Winnenden

Bartweltmeister Erwin Butsch ist Winnendens haarigster Titelträger

BartButsch
Morgens braucht Erwin Butsch nicht länger als zehn Minuten, um seinen Bart in Form zu bringen. © Gaby Schneider

Dreimal Weltmeister, dreimal Europameister, zweimal deutscher Meister, zweimal englischer Meister, italienischer, französischer, österreichischer Meister, sowie in der Schweiz. Der Briefkopf von Erwin Butsch aus Hertmannsweiler ist mit 14 Titeln rekordverdächtig lang. Triumphiert hat er dabei mit einem ausgefallenen Hobby: seinem Bart.

Der Winnender trägt einen Musketierbart. Dieses Exemplar besteht aus einer Kombination von Schnauzer mit langen, gezwirbelten Enden und einem Kinnbart. So zumindest würde der Laie jene Gesichtsbehaarung beschreiben, die bei Juroren auf der ganzen Welt Gefallen findet.

„Die Meisterschaften werden offen ausgetragen. Deshalb kann ich beispielsweise auch in England antreten“, schildert Butsch. Dort feierte der 57-Jährige seinen jüngsten Erfolg. „Es ist Wahnsinn, was bei solchen Wettbewerben abgeht“, erzählt er.

Highlight in der Karriere als Bartträger: Die Weltmeisterschaft in Austin (Texas)

„Verrückte“ aus der ganzen Welt kommen zusammen, in unterschiedlichen Kategorien treten sie gegeneinander an. Butsch also kämpft mit seinem Bart gegen andere Musketiere. „Zunächst kommt man nacheinander auf die Bühne und wird vorgestellt, ehe die Mitglieder der Jury sich jeden Teilnehmer genauer anschauen“, erklärt er.

Die Bartbewerter seien oft aus dem Geschäft, also Friseure oder Barbiere, teils auch Vertreter der Stadt, in der der Wettkampf ausgetragen wird. Jeder vergibt eine Punktzahl zwischen fünf und zehn, wobei die beste und die schlechteste Bewertung zum Schluss gestrichen wird. „Neben dem Aussehen ist auch eine Portion Glück dabei, ob man den Juroren sympathisch ist oder nicht“, weiß der Winnender. Meist kennt er die Konkurrenten schon, manchmal seien jedoch auch Überraschungen dabei.

Vor einem Wettbewerb muss jedes Härchen sitzen

Drei bis vier Wettkämpfe besucht er im Jahr, wobei die Weltmeisterschaft im texanischen Austin für den Winnender das bisherige Highlight in der Karriere als Bartträger gewesen ist.

Butsch kommt es dabei zugute, dass er auch Mitglied im historischen Verein in Winnenden ist, schließlich tritt er immer verkleidet auf der Bühne auf, färbt zudem seinen Bart. Nach und nach hat er sein Aussehen perfektioniert. „Erst jüngst hat mir jemand auf einem Wettbewerb gesagt, dass ich genauso aussehe wie Napoleon III“, sagt Erwin Butsch.

Während der Winnender im Alltag am Morgen nicht länger als zehn Minuten benötigt, um seinen Bart in Form zu bringen, sind es vor Wettbewerben etwa zwei Stunden. „Da muss jedes Härchen sitzen“, sagt der amtierende Bartweltmeister. Die Ausgaben, die er dabei in sein Markenzeichen investiert, halten sich in Grenzen: Etwa zehn bis 15 Euro sind es im Monat. Neben Haarspray für den Kinnbart verwendet er auch ungarisches Bartwachs. „Inzwischen gibt es überall Pflegeprodukte für Bärte zu kaufen. Ein Bart hat nicht mehr so ein eingestaubtes, altes Image, wie es früher war“, so der Experte. Als Beispiel nennt er seine beiden Söhne, die allerdings kein ganz so auffälliges Modell wie der Vater tragen, sondern einen klassischen Vollbart.

Gesichtsbehaarung könne man beispielsweise mit einem Öl pflegen. Butsch verzichtet darauf jedoch, da es die Haare für seine Zwecke zu weich machen würde. Beim Duschen verwendet er ein handelsübliches Haarshampoo.

Mitglied im Bart- und Kultur-Club „Belle Moustache“

Dass Erwin Butsch mit seinem Markenzeichen inzwischen so erfolgreich ist, ist eher dem Zufall geschuldet. „Im Jahr 2010 war ich bei einem Bartworkshop des Bart-und Kultur-Clubs ‘Belle Moustache‘“, erinnert sich der Winnender. Knapp einen Monat später hat er an seinem ersten Wettbewerb teilgenommen. „Dort kann jeder von der Straße weg teilnehmen. Man braucht halt ein paar Haare im Gesicht“, witzelt Butsch. Noch immer ist er als Mitglied im Bart- und Kultur-Club aus Leinfelden-Echterdingen aktiv. „Wir unternehmen viel zusammen und sind immer wieder auch im Fernsehen“, sagt er.

So war er beispielsweise schon im ZDF-Fernsehgarten oder bei Deutschland sucht den Superstar zu sehen. Auch als Weihnachtsmänner treten die Mitglieder im Stuttgarter Milaneo auf. Hin und wieder sprechen Fremde ihn an, bitten um ein Foto.

Ans Aufhören denkt der Bartathlet noch lange nicht. Denn Bartträger ist er quasi, seit er denken kann. „Mit 16 habe ich mich einmal rasiert, einen Schnauzer trage ich eigentlich schon immer“, erinnert er sich.

Die grauen Haare stören nicht weiter, schließlich färbt Butsch seinen Bart vor Wettbewerben. Und auch das Abrasieren kommt nicht infrage: „Das wäre eine Todsünde“, sagt Butsch mit großen Augen. Schließlich würde er dann einen Teil seiner Identität verlieren. Keine Frage: Der Bart ist sein Markenzeichen.

Dreimal Weltmeister, dreimal Europameister, zweimal deutscher Meister, zweimal englischer Meister, italienischer, französischer, österreichischer Meister, sowie in der Schweiz. Der Briefkopf von Erwin Butsch aus Hertmannsweiler ist mit 14 Titeln rekordverdächtig lang. Triumphiert hat er dabei mit einem ausgefallenen Hobby: seinem Bart.

Der Winnender trägt einen Musketierbart. Dieses Exemplar besteht aus einer Kombination von Schnauzer mit langen, gezwirbelten Enden und einem Kinnbart.

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