Winnenden

Auf dem Wochenmarkt trägt kein Händler Mundschutz

Kein Händler trägt Mundschutz_0
Suppengemüse. Am Angebot auf dem Wochenmarkt mangelt es nicht. © ZVW/Gabriel Habermann

Winnenden.
7.35 Uhr, auf dem Wochenmarkt herrscht bereits reges Leben. Kunden warten in Schlangen, zwischen ihnen klaffen große Abstandslücken, Händler tippen behandschuht auf die Displays ihrer Kassen, rot-weiße Absperrbänder, Bänke vor den Ständen, Hinweisschilder. Mundschutz benutzt hier - in Zeiten der Coronavirus-Pandemie - kein Händler. Das berichtet auch eine Marktkundin, die zwei Stunden später dort ist.

„Ich trage ihn vermutlich erst, wenn ich muss“

Mit den Stoffmasken, die städtische Mitarbeiter verteilt hatten, hat Roselinde Bollinger erst mal keine gute Erfahrung gemacht: „Sie sind beim Waschen eingegangen, jetzt schnüren sie ein“, sagt sie und zieht den cremefarbenen Lappen hervor. Ihres Wissens sei er aus Bio-Baumwolle, „Einander helfen“ steht drauf. Sie habe sich aber zu helfen gewusst, nämlich einen eigenen Mundschutz gebastelt - aus einem blauen Zimmermannstaschentuch und Hosengummi. Sie hat ihn auch griffbereit, doch etwas hindert sie noch: „Ich trage ihn vermutlich erst, wenn ich muss“, bekennt sie. Der Stoff erschwere die Arbeit. „Als Brillenträgerin kriege ich vom Ausatmen beschlagene Gläser.“

Durch den Stoff ihrer Masken seien Kunden schwer zu verstehen

Vor einem um diese Zeit noch hohen Wall aus weißem Spargel bedient Claudia Schaaf - auch sie mundschutzlos. Aus akustischen Gründen, sagt sie: „Wir hatten schon ein paarmal Probleme, unsere Kunden durch den Stoff ihrer Masken zu verstehen.“ Die Winnender Marktstraße, das weiß die Obst- und Gemüseverkäuferin aus 30-jähriger Erfahrung, sei ein spezielles Pflaster: Sie denke an die Taubstummen, die ihr nicht mehr von den Lippen ablesen könnten, wenn die bedeckt wären. Auch für ältere Personen, die nicht mehr gut hören, wäre es schwierig, gibt sie zu bedenken.

Mundschutzmasken sieht sie bei etwa einem Drittel der Marktbesucher. Die hielten sich vorbildlich an die Schutzmaßnahmen, die sie getroffen hat: „Wir haben uns intensiv mit allem auseinandergesetzt und haben unser Team vergrößert, um schneller bedienen zu können.“ Niemand darf etwas anfassen, die Abstandsmarkierungen am Boden regeln das Anstehen, das, wie auch das Einkaufen, ungewohnt geräuschlos und fokussiert abläuft.

Nach sechs Stunden wäre es sehr warm unter dem Stoff

Typische Marktgeräusche sind nur gedimmt vernehmbar. Der Small Talk muss warten auf andere Zeiten. Über den Mundschutz wird gesprochen in der samstäglichen Frühmorgenstimmung, er wird auch getragen - oder eben nicht. „Nach sechs Stunden, die ich hier stehe, wäre es sehr warm unter dem Stoff“, sagt Petra am Kartoffelstand. Sie steht hinter Holzkisten mit „Annabell“ und Frühkartoffeln. Ihre Ware bilde einen natürlichen Puffer zwischen ihr und den Kunden. „Wir kommen uns nicht nahe, aber wer ihn tragen will zum Schutz, den verstehe ich.“

„Ich wundere mich ein wenig, dass die Verkäufer noch keinen tragen“

Am Metzgerstand lässt sich eine Kundin aus Schwaikheim Lyoner einpacken. Sie ist Brillenträgerin, die Gläser beschlagen. Die Wartezeit nutzt sie, um ihren Mundschutz vom Gesicht wegzuhalten und sich und ihrer Brille Luft zuzufächern. „Ich wundere mich ein wenig, dass die Verkäufer noch keinen tragen“, sagt sie. Beim Einkaufen und auf dem Markt trage sie seit zwei Wochen die Maske. „Es ist nicht so toll mit der Brille, aber was will man machen?“, meint sie.

Theresia aus dem Schelmenholz, die Spargel, Eier und Kartoffeln kauft, hat ihren Mundschutz umgebunden. „Ich fühle mich damit doch etwas geschützter“, so die über 70-Jährige. Sie habe sich arrangiert - Hauptsache, der Marktbesuch bleibt ihr. „Ich käme mir ein bisschen entmündigt vor ohne einkaufen gehen.“

Winnenden.
7.35 Uhr, auf dem Wochenmarkt herrscht bereits reges Leben. Kunden warten in Schlangen, zwischen ihnen klaffen große Abstandslücken, Händler tippen behandschuht auf die Displays ihrer Kassen, rot-weiße Absperrbänder, Bänke vor den Ständen, Hinweisschilder. Mundschutz benutzt hier - in Zeiten der Coronavirus-Pandemie - kein Händler. Das berichtet auch eine Marktkundin, die zwei Stunden später dort ist.

„Ich trage ihn vermutlich

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