Winnenden

Asien-Perle: Ein Bild des Schreckens

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© Ramona Adolf

Stuttgart/Backnang.
Am Freitag (4.8.), dem zweiten Verhandlungstag im Prozess um den Mord an der 53-jährigen Restaurantbesitzerin Aie Wu in Backnang, konzentrierte sich das Gericht um Richter Joachim Spieth hauptsächlich auf den Tatort. Die Kriminaltechniker machten Angaben dazu, was sie am 4. März 2016 in der Asien-Perle vorfanden. „Da war viel Blut“, schildert ein Polizeibeamter der Kriminaltechnik seinen ersten Eindruck. Nachdem er seine Aussage gemacht hat, verlässt die Familie der Toten die Verhandlung.

Leiche mit Klebeband umwickelt

Gegen 10.25 Uhr sei im Revier der Anruf eingegangen, dass in jenem chinesisch-mongolischen Restaurant in Backnang eine weiblich Leiche, blutüberströmt, gefesselt und geknebelt gefunden wurde. „Viele, viele, viele Meter Klebeband“ seien um ihre Beine, den Oberkörper, bis hinauf um den Hals gewickelt worden. Auch um ihr rechtes Handgelenk war Klebeband geschlungen. Es liege nahe, dass ursprünglich beide Handgelenke aneinandergefesselt waren, das Opfer aber ihre linke Hand freibekommen konnte – eine Vermutung, die ein ebenfalls mit der Kriminaltechnik und Spurensicherung befasster Kollege teilt. An Armen und Händen der 53-Jährigen seien Verletzungen sichtbar gewesen, die beide Polizeibeamte als Abwehrspuren werten.

Ermittler finden DNA-Spuren

Um die Leiche herum finden die Ermittler eine Rolle Klebeband, eine Halskette sowie einzelne Perlen eines Armbands. An mehreren Stellen des Klebebands und der Kette sowie an den Fingernägeln der Toten und an der Tür zur Damentoilette – dem Tatort – finden die Ermittler Abdrücke und DNA-Spuren. „Sie wurden später den Beschuldigten Dumitru A. und Constantin C. zugeordnet“, entnimmt Richter Spieth seinen Unterlagen. Nicht klären ließ ich trotz mehrerer Nachfragen an die verschiedenen Zeugen, ob das Licht in der Damentoilette beim Eintreffen der Rettungskräfte und Polizeibeamten eingeschaltet war oder nicht. Da zu diesem Zeitpunkt Tageslicht in den Raum schien, gaben alle Zeugen an, nicht darauf geachtet zu haben.

Unklarheit herrscht beim Tatwerkzeug

Unklarheit herrscht auch immer noch über einen markanten, bogenförmigen Abdruck im Bereich des rechten Brustkorbs. Die Spurensicherung habe allerlei Gegenstände aus dem Restaurant, darunter auch Pfannen und einen Heizpilz, begutachtet, jedoch keinen der Gegenstände als Tatwerkzeug identifizieren können, erzählt der Beamte, der als einer der ersten am Tatort war. Des Weiteren habe das Team der Kriminaltechniker fragmentierte Schuhabdrücke sichergestellt, die vom WC in Richtung Gastraum führten.

"Es war sehr chaotisch dort"

Eine Spur führte am Privatzimmer der Restaurant-Inhaberin vorbei zu einer Kommode, die durchwühlt worden war. Mehrere Tausend Euro waren noch im Privatzimmer der Toten Durchwühlt wurde auch das Privatzimmer Aie Wus. „Es war sehr chaotisch dort“, berichtet ein weiterer Beamter aus dem Bereich der Spurensicherung. Er habe Probleme gehabt, überhaupt die Tür zu öffnen. Drinnen dann bot sich den Ermittlern ein Bild völliger Unordnung. Auf Nachfrage des Richters äußert der Beamte seine Einschätzung, dass es sich nicht um eine normale Unordnung mit ein paar herumliegenden Kleidern gehandelt habe. „Es sah aus, als hätte jemand alles durchwühlt.“ Auf Bett und Boden hätten neben zahlreichen Kleidungsstücken auch mehrere Geldbörsen gelegen. Diese seien überwiegend leer gewesen.

Geld und Geldkassette gefunden

Hingegen habe das Polizeiteam im Schrank noch weitere Börsen mit mehreren Tausend Euro Inhalt gefunden. Verwundert zeigte sich Richter Spieth über eine Geldkassette, die auf dem Bett gelegen habe. Sie sei verschlossen gewesen, ihr Inhalt bestand offenbar aus gut 2 700 Euro Bargeld und Schmuckstücken. Einen etwas anderem Blick auf den Tatort lieferte ein Rettungssanitäter, der noch vor der Polizei am Ort des Verbrechens eingetroffen war. Gegen 9.45 Uhr am 4. März 2016 hätten er, sein Kollege sowie ein Praktikant den Hinweis auf einen Raubüberfall erhalten und seien sofort ausgerückt. Zuerst sei nicht klar gewesen, ob es sich um einen laufenden Raub handele, deswegen hätte erst einmal die Lage eingeschätzt werden müssen.

Blutige Fußspuren

Als die Sanitäter sicher waren, dass keine Gefahr drohte, betraten sie das Restaurant Asien-Perle. „Uns sind direkt blutige Fußspuren aufgefallen, die bis in den Kassenbereich gingen. Wie man es aus FIlmen kennt“, sagt der Zeuge. Er und seine Kollegen hätten diese bewusst umlaufen. Als er die Damentoilette betrat, habe sich ihm ein Bild des Schreckens geboten. „Da lag diese kleine, zierliche Frau mit massivem, stumpfen Gesichtstrauma.“ Ihm sei gleich klar gewesen, dass jede Hilfe zu spät kam, trotzdem habe er am Handgelenk versucht, einen Puls zu finden. Vergeblich. Im Gastraum seien schon Bedienstete dabei gewesen, aufzuräumen. Er habe sie mehrmals auffordern müssen, damit aufzuhören. An dieser Stelle hakte Verteidiger Boris Müller genau nach, wie viele Menschen genau den Tatort betreten hätten, bevor die Polizei eintraf. Genau konnte der Zeuge das nicht sagen. Klar sei aber, das viele Spuren in dieser Zeit zerstört worden seien.

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