Winnenden

Auftritt von Felix Heller und dem Metropol Orchester

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Metropolorchester
Florian Haller im Duett mit Karline Cirule. © Büttner / ZVW
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Metropolorchester
Der Klang der Saxofone gehört beim Metropol Orchester Stuttgart dazu. © Büttner / ZVW

Winnenden. Das Metropol-Orchester mit Sänger Felix Heller machte seinem Namen alle Ehre: Stil- und Sprachgrenzen gab es keine, sie wurden im Sturm zu einem knisternd urbanen Melting Pot der Musiken aus aller Welt eingeschmolzen! Lettisch, türkisch, jiddisch oder sogar japanisch? Aber ja! Alles trug zur hinreißenden Show, schillernd zwischen Cabaret, Varieté und Broadway, bei!

Das Stuttgarter Metropol-Orchester gibt es als eher kleinere Combo oder Big Band zu hören. In der wieder sehr gut besuchten Hermann-Schwab-Halle war es in prachtvoller Gala-Besetzung angetreten: mit großer Bläser- und Streicher-Sektion, Piano, Schlagzeug sowie einem Chor aus Backup-Vokalisten. Überwiegend junge Musiker, darunter viele herausragende Solisten!

Mühelos zwischen Kneipe und Music-Hall, Schtetl und New York

Und dann war da der Conférencier und zugleich Star-Sänger des Abends, der charmante, jungenhafte Felix Heller, der dem Abend im glitzernden Anzug und mit einer geschmeidig wandelbaren Stimme sein angenehm lockeres Gepräge gab. Mühelos springend zwischen Intimität und Weltläufigkeit, Kneipe und Music-Hall, Schtetl und New York.

Und so wurde denn erst mal mit Hildegard Knefs Chanson „Ich brauch kein Venedig, ich brauch meine Straße“, als Ausgangspunkt das Biotop ums Eck besungen. Und in dem hat allemal der schon von Dean Martin gesungene Swing-Klassiker „Sway with me“ Platz, eine kaum abzulehnende musikalische Einladung durch die Gassen zu ziehen.

Ein bisschen Bühnennebel schuf zusätzliche Atmosphäre beim Schmachtstück „Close to you“. Zehrende Streicher und Bläser, ein einsam klagendes verrauchtes Saxofon und darüber die zart schmelzende Stimme des croonenden Felix Heller, gebettet in ein fantastisches Arrangement in opulenter Broadway-Manier.

Viel Applaus vom Publikum für zwei jiddische Lied-Juwelen

Mit gleich zwei Stücken wurde an diesem Abend der jüdische Anteil am Musical, ja überhaupt an der Musikkultur der Revuen, Tingeltangel und Cabarets gewürdigt. Da war zum einen das herzzerreißende „A jiddische Mamme“ (es gibt nichts Besseres auf der Welt), das Heller zusammen mit seiner lettischen Partnerin Karline Cirule auch in Jiddisch sang, und schließlich den (fantastisch klarinettenbegleiteten!) Song „Wenn ich einmal reich wär“ aus dem Musical „Tewje, der Milchmann“. Beide Male Jubel für diese kleinen Lied-Juwelen.

Las-Vegas-Erotik, Udo Jürgens und Coldplay

Ortswechsel dann in einen dunklen Vergnügungsschuppen mit einem von käuflicher Las-Vegas-Erotik knisternden „Hey, Big Spender“. Felix Heller duettierte hier mit einer weiteren, stimmstarken Sängerin aus dem Back-up-Chor. Ein hübsches Show-Vergnügen. Gerade so wie Udo Jürgens’ „Ich war noch niemals in New York“, das dann auch vom Publikum gern und textsicher mitgesungen wurde!

Bewundernswert dann das Metropol-Orchester mit einem raffinierten Arrangement von „Clocks“ der Band Coldplay. Starker Song, der hier von allen Beteiligten zum luftig-leichten Abheben gebracht wurde. Da schien für einen Moment auch die Schwab-Halle zu schweben.

Auf „elbisch“ mit dem Herrn der Ringe verzaubert

Mit einem mediterranen Solistenfeuerwerk lud das funkensprühende Orchester unter der Leitung von Michael Lieb nach der Pause zur „Notte da Napoli“, wurde nostalgisch mit Hilde Knefs „Aber schön war’s doch“; um schließlich mit einer Suite über die fantastische Erzählung des „Herrn der Ringe“ das Publikum ganz und gar auf elbisch zu verzaubern – und Felix Heller zur Höchstform auflaufen zu lassen. Das hatte einen klasse Old-English-Touch à la Dowland und trieb einem bei Frodos Freundschaftsduett fast die Tränen in die Augen. Großer, ehrlich gerührter Jubel. Tolle Leistung von Orchester und Sängern!

Damit war die nonchalante Weltläufigkeit dieses Konzerts aber bei weitem noch nicht ausgemessen. Neben einer wunderschönen lettischen Ballade war da noch ein japanischer Tango, ein türkisches Liebeslied und ein Hobo-Stück. Großartig auch, was diese tollen, jungen Musiker aus Piazzolas „Libertango“ machten! Das knisterte. Begeisterung.

Metropol Orchester

Seit 2015 ist das Metropolorchester eine Initiative, die es Studierenden der Musikhochschule Stuttgart ermöglicht bei gemeinsamen Projekten aufzutreten.