Winnenden

Asien-Perle: Kein Mord, sagen die Verteidiger

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Die Asien-Perle in Backnang. © Sarah Utz

Backnang/Stuttgart. „Die Angehörigen sollen wissen, dass nicht wir sie getötet haben“, sagte Constantin C., als ihm das letzte Wort erteilt wurde. Er und sein mutmaßlicher Mittäter Dumitru A. müssen sich vor dem Landgericht Stuttgart wegen des Mordes an der Besitzerin des Backnanger Restaurants Asien-Perle, Aie Wu, verantworten.

Beide Angeklagten entschuldigten sich bei der Familie der Getöteten, wiesen aber jegliche Schuld an deren Tod von sich. „Ich schwöre bei allem, was mir lieb und teuer ist: Ich habe niemanden getötet“, führte A. aus. Er und sein Komplize hätten lediglich Geld stehlen wollen. Als sie vom Opfer dabei überrascht wurden, hätten sie die Frau gefesselt. Geschlagen, geschweige denn getötet, hätten sie sie nicht.

Finanzielle Not als Motiv

Einen ähnlichen Ansatz verfolgte auch Anwalt Hanno Haupt, der Verteidiger Dumitru A.s. Obwohl sein Mandant jede Möglichkeit genutzt habe, um ehrliches Geld zu verdienen, sei er in finanzielle Not geraten. Auftraggeber hätten ihn nicht bezahlt, und so habe A. versucht, sich mit kleineren Diebstählen über Wasser zu halten. Und ja, dann habe der Rumäne gemeinsam mit seinem Landsmann Constantin C. den Plan gefasst, in die Asien-Perle einzubrechen. „Er hat dort schon einmal gearbeitet und hatte gesehen, dass dort viel Geld umgeschlagen und gebunkert wurde.“

Mit einer Tötungsabsicht seien die beiden Männer jedoch am Abend des 3. März 2016 nicht in das Restaurant gegangen. „Der Abend nahm eine dynamische Entwicklung, die dann katastrophal geendet hat.“ Bei ihrer Suche nach Stehlenswertem seien die beiden Angeklagten gestört worden. Den „Störer“, die Inhaberin des Restaurants, sollen sie dann ruhiggestellt haben, indem sie die 53-Jährige mit Klebeband fesselten. Dann soll Dumitru A. in Wus Privatzimmer gegangen sein, wo das Geld aufbewahrt wurde. Mit dem Gewaltakt, der in den Toilettenräumen stattfand, habe er nichts zu tun gehabt.

Gab es noch einen weiteren Komplizen?

Belege hiefür sah Haupt darin, dass unter den Fingernägeln der Toten nur die DNA Constantin C.s gefunden wurde, nicht aber von Dumitru A. Außerdem seien im Zimmer Wus keine Blutspuren gefunden worden. Hätte A. die Frau mit zu Tode geprügelt, hätte er doch sicherlich blutige Abdrücke hinterlassen, so Haupt. Zudem sei das WC viel zu klein dafür, dass man dort zu dritt einer Person massive Verletzungen zufügen könne. Zu dritt? Ja, Haupt vertrat nämlich die These, dass die beiden Rumänen noch einen weiteren Komplizen dabeihatten – dahingehend hatte sich keiner der beiden Angeklagten geäußert.

Grundlage dieser Behauptung ist das Video eines Einbruchs in eine Gaststätte nahe der Asien-Perle. Beide Rumänen waren dieser Tat verdächtig, das Band zeigte aber einen „kleinen, dicklichen Mann“ – der könne auch bei dieser Tat involviert gewesen sein. So oder so sei sein Mandant, Dumitru A. nicht des Mordes, sondern lediglich des Raubes mit Todesfolge zu verurteilen. Das Mindestmaß dafür liegt bei zehn Jahren.

"Er ist kein Mörder"

Zum gleichen Ergebnis kam auch Verteidiger Boris Müller bezüglich seines Mandanten Constantin C. Sein Ansatz war jedoch ein anderer. Über einen möglichen dritten Täter verlor er kein Wort, auch stritt er, anders als sein Mandant, nicht ab, dass die beiden angeklagten Rumänen für den Tod Aie Wus verantwortlich waren. Über seinen Mandanten sagte er aber: „Er ist kein Mörder.“ Beide Männer seien mit dem Vorsatz in die Asien-Perle gegangen, einen „normalen“ Einbruchdiebstahl zu begehen. „Sie konnten nicht wissen, wer im Restaurant war.“ Dass es in der Toilette zu einem derartigen Gewaltexzess gekommen sei, sei „sehr bitter“ und „unschön“. „Das hätte es nicht gebraucht, um Frau Wu ruhigzustellen“, räumt der Verteidiger ein.

Ganz anders stellte diesen Sachverhalt die Rechtsanwältin Jutta Heck in ihrem emotionalen Plädoyer dar. Sie vertritt den Bruder Aie Wus, der im Prozess als Nebenkläger auftritt. Sie sprach von einem „schändlichen Mord an der nur 1,60 Meter großen, zarten Frau Wu“. Sich die Tat vorzustellen, sei schon schmerzhaft. Die Versuche der Angeklagten, die Tat abzustreiten, seien kläglich gescheitert, und einen ominösen Dritten gebe es auch nicht. „Der Ruf nach Sicherungsverwahrung wird laut“, sagte Heck und forderte lebenslange Haft für beide Männer. Zumindest Dumitru A. habe mit seiner Aussage auch ein Motiv geliefert: „Da war die Frau, die Sie gehasst haben, und sie hatte das Geld, das Sie haben wollten.“

Aufgrund des Umfangs des Prozesses will sich das Gericht für die Urteilsfindung etwas mehr Zeit nehmen, als ursprünglich geplant. Statt am Montag der kommenden Woche soll am Donnerstag, 1. Februar, das Urteil verlesen werden.


Mordfall in der Asien-Perle: Chronologie

Am 4. März 2016 wurde Aie Wu von einer Mitarbeiterin des Restaurants auf der Toilette tot aufgefunden.

Den Ermittlern war schnell klar: Das Opfer ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen, dies bestätigte auch die spätere Obduktion. Eine 70-köpfige Sonderkommission, die Soko Perle, begann mit ihren Ermittlungen. Diese gestalteten sich äußerst schwierig. Nachdem ein Großteil der Spuren abgearbeitet war, löste sich die Sonderkommission Perle im Juni auf.

Im November 2016 dann die Nachricht der Polizei: Zwei Tatverdächtige wurden festgenommen. Ein dringender Tatverdacht erhärtete sich gegen einen 42- und einen 46-jährigen rumänischen Staatsangehörigen aus dem Raum Backnang. 

Im April 2017 wurde schließlich Anklage gegen die beiden Tatverdächtigen erhoben. Der Prozess wird voraussichtlich bis zum Herbst dauern: Angesetzt hat das Landgericht 15 Termine, das Urteil soll voraussichtlich im Oktober verkündet werden.

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