Winnenden

Auf der Bühne wird geflirtet

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Rainer Bauer (links) spielt den Architekten, dem Tochter und Ehefrau auf der Nase rumtanzen. Heidi Krauter hat als reiche „Tante Olga“ beschlossen, in seinem Leben aufzuräumen. Bis es so weit ist, tarnt sie sich als Demenzkranke, die ihren Schlafanzug für ein Ballkleid hält. © Ralph Steinemann

Winnenden-Hertmannsweiler. Wow, die haben sich aber lieb! Da wird geküsst, geknuddelt und geflirtet, dass einem warm ums Herz wird. Dabei sind die Laienschauspieler, die gerade ihre offenen oder heimlichen Liebschaften proben, in Wirklichkeit nicht zusammen. Der braunen Labradorhündin Maddie ist so was wurst. Sie lässt sich von allen gern streicheln.

Video: Hemmelreich Komedle in Hertmannsweiler.

Es ist, als ob das liebe, den Menschen zugewandte Wesen des Hundes auf die gesamte Laiendarstellergruppe ausstrahlt. Die Proben-Atmosphäre im Vereinsheim ist freundlich und entspannt. Wer gerade nicht dran ist, liest seinen Text im Manuskript oder die neuesten Whatsapp-Nachrichten. Der Hund liegt ruhig und unauffällig zu Füßen seines Frauchens, Sylke Schnee. Sie hat am Montagabend viel zu tun. Sie ist die Souffleuse und muss alle Texte konzentriert mitlesen, damit sie, sobald ihre Kollegen oben auf der Bühne ins Stocken kommen, sie mit dem richtigen Wort oder Satz wieder in den Spielfluss bringt.

Die jüngsten Darsteller sind 20 und alles andere als verklemmt

Doch trotz dieser kleinen Anschub-Hilfen merkt man: Das Stück „Tante Olga räumt auf“ flutscht schon erstaunlich gut. Die Darsteller bewegen sich flüssig zwischen den Türen der Bürokulisse, sitzen an den Computern, sortieren Ordner ins Regal und – geben einander Küsschen. Das gelingt den beiden jüngsten Darstellern der Truppe, Anika Varga und Marco Eisele, beide 20 Jahre alt, erstaunlich ungehemmt und natürlich. „Wir sind Cousine und Cousin“, klärt Anika Varga auf, als sie Spielpause hat. Außerdem haben beide Bühnenerfahrung. Und Marco spielt nun schon seit vier Jahren mit in Hertmannsweiler, inzwischen studiert er Mathe und Geschichte auf Lehramt. Sie spielte schon in Musicals ihrer Realschule mit, mal mimte sie eine Ballerina, mal eine böse Direktorin. „Die freche Tochter in diesem Stück liegt mir ganz gut, da muss ich mich nicht arg in eine andere Rolle reindenken“, sagt Anika lachend. Es ist jetzt ihre zweite Hemmelreich-Komedle-Produktion, eine Weile pausierte sie ihrer Ausbildung zuliebe.

Maddie ist aufgestanden und tigert schwanzwedelnd durch den Saal, die Nase am Boden. Es könnte ja ein Stück Pizzarand auf den Boden gefallen sein, das die Hündin verspeisen könnte. Auch die Menschen merken, dass sie so langsam eine Pause gebrauchen könnten. Rainer Bauer kommt aus dem mit einer Faltwand abgetrennten Gastraum. Er hat geguckt, wie das Spiel VfB gegen 1. FC Nürnberg steht und sagt in einem Ton, der keine Widerrede duldet, zu Regisseur Klaus Federer: „Aber um Viertelzehne semmer fertig, gell? No fängt d’ zwoite Halbzeit a.“ Bei der Handvoll Fußball-Zuschauern sitzt auch Freddy Heckmann, der beliebte Laiendarsteller und Veteran der Theatertruppe. Bei ihm sind’s heuer gesundheitliche Gründe, die ihn kürzertreten lassen.

Günther Greiner als verliebter Polizist

Das heißt Bahn frei für Günther Greiner, er spielt den verliebten Polizisten, der mit seinen schlüpfrig-lüsternen Äußerungen gegenüber seiner Geliebten (Michaela Blab) wohl einige Publikumslacher ernten wird. Noch kostet es ihn aber Überwindung, die langjährige Bühnenpartnerin in den Arm zu nehmen. „Des bin i ned g’wehnt“, sagt er lachend zu Regisseur Federer, der beherzteren Zugriff verlangt. Maddie indes braucht keine Regieanweisung. Sie stellt sich einfach mit den Vorderpfoten auf Sylke Schnees Schoß und lässt sich kraulen.

Hat die Komödie nicht auch eine Hunderolle? „Hatten wir früher mal, die spielte ein Yorkshire-Terrier“, sagt Gloria Haudum. Aber auch ohne Vierbeiner-Auftritt bietet „Tante Olga räumt auf“ reichlich Abwechslung. Zu den Liebeleien kommt die nur scheinbar demente Tante Olga (Heidi Krauter). Sie klärt ihren Neffen (Rainer Bauer) auf, was hinter seinem Rücken gespielt wird. Und schmiedet mit ihm einen Plan, der der Komödie streckenweise die Züge eines Krimis verleiht.

Sieben Aufführungen, einmal mit Autor

Die Komödie „Tante Olga räumt auf“ wird siebenmal aufgeführt. Ab sofort sind Karten telefonisch bestellbar bei Gloria Haudum unter 0 7146/ 8716 29 oder mittwochs erhältlich im SV-Vereinsheim Hertmannsweiler an der Bruckwiesenstraße von 18 bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet zehn Euro.

Das Hemmelreich Komedle, die Theatergruppe des SV Hertmannsweiler, spielt jeweils ab 20 Uhr am Freitag, 10. Februar, am Samstag, 11. Februar, am Freitag, 17. Februar, am Freitag, 24. Februar, am Samstag, 25. Februar, am Freitag, 3. März und am Samstag, 4. März.

Saalöffnung ist bereits um 18 Uhr, die Vereinsheim-Gastwirte bewirten. In dem Stück mit drei Akten gibt es zwei Pausen.

Bei einer Aufführung wird sogar der Autor des Stücks, Rainer Martin, dabei sein. „Er kommt aus Recklinghausen her“, sagt Gloria Haudum.