Winnenden

Bücher-Rückgabe bequemer durch Bücherbox

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Buchbox
Schublade mit raffinierter Sicherheitstechnik. © Palmizi/ZVW
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Die neue Bücherbox auf dem Adlerplatz mit Kulturamtsleiter Andreas Hein, Büchereileiterin Karin Binder und Büchereimitarbeiterin Ulrike Höllwart mit Töchterchen Susanna. © ALEXANDRA PALMIZI

Winnenden. Edel ist der Stahl, durchdacht ist die Technik bei der neuen Bücherbox der Stadtbücherei auf dem Adlerplatz. Sie macht die Medienrückgabe unabhängig von allen Bücherei-Öffnungszeiten.

Das Gehäuse wäre groß genug, um als Hundehütte für eine Dogge auszureichen. Schwer glänzt es auf dem Adlerplatz. Braucht’s das wirklich? Ulrike Höllwart, Büchereimitarbeiterin, die seit kurzem in Elternzeit ist, kennt einige Bücherfreunde, die diese Unabhängigkeit von den Öffnungszeiten sehr schätzen. Ältere Leute sagen ihr, dass sie gerne donnerstagmorgens um 7 Uhr auf den Markt gehen. Da möchten sie ihre gelesenen Bücher mitnehmen, sie aber dann nicht lange zwischen Gemüsestand und Eierhändler hin- und herschleppen, sondern am liebsten erst einmal morgens die Tasche leerbekommen, damit Schafskäse und Gemüse reinpassen. „Die sind richtig froh, dass wir jetzt diese Box haben.“ Oder Schüler, die gerne Bücher lesen: Die kommen in der Mittagspause ohnehin in die Stadt, um ihr Ciabattabrot oder ihre Souflaki zukaufen, und möchten dann ein Buch zurückgeben, aber die Stadtbücherei hat auch Mittagspause. Bücher in die Box, und das Problem ist behoben.

Raffinierte Eingabeschublade

Die Box ist groß und mit aufwendiger Einwurftechnik ausgestattet. Das hat seine Gründe. Büchereileiterin Karin Binder und Kulturamtsleiter Andreas Hein legen Wert auf eine schonende Behandlung der Bücher und DVDs. Ein einfacher, großer Briefkasten mit Einwurfschlitz und Deckel hätte für die Bücherei nicht genügt. Die jetzt gekaufte Box geht mit Medien so sanft um wie eine Waschmaschine mit Lammwollpullovern. Zwei getrennte Eingabeschubladen hat sie für DVDs und Bücher.

Beim Einwurf klappert gar nichts

Hein zieht eine Schublade auf, legt eine DVD rein und zeigt die pendelnden Gitterstäbe im Einwurfschacht – Sicherheitstechnik, die Mediendiebstahl und den Einwurf von unsinnigen Dingen erschwert. Die Schublade für Bücher ist genauso ausgestattet. Als Hein die Schublade mit der DVD zuschiebt, hört man kein Klappern von herunterfallenden Schachteln oder Ähnlichem. Die DVD-Hülle gleitet sanft in einen gepolsterten Eimer, dessen Boden sich je nach Füllgewicht absenkt – eine technisch aufwendige und durchdachte Geschichte. „Wir wollen ja nicht, dass Bücher angeschlagene Ecken bekommen oder dass Bücher DVDs beschädigen“, sagt Karin Binder. Die Technik und die zwei getrennten Einwurfschubladen verhindern dies. Die Eimer in der Rückgabebox sind ziemlich groß. „Wir wissen ja nicht, wie viele Bücher an einem Tag eingegeben werden“, sagt Karin Binder. Durch den gewichtsbedingten Boden der Eimer ist die Fallhöhe für Bücher nie zu groß.

Box in Kleinserie produziert

Die Box sieht aus wie eine sorgfältig gebaute Einzelanfertigung. Aber sie stammt aus einer Kleinserie. Zwei Lieferanten gebe es für solche Systeme, erzählt Andreas Hein. Die Stadt entschied sich für diese Edelstahlbox, die inklusive Montage und Mehrwertsteuer 10 000 Euro kostet.

Rückgabebuchung am Tag danach

Seit 13. Juni ist die Box in Betrieb und bislang liegen morgens immer fünf bis 15 Medien in den Eimern, wie Karin Binder erzählt. Jeden Morgen zum Beginn der Öffnungszeit leeren die Büchereimitarbeiter die Rückgabebox und nehmen die Bücher und DVDs mit nach oben. Dann erst wird die Rückgabe des Mediums in den Computer eingetragen. Für die Nutzer ist es wichtig zu wissen: Wer ein Buch hat mit dem Rückgabedatum von heute, der sollte es nicht in die Box legen, denn dort wird es erst am nächsten Tag als zurückgegeben verbucht – der Betroffene geht besser die Treppen hoch in die Bücherei. Die hat 31 Stunden in der Woche geöffnet und steht damit nach Meinung von Karin Binder ganz gut da im Vergleich. Trotzdem glauben die Büchereifachleute, dass sie die Rückgabemöglichkeit außerhalb der Öffnungszeiten bieten müssen. Im Zeitalter des Internets, in dem man 24 Stunden am Tag ein Buch herunterladen und auf dem Bildschirm lesen kann oder zu jeder Tages- und Nachtzeit ein geliehenes E-Book zurückgegeben kann, indem man es am Computer abmeldet, möchte eben auch der Leser von gebundenen Büchern solche Möglichkeiten nutzen, meint Kulturamtsleiter Andreas Hein.

Nach der Rückgabe über die Box bekommt der Nutzer keine Rückgabebestätigung per Mail, kann aber im Internet auf seinem Büchereikonto nachschauen, ob die Rückgabe gebucht ist.