Winnenden

Asylbewerber aus Weinstadt in Winnenden mit Geld und Drogen im Rucksack erwischt

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Außer viel Bargeld haben die Polizisten auch Drogen im Auto gefunden. © Benjamin Büttner

Am 1. Oktober des vergangenen Jahres stoppte die Polizei gegen 22.20 Uhr in Winnenden an der Schorndorfer Straße einen Pkw der Marke Renault, dessen Fahrer unter Drogeneinfluss unterwegs war. Er selbst bezeichnete sich damals als „rumänischer Dachdecker“, und er habe an diesem Abend eine Asylbewerberunterkunft aufgesucht, um sich dort für sich selbst etwas zu rauchen zu kaufen.

Der „rumänische Dachdecker“ ist mittlerweile für die deutschen Behörden nicht mehr auffindbar. Vor dem Schöffengericht des Waiblinger Amtsgerichts stand nun der damalige Beifahrer. Er musste sich mit Unterstützung seiner Stuttgarter Rechtsanwältin gegen die Anklage des verbotenen gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln verteidigen.

Der Angeklagte lebt mit Duldung hier

Da die Identität des Angeklagten nicht eindeutig geklärt sei und um deshalb ein Durcheinander der Daten und Angaben zu vermeiden, verlas der Vorsitzende Richter Steffen Kärcher aus dem Protokoll die Angaben, die der junge Mann bei seiner letzten Verurteilung im März 2020 über seine Person gemacht hatte und nun über die Dolmetscherin bestätigte, die ihm das Gericht zur Seite gestellt hatte: Er sei am 1. Januar 1998 in Gambia geboren, habe dort sechs Jahre lang die Schule besucht, aber keinen Beruf erlernt. 2014 habe er seine Heimat verlassen und sich nach Europa auf den Weg gemacht. Er habe in Italien eine kleine Tochter und halte sich seit 2017 in Deutschland auf. Er wohne in der Asylbewerberunterkunft in Weinstadt und lebe von Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, so dass er nun den Status der „Duldung“ habe. Somit verfüge er auch über keine Arbeitserlaubnis, könne aber auch nicht in sein Geburtsland abgeschoben werden, da seine wahre Identität nicht geklärt sei.

Fahrt von Weinstadt nach Winnenden

Der 1. Oktober 2021, erzählte der Angeklagte vor Gericht, sei ein Freitag gewesen. Er habe etwas getrunken und auch Marihuana geraucht, da er sich zum „Chillen“ nach Stuttgart fertig machen wollte. Als er aufbrechen wollte, habe sich ein Mann - der ominöse rumänische Dachdecker - an ihn gewandt und ihn gefragt, ob er ihm kein Marihuana verkaufen könne. Er habe geantwortet, dass er selbst nichts habe. Er kenne aber jemanden in Winnenden, bei dem könne man etwas bekommen. Also habe man sich entschlossen, gemeinsam dorthin in die Asylbewerberunterkunft zu fahren. Dort habe der Dachdecker von einem Araber 150 Gramm Marihuana gekauft.

Auch Ecstasy und Bargeld dabei

Einer der Beamten, die das Fahrzeug in Winnenden angehalten hatten, berichtete im Zeugenstand, dass ihr Interesse zunächst dem Fahrer selbst galt. Auf den Beifahrer seien sie aufmerksam geworden, weil er auf dem Fahrzeugboden zwei Mobiltelefone und einen Rucksack zwischen den Beinen hatte und sich nicht ausweisen konnte. Bei der Durchsuchung, die er bereitwillig über sich ergehen ließ, habe man dann in seiner Hosentasche 39,5 Ecstasytabletten, 362 Euro Bargeld und 150 Gramm Marihuana gefunden, die gemäß der Laboruntersuchung des Landeskriminalamtes 1238 Konsumeinheiten entsprechen.

Dieses Marihuana, erklärte der Angeklagte, habe nicht ihm gehört, sondern dem rumänischen Fahrer. Er habe es lediglich von dem Araber aus der Winnender Asylbewerberunterkunft entgegengenommen und in seinem Rucksack verstaut - eine Erklärung, der das Gericht letztendlich keinen Glauben schenkte.

Urteil: Ein Jahr und vier Monate Haft

Das Urteil, das Richter Steffen Kärcher im Namen des Volkes verkündete, lautete auf ein Jahr und vier Monate Freiheitsentzug wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Die Erklärung des Angeklagten, er habe die Drogen lediglich entgegengenommen, erscheine höchst unglaubwürdig, nachdem sich die Fingerabdrücke des Angeklagten überall auf der Plastiktüte befunden haben, in der das Marihuana verpackt war.

Dem Angeklagten angerechnet werden die vergangenen acht Monate, die er in Untersuchungshaft verbracht hat. Die schwierige Lebenssituation, in der sich der Angeklagte befinde, werde ihm durchaus zugutegehalten, betonte der Richter in seiner mündlichen Urteilsbegründung, auch dass er selbst ein Drogenproblem habe, wie er freimütig eingeräumt habe. Dennoch sei es nicht möglich, für ihn eine positive Sozialprognose zu erstellen und die Haft zur Bewährung auszusetzen.

Drogentherapie als Chance, wenn ein Kostenträger gefunden wird

Er werde sie wohl absitzen müssen, so wie den vorangegangenen dreizehnmonatigen Freiheitsentzug wegen gefährlicher Körperverletzung, aus dem er erst Ende Dezember 2020 entlassen worden war. Eine vorzeitige Entlassung käme nicht infrage. Gute Ratschläge gebe es keine sinnvollen, so Richter Steffen Kärcher, allerdings eröffne sich in der Haft die Möglichkeit zu einer stationären Drogentherapie, wenn es denn möglich wäre, dafür einen Kostenträger zu finden.

Am 1. Oktober des vergangenen Jahres stoppte die Polizei gegen 22.20 Uhr in Winnenden an der Schorndorfer Straße einen Pkw der Marke Renault, dessen Fahrer unter Drogeneinfluss unterwegs war. Er selbst bezeichnete sich damals als „rumänischer Dachdecker“, und er habe an diesem Abend eine Asylbewerberunterkunft aufgesucht, um sich dort für sich selbst etwas zu rauchen zu kaufen.

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Der „rumänische Dachdecker“ ist mittlerweile für die deutschen Behörden nicht mehr auffindbar. Vor

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