Winnenden

Bankräuber noch nicht gefasst

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Nachdem die Polizei am Dienstag Fotos aus Überwachungskameras veröffentlicht hat, werden nun Hinweise ausgewertet. © Benjamin Buettner

Winnenden. Noch ist der Bankräuber von Winnenden nicht gefasst. Es sind nach dem Überfall auf die Volksbankfiliale in der Winnender Marktstraße zwar Hinweise bei der Polizei eingegangen. Der entscheidende Tipp war noch nicht dabei – obwohl der Täter auf den Bildern aus den Überwachungskameras relativ gut zu erkennen ist.

Es ist nicht ganz sicher, ob der Mann auf den Fotos eine Art transparente Maske trägt – oder nichts. Eine dunkle Brille ist zu sehen, ferner ist der Mann mit einer dunklen Jacke und Jeans bekleidet. Das Gesicht des Mannes ist zwar nicht ganz genau zu sehen – doch wer die Person kennt, dürfte den Mann anhand der Bilder identifizieren können. Trotzdem „haben sich die Hinweise in Grenzen gehalten“, wie Polizeipressesprecher Rudolf Biehlmaier sagt. Natürlich läuft die Fahndung weiter; wer Hinweise geben kann, sollte schleunigst bei der Polizei anrufen, Telefon 0 71 51/950-0.

Kassiererin geht es den Umständen entsprechend gut

Der betroffenen Kassiererin geht es den Umständen entsprechend gut, berichtet Matthias Layher, Pressesprecher der Volksbank Stuttgart. Der Bankräuber hatte die Frau am Dienstagmorgen mit einer Waffe bedroht. Der Mann nahm gar etwas Wartezeit in Kauf, bis Bargeld zur Verfügung stand – und verschwand mit den Scheinen in der Tasche.

Ein solches Erlebnis vergisst man vermutlich nie; Betroffene verarbeiten ein Trauma dieser Art ganz verschieden, sagt Matthias Layher. Beim Überfall diesen Dienstag stand eine sehr erfahrene Mitarbeiterin an der Kasse. Mitte Dezember 2016 schaute in derselben Filiale eine jüngere Kassiererin in den Lauf einer Waffe. Sie wollte nicht weiter in Winnenden arbeiten und ist mittlerweile innerhalb der Volksbank woanders eingesetzt, so Layher.

Fußgängerzone scheint als Fluchtweg gar nicht so ungeeignet

Eine große Volksbankfiliale mitten in der Fußgängerzone – weshalb scheint sie für Bankräuber besonders attraktiv zu sein? Im Dezember 2016 betrat ein 19-Jähriger dieselbe Filiale, zeigte eine Waffe vor und forderte Geld. Kurz vor Weihnachten 2011 versuchte ein Mann, in dieser Filiale an Geld zu kommen – er scheiterte.

Vermutlich erhoffen sich Täter in einer größeren Filiale größere Geldbeträge. Und die Fußgängerzone könnte als Fluchtweg gar nicht so ungeeignet sein, erläutert ein Insider: Ein Auto direkt neben der Bank fiele womöglich auf. Unter Fußgängern reiht sich der Räuber unauffällig ein, um dann vielleicht an einem entfernteren Ort in ein Auto zu steigen. Oder in die S-Bahn. Denkbar ist alles: „Wir arbeiten dran“, heißt es bei der Polizei.

Eine wichtige Rolle spielt die Videoüberwachung

Die Videoüberwachung spielt eine entscheidende Rolle. Der Täter, der im Dezember 2016 die Volksbankfiliale in Winnenden heimgesucht hatte, war nicht maskiert gewesen und wurde anhand der Fahndungsfotos schnell identifiziert. Der junge Mann ist später bei einem Unfall ums Leben gekommen.

Kriminelle entscheiden sich heute sehr viel seltener als noch vor Jahren für einen Banküberfall. Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass Bankangestellte nur begrenzt Zugriff auf Bargeld haben. Seit die meisten Kunden am Automaten Bargeld holen, liegen an den Kassenschaltern weniger Scheine bereit.

Stärkste Bedrohung: Die Sprengung von Geldautomaten

Deshalb haben es Kriminelle nun auf die Geldausgabeautomaten abgesehen. Zunächst wurden die Automaten herausgerissen und mitgenommen oder mit mechanischen Werkzeugen geöffnet, so Brigitte Römstedt, Pressesprecherin bei der R+V- Versicherung. Als „stärkste Bedrohung“ beschreibt die Sprecherin aktuell die Sprengung von Geldautomaten: Täter leiten ein Gasgemisch in einen Automaten, zünden – und der Automat explodiert. „Die Automatenangriffe durch Sprengungen haben sich in den letzten fünf Jahren, über das gesamte Bundesgebiet gesehen und alle Finanzinstitute mitbetrachtet, ungefähr vervierfacht – Tendenz steigend“, erläutert Brigitte Römstedt. Demnach gab es 2016 geschätzt mindestens 250 Sprengungen und Sprengversuche im Bundesgebiet: „Der wirtschaftliche Schaden ist immens.“

Ein Fall im Rems-Murr-Kreis: In der Raiffeisenbank Vordersteinenberg

Im Rems-Murr-Kreis ist das Phänomen auch bekannt: Im November 2016 haben Unbekannte versucht, einen Geldausgabeautomaten der Raiffeisenbank Vordersteinenberg zu knacken. Es blieb beim Versuch. In Stuttgart-Hohenheim flog im April 2016 ein Geldautomat in die Luft.

Nachdem die Polizei am Dienstag Fotos aus Überwachungskameras veröffentlicht hat, werden nun Hinweise ausgewertet.


Im Ernstfall versichert

Banken sind versichert für den Fall eines Überfalls. Die Volksbank Stuttgart wird das gestohlene Geld über ihre Versicherung zurückerhalten, davon geht Pressesprecher Matthias Layher aus.

Schwerer Raub liegt laut Strafgesetzbuch vor, wenn ein Räuber eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt. Die Freiheitsstrafe liegt dann nicht unter drei Jahren. Setzt ein Räuber eine Waffe tatsächlich ein, liegt das Strafmaß höher: Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren sieht das Gesetz vor.

Im Jahr 1965 hat erstmals eine Frau eine Bank überfallen. Gisela Werler verbrachte viele Jahre in Haft; ihr und Komplizen wurden eine ganze Reihe von Banküberfällen zur Last gelegt.