gegen zwei Euro Eigenanteil und mit Krankenkassenbescheinigung je sechs FFP2-Masken (Mitteilung des Landesapothekerverbands vom 14. 12.). Elke Seitz-Beller sieht dadurch die Risikogruppen den ganzen Winter über bis Anfang April versorgt.

Wie berichtet gab es Mitte Dezember lange Schlangen vor Apotheken, teils sogar erboste Diskussionen, wenn kurzfristig mal der Nachschub ausgegangen war. „Die Leute waren wie im Rausch“, sagt Elke Seitz-Beller über den Start der Geschenkaktion. Aber wissen wir eigentlich, wie gut es uns geht? „Ich hörte von Ärzten in Tansania, die direkt mit Covid-19-Patienten arbeiten, die bis heute keine solchen Masken zur Verfügung haben“, sagt Elke Seitz-Beller. Sie selbst trägt deshalb auch noch die KN95-Masken ohne CE-Prüfsiegel auf, das am Anfang einfach noch nicht verfügbar war für diese Produkte. „Das muss nicht heißen, dass die Masken alle schlecht sind.“

Die Apothekerin hofft, dass unter den Empfängern der Masken viele sind, die das Geschenk wirklich zu schätzen wissen. „Es zu bekommen, ist ein Privileg. Und die Masken zu tragen und sich an die Regeln zu halten, ist Wertschätzung für die, die beruflich keine andere Wahl haben, als sich der Viruserkrankung auszusetzen, dem Krankenhauspersonal gegenüber etwa, das das höchste Risiko hat, sich anzustecken.“

Elke Seitz-Beller hat schnell ihren Frieden mit der Maskenpflicht gemacht. Inzwischen, findet sie, „sieht man auch an den Augen und an der Körperhaltung, ob jemand mit Maske lächelt oder nicht“. Was sie indes wirklich vermisst, sind Gespräche in der Apotheke über nicht Notwendiges. „Ich schwätze eigentlich so gern mit den Leuten über den Garten oder Ereignisse in Winnenden, höre zu, was die Kunden Privates erzählen. Das geht nicht, wenn draußen Leute warten, bis sie dran sind.“

Bis der Impfstoff andere Zeiten anbrechen lässt, müssen alle verzichten

Auch deshalb freut sich Elke Seitz-Beller, wenn irgendwann wieder andere Zeiten einkehren. Bis es so weit ist, fasst sie sich in der Apotheke kurz. Kunden, die über Einsamkeit klagen, rät sie zum Gespräch vom Balkon oder Fenster aus oder über die Straße hinweg, zum Waldspaziergang zu zweit, zum Telefonat und zum virtuellen Plausch. „Wenn wir alle verzichten, ist es auch schneller vorbei.“ Elke Seitz-Beller setzt auch Hoffnungen in die Impfstoffe, die da kommen. „Wenn sich herumspricht, dass sie gut verträglich sind, sind die Leute auch eher bereit, sich impfen zu lassen.“ Nach allem, was sie bisher erfahren hat, sind die Nebenwirkungen nicht höher als bei bisherigen Vakzinen.

Sie ist mit ihrer Apotheke seit 25 Jahren im Rathausviertel - drum herum hat sich viel verändert

Elke Seitz-Bellers Kunden haben Vertrauen zu ihr in 25 Jahren aufgebaut. So lange hat sie schon ihre Apotheke am Rathaus. Das stolze Vierteljahrhundert mit ihrer Familie und ihrem Team zu feiern war ihr dieses Jahr zwar nicht vergönnt. Aber sie denkt gern daran, wie alles kam.

„Ich komme nicht aus einer Apotheker-Dynastie, meine Eltern waren Schreiner und Hausfrau. Ich habe pharmazeutisch-technische Assistentin gelernt und bei Dr. Kallenberger am Kronenplatz gearbeitet.“ Als „Glück“ bezeichnet es Elke Seitz-Beller, dass ihr Studium in Tübingen und die Prüfung alter Gebäude im Rathausviertel durchs Landesdenkmalamt etwa gleich lang dauerten. Die Besitzer durften abreißen und neu bauen – und wollten an sie vermieten, gerade weil sie sich „von unten hochgearbeitet hatte“. Auch ihr Mann zog mit, nutzte als Ingenieur im Fachbereich Mikroelektronik die Erziehungszeit voll aus, sowohl beim ersten als auch beim zweiten Kind, und arbeitet heute sowohl in der Apotheke als auch in der Forschung an der Universität. „Früher waren mein Mann und die Kinder bei jedem Nachtdienst im kleinen Zimmerle der Apotheke dabei“, bestätigt Elke Seitz-Beller, dass dies ein ganz besonderes kleines Familienunternehmen sei. Und blickt ringsherum auf ein Innenstadt-Quartier, das sich von den Gebäuden her seit ihrem Einzug nicht, aber von den Geschäften her enorm verändert hat: Der Weltladen ist in der früheren Metzgerei Schwarz und Schüle; im Bäcker Pflumm will ein Gaming-Café aufmachen, bei Foto-Vollmer gibt’s Hörgeräte und in der früheren Boutique an der Torstraße ist ein arabischer Friseur.

Das Jahr 2020 wird in die deutsche Geschichte eingehen als das Jahr, in dem wir flächendeckend anfingen, Masken zu tragen. Wie gehen zehn Winnender in den unterschiedlichsten Berufen damit um? Und was sind ihre Hoffnungen fürs neue Jahr? Das erste Gespräch führten wir mit Apothekerin Elke Seitz-Beller.

„Als ich die Alltagsmaske das erste Mal aufgesetzt hatte und die Treppe von der Tiefgarage unter dem Rathaus hochstieg, dachte ich: Die stört mich. Ich war innerlich wütend. Als ich

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