Winnenden

Bangen um das Mineralfreibad Höfen: Stadtwerke Winnenden kündigen Bauarbeiten an

Mineralfreibad Höfen
Täglich sinkt der Wasserspiegel im Mineralfreibad Höfen. © Gabriel Habermann

Die Stammgäste des Mineralfreibads Höfen um die Fördervereinsvorsitzende Renate Sanzenbacher hoffen auf eine schnelle Lösung der technischen Probleme in ihrem „Bädle“ bis zur Freibadsaison 2022. Stadtwerke-Chef Jochen Mulfinger betont, auch er habe das Freibad längst nicht aufgegeben. Bereits in den nächsten Tagen sollen Tiefbaumaßnahmen auf der Anlage stattfinden. Schieber werden frei gelegt und ersetzt. In der jüngsten Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke war bekannt geworden: Das Bad steht vor dem Aus, weil es viel Wasser verliert und nicht mehr den technischen Ansprüchen der heutigen Zeit genügt.

Erinnerungen an das Jahr 1997, als schon einmal die Schließung drohte

Renate Sanzenbacher erinnert sich noch gut an das Jahr 1997. Dem Mineralfreibad Höfen, das damals schon 60 Jahre auf dem Buckel hatte, drohte die Schließung – damals wegen des sanierungsbedürftigen Kinderbeckens. Eine Bürgerinitiative (aus ihr ging der Förderverein hervor) formierte sich. Die Ehrenamtlichen packten mit an und sicherten den Betrieb, gemeinsam mit der Stadt.

Renate Sanzenbacher, die Vorsitzende des Vereins, war schon vor 25 Jahren mit dabei. Heute erlebt ihr „Höfi“ wieder schwere Zeiten. Die 61-Jährige sagt: „Damals habe ich dafür gekämpft, dass meine Kinder hier schwimmen lernen können, jetzt ist meine Mission, dass auch meine zwei Enkel hier noch schwimmen lernen.“

Ein Vorwurf lautet: Die Stadtwerke wollen das Bad gar nicht erhalten

Wie Renate Sanzenbacher hoffen viele Fans des idyllischen Freibads, dass sie auch in diesem Sommer in Höfen schwimmen, baden und Freunde treffen können. Doch die Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke Winnenden vor einer Woche hat wenig Anlass gegeben für Optimismus. Zunächst hatte Bäderleiter Sascha Seitz von großen Wasserverlusten und einer mühsamen Ursachenforschung berichtet, dann sprach Stadtwerke-Geschäftsführer Jochen Mulfinger Klartext zur kommenden Freibadsaison: „Wir können nicht davon ausgehen, dass unsere Anlage in Betrieb gehen kann.“

Das brachte den Stadtwerken, die aktuell mitten in der Vorbereitung auf das Großprojekt Wunnebad-Umbau stecken, einen alten Vorwurf ein. Er lautet: Mulfinger und Co. haben überhaupt kein Interesse daran, den Freibad-Standort Höfen zu erhalten.

Stadtwerke-Chef Jochen Mulfinger: "Wir sind wirklich bemüht"

Das ärgert den Stadtwerke-Chef: „Wir haben schon in der Vergangenheit viel Geld investiert und wir werden noch mehr Geld in die Hand nehmen“, sagt er. „Wir sind wirklich bemüht, dass wir das Bad in Betrieb bekommen. Wir möchten ja eine Ausweichmöglichkeit schaffen für das Wunnebad, weil wir da auch Beschränkungen haben werden.“

Auch die Idee, das in die Jahre gekommene Freibad langfristig zu einem Naturbad umzubauen, stamme aus den Reihen der Stadtwerke: „Das zeigt doch, dass wir den Badestandort nicht aufgeben wollen.“

Die Naturbad-Idee ist auch Renate Sanzenbacher nicht fremd. Sie war bei einer Exkursion nach Künzelsau dabei, um sich ein solches Bad, mehr ein „sauberer See“ als ein klassisches Schwimmbad, anzuschauen. Wäre das nichts für Höfen? Ganz abgeneigt ist die 61-Jährige nicht: „Ich denke, wir müssen jetzt im Kleinen investieren, dass wir das Bad in den Betrieb kriegen. Dann müssen wir aber schon irgendwann eine langfristige Lösung finden für unser Bädle.“ Die SPD-Gemeinderätin betont: „Das Baden allein ist es nicht, das Freibad ist ein Treffpunkt für ganz Höfen, es stärkt den Zusammenhalt. Da steckt viel Herzblut drin.“

Stadtwerke wollen die Freibadsaison 2022 noch mit Bauarbeiten im Bädle retten

Die Kritik einiger Bürger, die Stadt Winnenden beziehungsweise die Stadtwerke kümmerten sich nicht um das Höfener Bädle, teile sie nicht, sagt Renate Sanzenbacher. Zwar gelte ihrer Wahrnehmung nach grundsätzlich schon „Wunnebad first“, zum Beispiel bei Personalengpässen, es sei jedoch in den vergangenen Jahren immer wieder in das Bädle investiert worden. Für weitere Baumaßnahmen bietet Renate Sanzenbacher die finanzielle Unterstützung des Fördervereins an: „Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass wir unser Bädle noch mal retten können.“

Das Problem ist nach wie vor der hohe Wasserverlust und die unklare Ursache dafür. In Höfen wird aktuell täglich kontrolliert, wie viel Wasser das Becken verliert – der Spiegel sinkt immer weiter. Am Donnerstag habe er „weitere Maßnahmen freigegeben“, sagt Jochen Mulfinger: „Wir müssen einen Schacht abbrechen, um Schieber frei zu legen, die irgendwann einmal einbetoniert wurden und an die man jetzt nicht mehr herankommt.“ Die Schieber sind wahrscheinlich undicht.

Die Bauarbeiten kosten mindestens 5000 Euro

Nach ihrem Austausch muss der Schacht neu aufgebaut werden. Die entsprechenden Tiefbauarbeiten sollen bereits in den kommenden zwei Wochen erledigt werden. Geschätzte Kosten: mindestens 5000 Euro, den großen Arbeitsaufwand der Stadtwerke-Mitarbeiter nicht miteingerechnet.

Sind die Bauarbeiten erledigt, soll erneut beobachtet werden, ob der Wasserspiegel weiter sinkt. Sinkt er, ist das Becken undicht – laut Jochen Mulfinger der „größtmögliche Unfall“. Sinkt er nicht, geht die Anlage testweise wieder in den Betrieb, das Wasser zirkuliert. Bleibt es auch dann im Becken, könnte die Freibadsaison gerettet sein. Ginge im Testbetrieb aber wiederum sehr viel Wasser verloren, „dann müssten wir die ganzen Verrohrungen drum herum richten“, sagt Mulfinger.

Würde auch dann noch Wasser abfließen, spräche das wieder für den genannten Worst Case: Becken undicht. „Wir müssten dann überlegen: Können wir das Freibad mit diesem Wasserverlust betreiben?“, erklärt Jochen Mulfinger.

Die Entscheidung soll am 31. März fallen

Denn das Becken als Ganzes zu richten, wäre eine teure, große Baumaßnahme, die zur Freibadsaison in diesem Sommer nicht realistisch umsetzbar wäre und über die der Gemeinderat der Stadt Winnenden als Gesellschafter der Stadtwerke bestimmen müsste. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen soll bei der nächsten Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke am 31. März gefällt werden.

Die Stammgäste des Mineralfreibads Höfen um die Fördervereinsvorsitzende Renate Sanzenbacher hoffen auf eine schnelle Lösung der technischen Probleme in ihrem „Bädle“ bis zur Freibadsaison 2022. Stadtwerke-Chef Jochen Mulfinger betont, auch er habe das Freibad längst nicht aufgegeben. Bereits in den nächsten Tagen sollen Tiefbaumaßnahmen auf der Anlage stattfinden. Schieber werden frei gelegt und ersetzt. In der jüngsten Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke war bekannt geworden: Das Bad steht

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