Winnenden

B-14-Abfahrt Winnenden-West/Leutenbach: Dauerstau oder Verkehrswende?

Wi-West Stau
Immer wieder staut sich der Verkehr an der Anschlussstelle Winnenden-West/Leutenbach. © Gabriel Habermann

Die B-14-Anschlussstelle Winnenden-West/Leutenbach ist eine veritable Fehlplanung. Dass die beiden Kreisel den Verkehr nicht packen, war schon kurz nach Einweihung der vierspurig ausgebauten Bundesstraße klar. Abends stauen sich die Autos aufgrund des Nadelöhrs weit auf die B 14 zurück; morgens haben sich die gleichen Autofahrenden über die Warterei in Leutenbach geärgert, bis sie sich endlich in den Verkehr gen Stuttgart einfädeln konnten. Nun hat das Regierungspräsidium eine Lösung gegen den Dauerstau vorgelegt.

Im Gegensatz zu den meisten Gemeinderäten in Leutenbach und Winnenden tun sich die Kreisrätinnen und Kreisräte im Umwelt- und Verkehrsausschuss jedoch ausgesprochen schwer, einem Ausbau der Anschlussstelle zuzustimmen. Dauerstau oder Verkehrswende?

Um diesem Dilemma aus dem Weg zu gehen, ließ Landrat Richard Sigel den Tagesordnungspunkt vertagen, bevor ihm der Straßenausbau krachend auf die Füße fällt.

Wo ist das Problem?

Die Lösung, die sich das Regierungspräsidium Stuttgart vom Ingenieurbüro Karajan erarbeiten ließ, ist die klassische alte Schule der Verkehrsplanung. Staus werden aufgelöst, indem man neue Straßen baut. Dass sich die Autolawine von der B-14-Ausfahrt möglicherweise nach Leutenbach verlagert, das befürchtete auch der Leutenbacher Bürgermeister Jürgen Kiesl, als seinem Gemeinderat die Pläne vorgestellt wurden.

Was ist geplant?

Die beiden Kreisverkehre an den Ein- und Ausfahrten zur Bundesstraße haben sich als Nadelöhre entpuppt. Notlösungen, nämlich die Ausfahrt zu verlängern und zwischen 16 und 18 Uhr ein Tempolimit in Fahrtrichtung Backnang zu verhängen, hatten nur begrenzten Erfolg. Nach wie vor kommt es in den abendlichen Hauptverkehrszeiten zum Rückstau „bis weit auf die Hauptfahrbahn der Bundesstraße“, so das Landratsamt: „Dies führt regelmäßig zu gefährlichen Situationen.“

Aus vier Varianten hat das Regierungspräsidium folgende Lösung gewählt: Die beiden Rampen werden verbreitert und die Kreisverkehre am Ende der Rampen zu Kreuzungen mit Ampeln umgebaut. Zudem braucht’s eine neue Brücke über die B 14, um die Straße von zwei auf vier Spuren zu vergrößern. Weil vom Umbau auch 210 Meter der Kreisstraße 1898 betroffen sind, muss der Rems-Murr-Kreis rund 1,1 Millionen der Gesamtkosten von 8,4 Millionen Euro berappen.

Was soll der Ausbau bringen?

„Ziel des Umbaus ist eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit der gesamten Anschlussstelle, um den Rückstau auf die Bundesstraße insbesondere in den Hauptverkehrszeiten zu unterbinden“, heißt es in der Vorlage für den Umwelt- und Verkehrsausschuss. „Unter Berücksichtigung einer prognostizierten Verkehrszunahme von 0,5 Prozent pro Jahr ergibt sich zum Prognosehorizont 2030 ein Zuwachs der Verkehrsbelastung von circa 5,0 Prozent und es ist mit keinem leistungsfähigen Verkehrsablauf im Bestand mehr zu rechnen.“

Warum kommt im Kreistag keine Begeisterung auf?

Der Tagesordnungspunkt „Ausbau Anschlussstelle Winnenden-West“ kam im Umwelt- und Verkehrsausschuss zur Unzeit. Just, nachdem die Kreisrätinnen und Kreisräte zähneknirschend der Erhöhung der VVS-Tarife zugestimmt hatten und das ambitionierte 4. Klimaschutz-Handlungsprogramm „Miteinander.Handeln.Jetzt.“ verabschiedeten, sollten sie einen Beitrag zur Versiegelung der Landschaft und mehr Verkehr leisten. Mehr Spagat geht nicht. Denn im Klimaschutzprogramm heißt es zum Thema Verkehr klipp und klar: „Der Rems-Murr-Kreis (strebt) eine weitere Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs auf öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad an.“ Schließlich entfällt mehr als ein Drittel des ökologischen Fußabdrucks des Landkreises auf den Verkehrssektor.

Die Liebe der Deutschen zum Auto ist einer der Gründe, weshalb der Klimaschutz - nicht nur im Rems-Murr-Kreis – nicht vorankommt und sich der CO2-Ausstoß nicht verringert.

Wie waren die Reaktionen im Kreistag?

Astrid Fleischer (Grüne) nannte den Ausbau „eine klimaschädliche Investition“. Es sei zynisch, dass das Regierungspräsidium ausgerechnet in der derzeitigen Situation dem Straßenbau huldigt.

Hermann Beutel (CDU) schüttelte den Kopf, ob der teuren Investitionen in einen Umbau von Kreisverkehren. Er bezweifelt, dass Ampelkreuzungen tatsächlich leistungsfähiger sind als die Kreisel. Ein Fragezeichen setzte der CDU-Sprecher im Umwelt- und Verkehrsausschuss hinter die Prognose, dass der Verkehr Jahr für Jahr um 0,5 Prozent zunimmt: „Die Planung beruht auf falschen Voraussetzungen.“

Roland Borkowski (Linke) erinnerte daran, dass der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann den Individualverkehr bis 2030 doch halbieren wolle: „Warum dann eine Planung für so viele Autos?“

Klaus Riedel (SPD) mutmaßte, dass ein Ausbau die Lage an der Anschlussstelle bloß „verschlimmbessert“. Warum nicht zweispurig in der Ausfahrt stehen und den Verkehr in Richtung Backnang einspurig daran vorbeiführen? „Wir müssen den Verkehr erziehen, dass er langsamer wird“. Dann fließe er erwiesenermaßen auch besser.

Gerhard Ketterer (CDU) lehnte Ampeln ab. „Kreisverkehre werden schlechtgeredet“, sagte er mit Blick auf die Straßenplaner.

Sabine Wörner (SPD) fragte sich, weshalb das Regierungspräsidium eigentlich keinen konkreten Zeitplan für den Ausbau vorlegt. Wenn die Ausfahrt tatsächlich so gefährlich wäre, wie behauptet, „müsste sofort etwas geschehen“.

Gudrun Wilhelm (Gruppe Wilhelm/Klinghoffer) hat bekanntlich ihren eigenen Kopf. So auch in diesem Punkt. „Es freut mich, dass der Flaschenhals beseitigt wird.“ Die Kirchbergerin wies darauf hin, dass vor allem Autofahrer aus dem Raum Ludwigsburg und dem nordwestlichen Rems-Murr-Kreis, wo auch sie zu Hause ist, die Ausfahrt Winnenden-West/Leutenbach benutzen.

Gernot Gruber (SPD) fragte sich hingegen, ob der Kreistag überhaupt die Befugnis hat, einen Ausbau abzulehnen. Er regte an, das Regierungspräsidium in den Ausschuss zu laden und auch die Prämissen zu hinterfragen, die den Plänen zugrunde liegen.

Für Landrat Richard Sigel kam Grubers Vorschlag wie gerufen, die bereits ins Schlittern geratende Kuh vom Eis zu kriegen. Es gebe keinen Zeitdruck, beschwichtigte er die aufgebrachte Runde. Und er räumte ein, dass die Ausbaupläne wirklich nicht zum Klimaschutz und dem gewünschten Zuwachs des öffentlichen Personennahverkehrs passen.

Mit einer Gegenstimme wurde der Tagesordnungspunkt vertagt. Zur Eile besteht tatsächlich keinerlei Anlass. Als Unfallschwerpunkt gilt die Ausfahrt nicht. Zum geplanten Zeitraum heißt es: „Derzeit noch unbekannt“. Matthias Straus, Leiter des Straßenbauamtes, brachte das Jahr 2030 ins Gespräch.

Die B-14-Anschlussstelle Winnenden-West/Leutenbach ist eine veritable Fehlplanung. Dass die beiden Kreisel den Verkehr nicht packen, war schon kurz nach Einweihung der vierspurig ausgebauten Bundesstraße klar. Abends stauen sich die Autos aufgrund des Nadelöhrs weit auf die B 14 zurück; morgens haben sich die gleichen Autofahrenden über die Warterei in Leutenbach geärgert, bis sie sich endlich in den Verkehr gen Stuttgart einfädeln konnten. Nun hat das Regierungspräsidium eine Lösung gegen

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