Winnenden

Betrunken in Winnenden auf eine Verkehrsinsel geprallt und abgehauen?

Drunk Driving, Speeding, Being too Tired to Drive are Potential Concepts for This Image of Blurry Road at Night
Symbolbild. © fotolia/ Burbun Ilya

Es ist ein früher Morgen im Dezember 2021, kurz vor 3 Uhr, als ein Autofahrer mit seinem Pkw von der Stuttgarter Straße nach rechts auf die Stöckenhofer Straße in Hertmannsweiler abbiegt und wenig später die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert. Das Auto brettert über eine Verkehrsinsel, kommt schließlich halb auf dem Gehweg, halb auf der Gegenfahrbahn zum Stehen.

Die wenig später eintreffenden Polizeibeamten finden das beschädigte Fahrzeug. Es ist verschlossen. Keine Spur vom Fahrer. Über 20 Minuten später entdeckt eine weitere Polizeistreife 500 Meter entfernt einen betrunkenen Mann. Seine Personalien stimmen mit einem Namensschild im Fahrzeuginneren, das Polizisten mit Hilfe einer Taschenlampe durch das Seitenfenster entziffern können, überein. Die veranlasste Blutentnahme bei dem Mann ergibt einen Wert von 2,26 Promille. Doch dieser bestreitet, dass er den Pkw gelenkt hat.

Der Angeklagte lässt eine Stellungnahme seiner Rechtsanwältin verlesen

Vor dem Waiblinger Amtsgericht machte der 31 Jahre alte Winnender nur Angaben zu seiner Person. Die Frage von Richterin Basoglu-Waselzada, ob er ein Alkoholproblem hat, verneinte er. Weitere Aussagen überließ er seiner Rechtsanwältin. Diese verlas eine Stellungnahme.

Darin erklärte sie zunächst, dass ihr Mandant bei den Eltern wohnt. Das Auto, ein Firmenwagen, werde von der gesamten Familie genutzt. Jeder wisse, wo sich die Schlüssel befinden, hat Zugang zu diesen.

Stunden vor der besagten Unfallnacht habe ihr Mandant seine Corona-Impfung erhalten. „Ich habe mich in dieser Zeit oft mit meiner damaligen Freundin gestritten. An diesem Tag ist es zur Trennung gekommen“, verlas die Anwältin im Namen des Angeklagten. Also hat er begonnen, Alkohol zu trinken. Wie viel und was genau er konsumiert hat, das weiß er nicht mehr genau.

Spät in der Nacht will er dann einen Anruf bekommen haben, dass sein Auto in einen Unfall verwickelt gewesen ist. Wer angerufen hat, dazu machte er keine Angaben. Gegen 3 Uhr also geht der Mann laut seiner Anwältin zur Unfallstelle, unterwegs trifft er auf die Polizeistreife.

Zeuge hat einen Mann gesehen, der sich schnell vom Fahrzeug entfernt hat

Auch die geladenen Zeugen konnten nicht so richtig etwas dazu beitragen, ob diese Version tatsächlich der Wahrheit entspricht.

Der erste Zeuge hat einen Knall vernommen, sich dann auf seine Terrasse begeben und einen Mann um das Auto huschen sehen. Auf die Nachfrage, ob es ihm gut gehe, habe dieser ihm den Daumen entgegengestreckt. „Dann ist er schnell die Straße entlanggerannt“, so der Zeuge in gebrochenem Deutsch. Er hat dann die Polizei gerufen und das Kennzeichen durchgegeben. Zudem glaubte er, sich zu erinnern, dass der Fahrer eine schwarze Jacke getragen hat.

Daraufhin wollte die Anwältin des Angeklagten wissen, weshalb er das nicht unmittelbar der Polizei gesagt hat. „Sie haben mich nur nach dem Gesicht des Mannes gefragt, nicht nach der Kleidung“, so der Zeuge. Das Aussehen oder die Statur des Unfallfahrers konnte er vor Gericht nicht näher beschreiben. „Es war zu dunkel“, sagte er. So erging es auch einem weiteren Anwohner.

Die Aussagen der Zeugen deckten sich weitestgehend, brachten das Verfahren jedoch nicht entscheidend weiter.

Zu guter Letzt schilderte noch eine damals eingesetzte Polizeibeamtin ihre Beobachtungen. „Erfahrungsgemäß ist es so, dass es vor allem betrunkene Fahrer sind, die nach einem Unfall abhauen“, erklärte sie vor Gericht.

Auch die Spuren vor Ort würden für eine Fahrt im Alkoholrausch sprechen, gibt es doch einige Hinweise auf einen Kontrollverlust über das Fahrzeug, was ebenfalls typisch für betrunkene Autolenker sei. „Dieser Theorie möchte ich widersprechen. Ein Gutachter hat festgestellt, dass beim ersten Kontakt mit dem Bordstein die Achse gebrochen ist“, erklärte die Rechtsanwältin des Mannes auf der Anklagebank. Daher wohl auch der Kontrollverlust, ein Hinweis auf einen betrunkenen Fahrer sei dies keinesfalls.

Die Beamtin jedenfalls erklärte darüber hinaus, dass sie vor Ort kaum Kontakt zum Angeklagten hatte. „Das haben die Kollegen der anderen Streife erledigt. Wir sind direkt zum Unfallort“, sagte sie vor Gericht. Man habe die Kleidung des Mannes fotografiert. An der Hose seien Dreckspuren zu erkennen gewesen. „Aussteigen konnte man aus dem Auto nicht, ohne einen Grünstreifen zu passieren. Die Spuren können von dort stammen.“ Die Anwältin wiederum konterte, weshalb dann keine Fotos der Schuhe gemacht worden seien. „Für mich heißt das, dass diese nicht auffällig waren.“

Richterin und Staatsanwältin zweifeln an der Version des Angeklagten

Sowohl die Staatsanwältin als auch die Richterin erklärten, dass sie die Version des Angeklagten anzweifeln. „Wenn ich mitten in der Nacht erfahre, dass mein Auto in einen Unfall verwickelt sein soll, dann rufe ich die Polizei und gehe nicht selbst zum Unfallort“, meinte die Staatsanwältin. Außerdem spreche es nicht für den Angeklagten, dass er sich nicht weiter zu der Nacht äußern möchte, ebenso die Spurenlage, was seine Hose betreffe.

Richterin Basoglu-Waselzada machte den Vorschlag, einen neuen Verhandlungstermin festzulegen. „Dann laden wir auch die Polizeibeamten, die den Mann aufgegriffen haben, als Zeugen vor.“ Die Staatsanwältin stimmte zu.

Da die Beteiligten in nächster Zeit jedoch im Urlaub weilen, wird es bis zur Fortsetzung dauern. Der Fall muss dann neu verhandelt werden.

Es ist ein früher Morgen im Dezember 2021, kurz vor 3 Uhr, als ein Autofahrer mit seinem Pkw von der Stuttgarter Straße nach rechts auf die Stöckenhofer Straße in Hertmannsweiler abbiegt und wenig später die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert. Das Auto brettert über eine Verkehrsinsel, kommt schließlich halb auf dem Gehweg, halb auf der Gegenfahrbahn zum Stehen.

Die wenig später eintreffenden Polizeibeamten finden das beschädigte Fahrzeug. Es ist verschlossen. Keine Spur vom

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