Winnenden

Badehosenkonflikt im Wunnebad landet vor dem Amtsgericht

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Badehose schnell auf der Liegewiese ausziehen – darf man das? Eine Verhandlung im Amtsgericht. © Regina Munder

Im heißen Sommer des letzten Jahres hat ein Mann auf der Wunnebad-Liegewiese seine nasse Badehose ausgezogen und eine Sporthose angezogen. Intime Stellen bedeckte er dabei. Im Prinzip benahm er sich so wie viele männliche und weibliche Badegäste, aber nicht alle. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm exhibitionistische Handlungen in drei Fällen vor. Mit diesem Vorwurf hatte sich das Waiblinger Amtsgericht am 14. Juli in einer öffentlichen Hauptverhandlung zu beschäftigen.

Angeklagter findet: „Ein normales Verhalten“

Über den Vorfall selbst herrschte vor Gericht Einigkeit. Strittig war allenfalls seine Bewertung. Der 52-jährige Angeklagte war am 16. August des vergangenen Jahres mit seiner Frau und seiner Tochter im Wunnebad. Gegen 16 Uhr, nach dem Schwimmen, wollte er mit seiner Tochter noch eine Runde Tischtennis spielen. Dafür schlüpfte er aus der nassen Badehose, bedeckte seinen Intimbereich mit einem Handtuch und schlüpfte in eine Sporthose. Er habe sich dabei nichts gedacht, erklärte er, vielmehr sei er davon ausgegangen, dass dies in einem Freibad „ein normales Verhalten“ wäre.

Anderer Badegast lässt üble Beschimpfungen los

Als er und seine Tochter dann zur Tischtennisplatte gehen wollten, folgte ihnen ein anderer Badegast und beschimpfte ihn unter anderem als „Drecksau“, „Perverser“, „Wichser“, „Kinder...“. Als er die Beschimpfungen ignorierte und den Bademeister zu Hilfe rief, kündigte ihm der Verfolger an, er werde ihn totschlagen und ihm den Kopf abreißen. Daraufhin alarmierte er die Polizei. Aus dem Winnender Revier trafen eine Polizistin und ein Polizist ein. Bei ihnen erstattete er Anzeige wegen Bedrohung und Beleidigung. Damit hatte er wenig Erfolg. Denn: Im Gegenzug erstattete der Kontrahent Anzeige wegen sexueller Belästigung.

Dass der Hosenwechsler beleidigt und bedroht wurde, interessierte die Staatsanwaltschaft nicht sonderlich. Die Anzeige wurde von der Staatsanwaltschaft abgewiesen, mit der Begründung, dass kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung bestehe.

Strafbefehl unterstellt, Ziel sei sexuelle Erregung gewesen

Aus dem Badegast, der die nasse Badehose ausgezogen hatte, wurde ein Beschuldigter. Ihm wurde ein Strafbefehl zugestellt, indem ihm vorgeworfen wurde, er habe in der Absicht, sich selbst sexuell zu erregen, sich entkleidet, sein Geschlechtsteil entblößt und damit drei Frauen konfrontiert. Diese hätten sich dadurch belästigt gefühlt, weshalb er nun in drei tateinheitlichen Fällen wegen exhibitionistischer Handlungen gemäß Paragraf 183 des Strafgesetzbuchs zu bestrafen sei. Gegen diesen Strafbefehl legte der Beschuldigte Widerspruch ein, so dass es nun zu einer öffentlichen Verhandlung kam.

In dieser Verhandlung erklärte nun der 38-jährige Angreifer als Zeuge, dass es sich bei den drei Frauen um seine Ehefrau, Schwägerin und Schwiegermutter gehandelt habe. Er sei mit ihnen sowie seinen acht und fünf Jahre alten Kindern im Freibad gewesen. Ihnen habe er den Anblick des sich umziehenden Angeklagten ersparen wollen. Er habe dessen Verhalten als peinlich und provokativ empfunden und diesen daraufhin angesprochen. Als dieser seine Vorhaltungen ignorierte, habe er sich noch mehr aufgeregt. Hinterher habe es ihm leidgetan, dass seine zwei Kinder diesen Vorfall miterleben mussten. Und nein, räumte er ein, sexuell motiviert sei das Verhalten des Angeklagten nicht gewesen. Er habe wohl gedacht, er sei nicht im Freibad, sondern daheim.

Am Ende übernimmt die Staatskasse die Kosten

Richterin Isabel Thümmel verzichtete darauf, einen der beiden Polizeibeamten, der als Zeuge geladen war, zu befragen. Sie erklärte, sie könne bei dem Angeklagten weder ein strafwürdiges Verhalten noch ein öffentliches Interesse an der weiteren gerichtlichen Verfolgung des Vorfalls erkennen, weshalb sie mit Zustimmung des Vertreters der Staatsanwaltschaft das Verfahren einstellte. Die Kosten dafür übernimmt die Staatskasse. „Es hat sich erledigt, Sie können gehen“, verabschiedete sie den Angeklagten.

Im heißen Sommer des letzten Jahres hat ein Mann auf der Wunnebad-Liegewiese seine nasse Badehose ausgezogen und eine Sporthose angezogen. Intime Stellen bedeckte er dabei. Im Prinzip benahm er sich so wie viele männliche und weibliche Badegäste, aber nicht alle. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm exhibitionistische Handlungen in drei Fällen vor. Mit diesem Vorwurf hatte sich das Waiblinger Amtsgericht am 14. Juli in einer öffentlichen Hauptverhandlung zu beschäftigen.

Angeklagter

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