Winnenden

Asien-Perle: Staatsanwalt fordert Höchststrafe

Tote in einem China Restaurant_2
Die Ermittler hielten sich mit der Preisgabe von Details zurück mit der Begründung, dass kein Taterwissen an die Öffentlichkeit gelangen sollte. © Joachim Mogck

Backnang/Stuttgart. Für Staatsanwalt Wolfgang Friedrich ist der Fall klar: „Beide Angeklagten sind des Mordes zu verurteilen“, forderte er in seinem Plädoyer am gestrigen Verhandlungstag im Prozess gegen die beiden Rumänen Dumitru A. und Constantin C. am Landgericht Stuttgart. Die vorgesehene Strafe für Mord sei lebenslange Haft und „ich sehe keine Anhaltspunkte für die Anpassung des Strafrahmens nach unten“, führte Friedrich aus.

Den beiden angeklagten Rumänen wird vorgeworfen, die 53-jährige Besitzerin des Backnanger Restaurants Asien-Perle, Aie Wu, im März 2016 in der Gaststätte überfallen und zu Tode geprügelt zu haben. Die Beweisaufnahme war im Dezember 2017 geschlossen worden.

Laut Staatsanwalt haben sich die Anklagevorwürfe im Wesentlichen bestätigt. Die beiden Beschuldigten, die sich zu jener Zeit als Subunternehmer im Trockenbau verdingt haben, seien von einem Auftraggeber nicht bezahlt worden und so in finanzielle Not geraten. Daraus sei die Idee geboren, sich Geld durch einen Raub zu beschaffen. Dumitru A. kannte das Restaurant Asien-Perle. Seine Frau hatte dort eine Zeit lang gearbeitet, und auch er selbst hatte für wenige Tage dort ausgeholfen. Folglich hätten die beiden Männer sich die Gaststätte als Objekt ausgesucht. „A. wusste, dass dort Geld aufbewahrt wurde, und er kannte die Gegebenheiten“, schilderte Friedrich. Gegen 23.25 Uhr hätten die beiden Rumänen das Restaurant betreten, sich wahrscheinlich im Gastraum versteckt und bis zum Geschäftsschluss gewartet. Im hinteren Trakt des Gebäudes habe sich zur gleichen Zeit Aie Wu bettfertig gemacht. „Sie befand sich in den Toilettenräumen und rechnete nicht mit einem Angriff“, sagte der Staatsanwalt. Das hätten sich die Angreifer zu eigen gemacht und seien auf die zierliche Frau losgegangen.

„Das Opfer war ihnen gleichgültig“

Mit einem unbekannten, stumpfen Gegenstand hätten sie auf die 53-Jährige eingeschlagen. Schon die Verletzungen am Kopf, die dem Opfer laut Aussage einer Sachverständigen für die Blutspritzer-Analyse sowie laut Einschätzung des Rechtsmediziners zuerst zugefügt wurden, hätten ausgereicht, um die Gegenwehr zu unterbinden. Dennoch sei die Frau durch Schläge, Tritte, Würgen und brutale Fesselung weiter malträtiert worden. Somit sei eine fahrlässige Tötung auszuschließen. „Sie ließen die Frau zurück und nahmen ihren Tod billigend in Kauf. Das Schicksal des Opfers war ihnen gleichgültig“, folgerte Friedrich. Stattdessen durchwühlte Dumitru A. Wus Privatzimmer auf der Suche nach Stehlenswertem. Mit einem unbekannten Geldbetrag seien die Männer geflohen.

Dass beide Männer, wie sie selbst behaupteten, nur den Raub begingen, ohne Wu jedoch ums Leben zu bringen, sei durch die Beweisführung widerlegt worden. Ein unbekannter Dritter hätte die gefesselte Frau schließlich ja wieder aufrichten müssen, um dann auf sie einzuschlagen – das sei mehr als unglaubwürdig. Dafür gebe es auch keine Anhaltspunkte. Im Gegenteil: Die Angaben der Mitarbeiter, die zum Tatzeitpunkt im Gebäude waren, seien glaubhaft und plausibel. „Es ergibt sich zweifelsfrei, dass die beiden Angeklagten auch das Tötungsdelikt begangen haben.“

Staatsanwalt sieht besondere Schwere der Schuld

Und damit ließ Friedrich es nicht bewenden. Er sieht auch eine besondere Schwere der Schuld. Das begründete er einerseits durch die Brutalität, aber auch den Tathergang. „In diesem Fall ist über einen typischen Raubmord aus Habgier hinaus das Merkmal der Heimtücke zu erkennen“, führte der Staatsanwalt aus. Dies zeigte sich durch das Eindringen zu Nachtzeiten und das Verborgenhalten bis zum geeigneten Tatzeitpunkt. „Die Räume hatten für das Opfer einen Wohncharakter, sie fühlte sich dort geborgen und geschützt.“ Das hätten die beiden Männer bewusst ausgenutzt, um den Raubmord zu begehen. Diese Umstände reichten aus, um die besondere Schwere der Schuld zu begründen. Wird diese festgestellt, kann die Strafvollstreckungskammer nach 15 Jahren festlegen, wie viel der Strafe noch verbüßt werden muss, bevor die Verurteilten auf Bewährung entlassen werden. Eine anschließende Sicherungsverwahrung, für die sich der psychiatrische Gutachter unter Vorbehalt ausgesprochen hatte, beantragte Friedrich hingegen nicht. Das scheitere an formellen Gründen. Er habe zwar keinen Zweifel daran, dass die beiden Männer die Taten, für die sie in Rumänien verurteilt wurden, auch begangen hatten. Jedoch lägen diese zu weit in der Vergangenheit, um eine Sicherungsverwahrung zu begründen. Dumitru A. war wegen einer Reihe von Raubdelikten sowie wegen schweren versuchten Totschlags verurteilt worden. Constantin C. soll seine eigene Patentante vergewaltigt und getötet haben. Beide bestritten, diese Straftaten begangen zu haben. Nach dem Fall des Ceausescu-Regimes sei die Justiz in Rumänien korrumpiert gewesen, die Urteile seien nicht nach rechtsstaatlichen Standards zustande gekommen, hatten beide Männer über ihre Anwälte verlauten lassen. Auch dieser Darstellung widersprach Friedrich in seinem Plädoyer. „Ich sehe keine Anzeichen dafür, dass mit den Angeklagten damals unfair umgegangen wurde.“ Und selbst wenn sie zu Unrecht verurteilt worden wären, so Friedrich, wäre von so einer Verurteilung eine Warnfunktion für späteres Verhalten ausgegangen. Jene hätten sich die beiden Angeklagten jedoch offenbar nicht zu eigen gemacht.

Der Prozess geht am kommenden Dienstag, 16. Januar, am Landgericht Stuttgart weiter. Erwartet werden die Plädoyers der beiden Nebenklägeranwälte sowie beider Verteidiger. Ein Urteil wird voraussichtlich noch Ende des Monats verkündet.


Mordfall in der Asien-Perle: Chronologie

Am 4. März 2016 wurde Aie Wu von einer Mitarbeiterin des Restaurants auf der Toilette tot aufgefunden.

Den Ermittlern war schnell klar: Das Opfer ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen, dies bestätigte auch die spätere Obduktion. Eine 70-köpfige Sonderkommission, die Soko Perle, begann mit ihren Ermittlungen. Diese gestalteten sich äußerst schwierig. Nachdem ein Großteil der Spuren abgearbeitet war, löste sich die Sonderkommission Perle im Juni auf.

Im November 2016 dann die Nachricht der Polizei: Zwei Tatverdächtige wurden festgenommen. Ein dringender Tatverdacht erhärtete sich gegen einen 42- und einen 46-jährigen rumänischen Staatsangehörigen aus dem Raum Backnang. 

Im April 2017 wurde schließlich Anklage gegen die beiden Tatverdächtigen erhoben. Der Prozess wird voraussichtlich bis zum Herbst dauern: Angesetzt hat das Landgericht 15 Termine, das Urteil soll voraussichtlich im Oktober verkündet werden.

Weitere Artikel zum Thema