Winnenden

Befreiung für coronafreie Winnender Schulen: Masken dürfen weitgehend runter, Schnelltests bleiben

Maskenpflicht auf dem Schulhof - Stöckachschule, Winnenden, 17.06.2021.
Die Grundschüler der Stöckachschule tragen auch in den Pausen auf dem Hof Masken. © Benjamin Beytekin

Der Sommer ist (endlich) heiß, auf einmal empfindet man die Maske im Freien als sehr anstrengend und lästig. Vor allem, wenn man sich bewegt. Wie mag es da den Schulkindern gehen, die tendenziell immer in Bewegung sind, vor allem in den Pausen? Gute Nachricht am Donnerstag (17.6.): Die Maskenpflicht auf dem Schulhof ist ab Montag, 21. Juni, aufgehoben. Das gilt dann auch für Bushaltestellen. Wenn die Kreis-Inzidenz stabil unter 35 ist und wenn eine Schule zwei Wochen coronafrei ist, darf sogar im Unterricht die Maske runter. Nur auf den Fluren setzen noch alle die Masken auf. Die regelmäßigen Testungen der Schüler bleiben. Wie kommt das bei Grundschulen an?

„Das würde mich freuen“, sagt Susanne McCafferty, Rektorin der Stöckach-Grundschule, einen Tag vor dem Beschluss der neuen Regel. Auch die Voraussetzung, dass die Schule selbst zwei Wochen coronafrei ist, würde sie im Moment erfüllen.

Konrektorin verweist auf hohe Inzidenz und mangelnden Abstand

Zu befürchten war, dass es noch eine Woche länger dauert, bis aus dem Gedanken der Landesregierung eine Genehmigung im Kultusministerium wird. Vorsichtig äußerte sich daher Konrektorin Heike Mang am Mittwoch: „Wir sollten nicht zu schnell lockern, das gebietet sich schon, weil wir in Winnenden so eine hohe Inzidenz haben.“ 285 Kinder besuchen die Einrichtung, und diese Woche ist es noch so, dass sie im Unterricht Masken tragen, auf den Fluren im Gebäude und auch während der Pause im Freien. „Es gibt aber Maskenpausen am Sitzplatz, in denen sie sie abnehmen dürfen“, sagt Mang. „Manche Kinder sagen allerdings, dass sie die gar nicht brauchen“, staunt sie selbst über die Durchhaltekraft der Kinder und lobt deren Umgang mit dem Mundschutz: „Die machen das alle ganz toll.“

Die Stöckachschule hat außerdem die großen Pausenzeiten so gestaffelt, dass eine Klasse nach der anderen auf den Hof geht, nie mehrere gleichzeitig draußen sind. Das ist nun wiederum für die benachbarten weiterführenden Schulen „eine Herausforderung“, wie Heike Mang sagt, „denn unsere Kinder toben und können nicht leise sein“. Für den Prüfungstag am heutigen Freitag, 18. Juni, an der Geschwister-Scholl-Realschule aber hat sich die Grundschule eine andere Pausenlösung überlegt, Rücksichtnahme unter Nachbarn.

Und obwohl eine Klasse den Hof quasi für sich hat, müssen die Masken aufbleiben? „Da wir nicht garantieren können, dass die Kinder 1,5 Meter Abstand zueinander halten, ja“, so liest Heike Mang die geltende Verordnung. Dies sei bei Grundschülern, die miteinander spielten, eben wesentlich schwerer oder gar nicht möglich, als bei älteren Schülern.

Die Schnelltests zweimal die Woche erledigen die Eltern morgens

Ein großer Pluspunkt bei der Rückkehr aller Klassen ins Schulgebäude ist indes, dass die Kinder zweimal die Woche getestet werden. Vergangene Woche war im Gespräch, dass diese Verantwortung von den Eltern am Donnerstag, 17. Juni, an die Schule übergehen soll. Doch die Verordnung änderte sich wieder. Es ist den Schulen nun freigestellt, wie sie es machen. „Wir hatten alles aufs Testen an der Schule vorbereitet, belassen die Schnelltests montags und donnerstags nun aber doch bei den Eltern. Dafür sind uns manche dankbar“, sagt Heike Mang. Anfangs kam es immer wieder vor, dass ein Kind seinen Zettel mit Datum und Unterschrift von Mutter oder Vater und mit der Versicherung, dass der Test negativ war, vergessen hatte. „Dann musste es so lange auf dem Hof warten, bis die Eltern kamen, den Test machten und die Bescheinigung unterschrieben.“ Heike Mang sieht, dass inzwischen eine Art Routine entstanden ist: „Es fehlen immer weniger Bescheinigungen.“

In Höfen: Eltern testen, Kinder nehmen draußen die Masken ab

Auch die Grundschule Höfen macht so weiter wie bisher: „Die Eltern testen zu Hause, wir stellen den Kindern eine Bescheinigung aus, die sie für alle Freizeitaktivitäten nachmittags brauchen, damit sie sich nicht doppelt und dreifach testen müssen“, schildert Rektorin Petra Riefler das Vorgehen. 60 Stunden ist so ein Test gültig, anders als bei Erwachsenen. „Ich glaube auch, dass die Tests dann zuverlässiger sind, wenn Mutter oder Vater testen, als wenn die Kinder sich an der Schule selbst testen.“ Ein großes Plus am bisherigen Verfahren ist außerdem, dass die Kinder zu Hause sind und bleiben, sollten sie coronapositiv sein. „Das ist sehr viel wert, vor allem nach einem Wochenende“, sagt Petra Riefler. Bisher ist die Schule coronafrei.

Das Masketragen wird in Höfen indes etwas anders gehandhabt als in der Stöckachschule. „Im Unterricht und im Schulgebäude, auf dem Weg in die Pause: ja. In der Pausenzone dürfen sie sie abnehmen“, erläutert Petra Riefler. Die Schule habe ein sehr großes Gelände und die Pausenzeiten und -zonen seien so ausgeklügelt, dass Abstände der insgesamt 120 Schüler zueinander im Freien kein Problem darstellen. „Das ist eine erlaubte Lösung und pädagogisch begründbar“, meint Petra Riefler. „Grenzwertig“ findet sie gerade in ihrer Schule den Unterricht mit Maske: „Das Gebäude ist nach Süden ausgerichtet, wenn die Jalousien unten sind, behindern sie den Luftstrom beim Lüften.“ Die Maske über Mund und Nase ist dann zwar doppelt wichtig, aber bei Wärme auch doppelt unangenehm.

„Testbescheinigungen für die Kinder sind nicht sinnvoll“

In den weiterführenden Schulen werden die Schnelltests vor Ort im Klassenzimmer, nicht zu Hause durchgeführt. „Seit Mittwoch, 9. Juni, sind alle wieder in der Schule, das ist wunderbar“, sagt Schulleiter Jörg Steinl. Der Präsenzunterricht ist aber mit Antigen-Schnelltests verbunden. „Tests machen wir montags und mittwochs. Das ist umständlich und kostet viel Zeit.“ Doch weil es das Kultusministerium wünsche, geben die Lehrer auch Bescheinigungen über negative Testergebnisse heraus, sie gelten 60 Stunden. Die können die Kinder, wenn es verlangt wird, dann in der Musikschule, in der Kunstschule, im Sportverein oder bei kirchlichen Gruppen wie dem CVJM vorzeigen, auch im Jugendzentrum. „Das machen wir gern“, sagt Steinl, aber: Für sehr sinnvoll hält er es nicht. „Wir erhalten durch die Testungen ja ein Screening für alle Schulen, darum geht es doch eigentlich.“ Klar: Positive Fälle kann man gleich morgens vom Schulbesuch ausschließen, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Sie müssen sofort zum genaueren PCR-Test ins Winnender Rems-Murr-Klinikum und dann nach Hause in Quarantäne, bis das Ergebnis vorliegt. Ist auch dieses positiv, bleiben sie in Isolation, wenn nicht, können sie zurück in die Schule.

Aber wenn doch alle Schulkinder regelmäßig getestet und bei potenzieller Gefahr aus dem Verkehr gezogen werden, warum kann man sie dann nicht in ihrer Freizeit mit Belegen und Beweisen in Ruhe lassen? Das fragt sich Jörg Steinl. „Erwachsene brauchen die Negativ-Nachweise alle 24 Stunden tatsächlich hier und da. Doch die Kinder müsste man davon entbinden, so dass uns Schulen Zeit für Unterricht und alle anderen Aufgaben bleibt, die in der Pandemie zu kurz gekommen sind.“

Deshalb hat Jörg Steinl nun auch die neueste und weitergehende Frage, ob die Schule die Schnelltestergebnisse in eine App, zum Beispiel Cosima, einspeisen soll oder kann, direkt an den Elternbeirat weitergegeben. Jörg Steinl glaubt, der neuerliche Aufwand lohne sich vor den Ferien nicht. „Auch nicht, wenn nur die Hälfte der Eltern das will oder wenn es um verschiedene Apps geht.“ Beim Lessing-Gymnasium müsste die Schule von 770 Elternhandys die Mailadresse bekommen und das Okay zur Cosima-App. Die Eltern müssten das negative Ergebnis mit dem Handy des Kindes teilen oder es ausdrucken. „Zeitverschwendung“, findet Steinl, „die Politik sollte uns Praktikern zuhören“, fordert er.

Der Sommer ist (endlich) heiß, auf einmal empfindet man die Maske im Freien als sehr anstrengend und lästig. Vor allem, wenn man sich bewegt. Wie mag es da den Schulkindern gehen, die tendenziell immer in Bewegung sind, vor allem in den Pausen? Gute Nachricht am Donnerstag (17.6.): Die Maskenpflicht auf dem Schulhof ist ab Montag, 21. Juni, aufgehoben. Das gilt dann auch für Bushaltestellen. Wenn die Kreis-Inzidenz stabil unter 35 ist und wenn eine Schule zwei Wochen coronafrei ist, darf

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