Winnenden

Besuch im neuen Corona-Schnelltestzentrum in der Alten Kelter in Winnenden: Ein Selbstversuch von der Anmeldung bis zum Ergebnis

Covid Schnelltest
Laura Breiter (ganz links) und Annette Traub (hinten rechts) bereiten in der Alten Kelter die Testkits vor. Wer getestet wird, setzt sich auf einen der zwei Stühle. Von den ehrenamtlichen Helfern sind diejenigen durch eine Plexiglasscheibe getrennt. © Gabriel Habermann

Mittwochabend, kurz vor 18 Uhr. Die Türen der Alten Kelter in der Paulinenstraße stehen offen, das Licht im Inneren erhellt den Parkplatz. Passanten schauen etwas verdutzt, fragen sich, weshalb der Ort für Theater, Konzerte und andere Veranstaltungen in Pandemiezeiten so belebt aussieht. Doch wer an diesem Mittwoch gezielt in die Kelter kommt, der weiß ganz genau, was hier los ist: Die Stadt hat ein neues Corona-Schnelltestzentrum eingerichtet. Wer sich testen lassen will, muss sich zuvor anmelden. Wer das noch nicht weiß, den macht ein großes Schild am Eingang darauf aufmerksam.

Ab Montag, 8. März, darf sich jeder Bürger testen lassen

Um sich anzumelden, braucht man keinen bestimmten Anlass. „Das Angebot soll dazu dienen, versteckte Infektionen aufzudecken“, erklärt Christina Riedl, Leiterin des Hauptamtes der Stadt. Während in dieser Woche nur bestimmte Personengruppen wie Schüler, Lehrer, Erzieher oder Polizisten getestet werden, also diejenigen, die viele Kontakte haben, soll es nach den neusten Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz ab Montag, 8. März, für jeden Bürger die Möglichkeit zu einem Schnelltest geben. Wie sich das auf das Testzentrum in der Kelter auswirkt, hat die Stadt noch am Donnerstag geklärt. „Ab 8. März bietet das Testzentrum nach vorheriger Terminvereinbarung, von Montag bis Donnerstag, 17 bis 20 Uhr, kostenlose Schnelltests für jeden Bürger an. Anmelden müssen sich Interessierte über die Startseite der städtischen Homepage: www.winnenden.de. Der Anmeldelink wird am Montag aktiviert“, schreibt Pressesprecherin Emely Rehberger am Nachmittag.

 

Etwa 50 Tests pro Abend bieten die ehrenamtlichen Helfer derzeit an

Die Kelter jedenfalls ist gerüstet für den dann zu erwartenden Andrang. Im Inneren sind Desinfektionsmittelspender aufgebaut, einmal die Hände darunterhalten und die Flüssigkeit gut in den Handflächen verreiben. Weiter in das Testzentrum hinein sind Tische zu sehen und zwei Stühle, auf denen die Getesteten Rücken an Rücken sitzen. Für den nötigen Abstand untereinander sorgt ein weiterer Tisch. „Pro Test haben wir acht Minuten eingerechnet, so dass wir etwa 50 Tests am Abend durchführen können“, erzählt Raphael Rojas, Bereitschaftsleiter beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Winnenden. Ehrenamtliche des DRK wechseln sich mit einer anderen Hilfsorganisation ab, um die Tests durchzuführen.

Der Oberbürgermeister spricht von einem Pop-up-Testzentrum

Hinter Plexiglasscheiben stehen an diesem Mittwoch zwei Mitarbeiterinnen der Malteser: Laura Breiter und Annette Traub. Sie tragen gelbliche Schutzanzüge, die etwas von Raumfahreroveralls haben. Dazu blaue Handschuhe, ein Haarnetz, vor dem Gesicht ein Schutzschild und eine FFP2-Maske. Beim Anblick der beiden geht der Puls etwas nach oben: Hier wird es gleich ernst. Auf der anderen Seite bekommt man allerdings auch ein Gefühl der Sicherheit vermittelt, hygienisches Arbeiten ist in einem solchen Testzentrum schließlich besonders wichtig.

Abseits der beiden erklärt Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth, wie schnell sich aktuell alles rund um das Thema Schnelltests verändere. Innerhalb weniger Tage habe man das Testzentrum in der Alten Kelter auf die Beine gestellt. „Bewusst spreche ich von einem Pop-up-Testzentrum. So dynamisch, wie die Lage aktuell ist, kann sich schnell auch wieder etwas anderes ergeben“, vermutet er. Gespannt ist der OB, wie sich die Selbsttests, die zu Hause durchgeführt werden können, auf das Testzentrum auswirken. Kommt dann überhaupt noch jemand in die Kelter? „Ich sehe die Gefahr, dass positive Ergebnisse dann möglicherweise nicht mehr an das Landratsamt gemeldet werden“, erklärt Holzwarth und lobt wenig später das Engagement der Helfer in der Kelter.

Die Teststreifen dürfen nicht zu lange liegen bleiben

Diese haben durch die vorherige Anmeldung alle Daten wie Name, Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse der zum Test Kommenden bereits in ihren Laptops hinterlegt. Annette Traub nimmt sich ein Testkit und zieht ein Stäbchen aus der Verpackung. Das lange Teil soll in meine Nase? Okay. „Gleich wird es etwas unangenehm“, warnt sie vor. Das Stäbchen müsse ziemlich tief in die Nase, es könne zu Blutungen kommen. Sicherheitshalber reicht sie mir Papiertücher. Erst jetzt darf ich meinen Mund-Nasen-Schutz abnehmen. Ich solle den Kopf etwas in den Nacken legen, dann falle es ihr leichter, erklärt Annette Traub. Gefühlvoll, zumindest soweit das in diesem Fall möglich ist, schiebt sie das Stäbchen in meine Nase. Der Gedanke, dass es jetzt nicht mehr weiter reingeht, trügt. Es ist sehr wohl möglich. Etwa fünfmal dreht sie das Testinstrument. Fertig. Außer Tränen in den Augen und einem unangenehmen Kribbeln in der Nase habe ich den Test nach wenigen Sekunden gut überstanden. Es war mein erster und durch die Geschichten von Freunden und Bekannten, die die Prozedur bereits hinter sich haben, habe ich mir den Vorgang deutlich schlimmer vorgestellt, als es letztendlich war.

Das Stäbchen wird nun in eine Flüssigkeit getaucht. Diese wiederum kommt tröpfchenweise auf einen Teststreifen. „Nun müssen wir 15 Minuten warten, bis das Ergebnis feststeht“, erklärt Traub. Sie stellt sich einen Wecker, den sie zu meinem Teststreifen packt. Liege der Streifen zu lange, könne es zu einem falschen Ergebnis kommen. „Sollte der Test positiv sein, geht das Ergebnis direkt weiter an das Landratsamt, und Sie müssen in Quarantäne“, schildert Traub. Hoffentlich nicht. Für mich heißt es jetzt warten.

Holzwarth berichtet von vermeidbaren Infektionen

Währenddessen erzählt der Oberbürgermeister eine Geschichte, die ihn fassungslos macht. Ein Elternteil habe vergangene Woche deutliche Symptome einer Corona-Erkrankung entwickelt, das Kind sei allerdings trotzdem mehrere Tage noch in die Schule gegangen. „Das ist jetzt zum wiederholten Male passiert“, berichtet der OB verärgert über Corona- und Quarantänefälle, die vermeidbar wären. Um Fälle an Schulen und Kitas zu minimieren, denke man darüber nach, das Testzentrum künftig auch an Sonntagen zu öffnen, um zum Wochenstart eine gewisse Sicherheit zu bieten. „Schüler, Lehrer und andere Personengruppen, die viel mit Menschen zu tun haben, können auch mehrmals in der Woche kommen“, erzählt Christina Riedl. 

Wie genau sind die Schnelltests?

Wer das Testangebot wahrnimmt, bekommt das Ergebnis 30 Minuten später bequem nach Hause per E-Mail auf das Handy oder den Laptop geliefert. Ich bin noch in der Alten Kelter, als das Smartphone vibriert. Die Spannung steigt. Rein in die E-Mail-App, muss ich nun noch auf einen Link klicken. Der Internetbrowser öffnet sich, ein grün hinterlegtes Feld ist zu sehen: negativ. Symptome hatte ich zwar keine, trotzdem bin ich erleichtert. Wie genau sind die Tests? „Wir liegen bei etwa 97 Prozent“, antwortet Raphael Rojas vom DRK. Für die nächsten Stunden weiß ich also, dass ich das Virus mit einer ziemlichen Sicherheit nicht in mir trage. Ein gutes Gefühl. Dafür nehme ich das unangenehme Stäbchen in der Nase für wenige Sekunden gerne noch einmal in Kauf.

Mittwochabend, kurz vor 18 Uhr. Die Türen der Alten Kelter in der Paulinenstraße stehen offen, das Licht im Inneren erhellt den Parkplatz. Passanten schauen etwas verdutzt, fragen sich, weshalb der Ort für Theater, Konzerte und andere Veranstaltungen in Pandemiezeiten so belebt aussieht. Doch wer an diesem Mittwoch gezielt in die Kelter kommt, der weiß ganz genau, was hier los ist: Die Stadt hat ein neues Corona-Schnelltestzentrum eingerichtet. Wer sich testen lassen will, muss sich zuvor

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