Winnenden

Aus Eifersucht: Mann verletzt Freundin schwer

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Das Amtsgericht in Waiblingen. © Ramona Adolf

Schwaikheim/Waiblingen. Handy und Eifersucht sind eine gefährliche Kombination. Ein 42-jähriger Grieche ist vom Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von einem halben Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Das Opfer war seine zeitweilige Freundin, 39, ebenfalls Griechin, die ihn in der fraglichen Nacht nicht auf ihr Handy blicken ließ, nachdem sie auf dieses eine Nachricht bekommen hatte. Kurios: Der Begriff Eifersucht fiel in der Verhandlung nicht ein einziges Mal, obwohl diese wohl der Auslöser war.

Das Ganze geschah vor mittlerweile einem Jahr. Die beiden waren von einem Fest, das sie besucht hatten, heimgekommen, lagen in seiner Wohnung in Schwaikheim im Bett, als sich übers Handy jemand bei ihr meldete. Er wollte einen Blick drauf werfen, sie wollte ihm diesen aber nicht gewähren. Was daraufhin geschah, darüber gingen die Aussagen der beiden gegenüber der Polizei und dem Gericht weit auseinander. Die Anklage und sie, Nebenklägerin, die als Zeugin aussagte, warfen ihm vor, so in Wut geraten zu sein, dass er sie packte, sie auf den Rücken warf, sich auf sie setzte, sie ohrfeigte, ihren Kopf nach hinten schleuderte und sie schließlich so würgte, dass sie kurz davor war, bewusstlos zu werden. Letzteres machte denn auch, juristisch gesehen, aus der schweren eine gefährliche Körperverletzung, weil eine lebensbedrohliche Situation für die Frau hätte entstehen können.

Im Krankenhaus Schädel-Hirn-Trauma festgestellt

Die Frau wehrte sich allerdings, solange sie konnte, kratzte und biss ihn. Das Ganze zog sich über längere Zeit, es blieb nicht bei einer einzigen Attacke, am Ende aber ließ er ab, weil er schlicht einschlief. Die Frau trug solche Verletzungen davon, dass sie, allerdings erst am Abend des darauffolgenden Tages, ins Krankenhaus ging, wo ein Schädel-Hirn-Trauma und mehrere Hämatome an verschiedenen Körperstellen, unter anderem am Hals, festgestellt wurden. Dies ist auch durch Fotos dokumentiert.

Er sei geschockt, so der Angeklagte, vom Gericht mit den Vorwürfen konfrontiert. Er habe in der fraglichen Nacht etwas auf dem Handy der Frau „entdeckt, was mir nicht so gefallen hat“ und was offenbar von einem Mann gekommen sei. „Ich habe ihr gesagt, ich darf das jetzt lesen oder das war’s.“ Daraufhin sei aber die Frau ausgerastet, habe ihn angegriffen, er habe sich nur gewehrt: „Sie war wie eine Furie, hat wild um sich geschlagen.“ Er habe sie lediglich festgehalten, weggeschubst, versucht, auf sie einzureden, vor allem, dass sie nicht so schreien solle, weil in dem hellhörigen Haus auch Verwandte von ihm wohnen. „Es gab halt ein Gerangel.“ Er habe sie also nicht geschlagen und auch nicht gewürgt. Was er gemacht habe, sei Notwehr gewesen.

Erst drei Monate nach dem Vorfall angezeigt

Ungewöhnlich ist, dass die beiden sich in der Folgezeit nicht aus dem Weg gingen, allerdings dies wohl auch nicht konnten, denn sie sind Arbeitskollegen, schaffen nach wie vor in der gleichen Stuttgarter Bar. Ob sie nach diesem Vorfall noch eine Beziehung hatten, auch darüber gingen die Aussagen der beiden vor Gericht auseinander, übrigens ebenso wie über den Paarstatus davor. Die Frau hatte den Mann auch erst drei Monate später angezeigt. Vom Gericht dazu befragt, gab sie an, lange mit sich dazu gerungen zu haben. „Ich habe ja auch meinen Teil dazu beigetragen, weil ich ihn verbal angriff.“ Sie habe eben erst spät erkannt, dass er so nicht davonkommen dürfe.

Richter: Aussagen des Angeklagten sind Schutzbehauptungen

Aussage stand also gegen Aussage, weitere Zeugen gab es ja nicht. Das Gericht glaubte allerdings schließlich eindeutig der Frau. Die Beweisaufnahme habe deren Aussagen bestätigt, zumal der Angeklagte nach und nach im Laufe der Verhandlung die Vorwürfe eingeräumt habe. „Sie haben immer nur das bestätigt, was nur schwer oder kaum noch zu bestreiten war. Aber selbst wenn Sie in der Verteidigung waren, ist doch die Frage, ob das in der Form sein musste. Sie sind schließlich körperlich weit überlegen“, so der Richter zum Angeklagten nach der Urteilsverkündung, „ich halte aber ihre Angaben ohnehin für Schutzbehauptungen.“ Die Angaben des Opfers seien nachvollziehbar, die Frau habe Fragen in der Verhandlung plausibel beantwortet, ohne die Geschehnisse zu dramatisieren, keine „Bestrafungstendenz“ gezeigt, sei also glaubwürdig. Außerdem passten die medizinischen Befunde nicht zu einer Abwehrhandlung.