Winnenden

Bei "Judo" gibt es einen Arbeitszeit-Bonus fürs Impfen - oder gleich einen Piks während der Arbeitszeit

Judo Impfen
Judo-Mitarbeiter-Impfung mit dem Biontech-Stoff: Personalreferentin Christin Schlegel und Betriebsarzt Oliver Scheuermann. © Benjamin Büttner

Jetzt sind die Jüngeren an der Reihe, sie können sich gegen die schlimmsten Folgen des neuartigen Coronavirus impfen lassen. Nicht für jeden Arbeitgeber ist das reine Privatsache der Beschäftigten. Zwar dürfen Firmen ihre Mitarbeiter nicht fragen, ob sie sich denn haben immunisieren lassen. Aber sie dürfen ihrer Fürsorge Nachdruck verleihen, indem sie zum Beispiel wie die Firma „Judo Wasseraufbereitung“ denjenigen eine Zeitgutschrift von 30 Minuten geben, die sich privat um einen Impftermin gekümmert und den mehr oder weniger weiten Weg ins Impfzentrum oder zum Fach- oder Hausarzt auf sich genommen haben.

Die Impfquote im Betrieb ist schon vor dem Arztbesuch hoch

„Dadurch haben wir schon einen Überblick bekommen, dass sich schon viele haben impfen lassen“, sagt Christin Schlegel, Personalreferentin bei Judo an der Hohreuschstraße. So erklärt sie sich, dass von den 150 Mitarbeitern im Werk in Waldrems sich „nur“ 30 vom Betriebsarzt haben impfen lassen – dort befinden sich Produktion, Entwicklung und Messtechnik. Am Verwaltungssitz und im Campus in Winnenden, wo Kundendienst, Außendienst, EDV und Verkaufsbüro untergebracht sind, meldeten sogar nur noch 15 von 150 Leuten Bedarf an. Deutschlandweit hat Judo 500 Mitarbeiter.

Impfung am Arbeitsplatz spart den Mitarbeitern Zeit und Nerven

Christin Schlegel selbst ist 34 Jahre alt und hat sich ebenfalls schon vor einigen Wochen erfolgreich um eine Erstimpfung in der Liederhalle bemüht und Astrazeneca bekommen. Für den zweiten Termin hat sie durch das neue Angebot der Firma aber nun Zeit und Sprit gespart, denn sie hat vom Betriebsarzt Oliver Scheuermann eine Biontech-Spritze bekommen. Da diese Kreuzimpfung als noch wirksamer gilt, fand sie das Angebot der Firma mehr als geschickt. Der andere Termin ist mit wenigen Klicks im Internet abgesagt, und trotzdem kann Christin Schlegel mit ihrer Familie beruhigt in den Urlaub fahren. „Bis der Impfschutz voll wirkt, muss ich mich, glaube ich, trotzdem noch testen, aber das gilt ja für die Kinder auch, das ist also kein Problem.“

Die Firma Judo übt keinen Druck auf ihre Beschäftigten aus, sich impfen zu lassen, „jeder entscheidet für sich“, sagt Christin Schlegel. „Aber da die Auswirkungen von einer Infektion so ungewiss sind, und weil ich nicht auf der Intensivstation landen will“, darum hat sie nicht gezögert. Ihre ebenfalls bereits geimpfte Kollegin Isabel Hoffmann-Marovac fühlt sich jetzt beim Bahnfahren und auch bei anderen wieder möglichen Aktivitäten viel sicherer.

Betriebsarzt Oliver Scheuermann, Internist mit eigener Praxis in Kornwestheim, sagt: „Ich finde es total wichtig, dass Jüngere, die im Arbeitsleben sind, geimpft werden.“ Nicht nur, weil dann die Firmen wieder im Normalbetrieb laufen können, sondern auch, weil Angehörigen tragische Schicksale erspart bleiben: „Als Arzt habe ich erlebt, wie auch junge Leute an Covid-19 gestorben sind.“

Ein Betriebsarzt kommt leichter als ein Hausarzt an Impfstoff heran

Diskussionen mit Impfskeptikern geht Oliver Scheuermann nicht aus dem Weg. Wer noch immer meint, dass zu früh damit begonnen wurde, dem sagt er: „Es war wichtig, dass wir schnell damit angefangen haben. Wären alle nur mit einem 70-prozentigen Impfschutz versorgt, wäre die Pandemie vorbei.“ Das heißt, dass es nicht so sehr auf das konkrete Serum und einen 100-Prozent-Schutz ankommt. Gleichwohl wird inzwischen für Menschen unter 60 Jahren Biontech oder Moderna empfohlen, Ersterer gilt als Sensibelchen unter den mRNA-Impfstoffen. „Es ist aber besser geworden, seit die Produktion in Marburg begonnen hat“, sagt Oliver Scheuermann. „Man darf ihn zwar immer noch nicht schütteln, wenn er trüb wird, ist er kaputt. Aber er ist gekühlt nun einen Monat lang haltbar.“ Die 15 Judo-Spritzen bringt der Betriebsarzt in einer kleinen Kühltasche mit. Über seine Kornwestheimer Apotheke war es kein Problem, etwas zu bestellen. Allerdings: „Als Betriebsarzt komme ich leichter an die Dosen heran als als Hausarzt.“

Jetzt sind die Jüngeren an der Reihe, sie können sich gegen die schlimmsten Folgen des neuartigen Coronavirus impfen lassen. Nicht für jeden Arbeitgeber ist das reine Privatsache der Beschäftigten. Zwar dürfen Firmen ihre Mitarbeiter nicht fragen, ob sie sich denn haben immunisieren lassen. Aber sie dürfen ihrer Fürsorge Nachdruck verleihen, indem sie zum Beispiel wie die Firma „Judo Wasseraufbereitung“ denjenigen eine Zeitgutschrift von 30 Minuten geben, die sich privat um einen Impftermin

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