Winnenden

Bilanz: Die erste Amtszeit von OB Hartmut Holzwarth

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Einer der Höhepunkte in Holzwarths erster Winnender Wahlperiode: Die Eröffnung der Alfred-Kärcher-Sporthalle 2012. © Bernhardt / ZVW; Montage Mogck /
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OB Holzwarth bei der Eröffnung der Alfred-Kärcher-Sporthalle.
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Enttäuscht: Eltern der Boehringer-Schule. © Gabriel Habermann
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Schwierig: Gartenhäuslesverbote in den Stückle.
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Die gehfreundliche Fußgängerzone in Winnenden.
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Das Mahnmal für den Winnender Amoklauf im Stadtgarten Winnenden.
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OB Holzwarth beim Fassanstich am 16.07.2010.
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Abgesichert durch die Stadtwerke: Das Wunnebad. © Gabriel Habermann

Winnenden.
Einen überragend guten Start in die Amtszeit hatte Hartmut Holzwarth vor fast acht Jahren: 72,9 Prozent der Stimmen bekam er am 31. Januar 2010. 7121 Wähler wählten ihn und setzten große Erwartungen in Holzwarth. Wochenlang dominierten zwei Themen in der Stadt: Dieser Kandidat war einer, der wirklich zuhört und sich auch merkt, was er gehört hat. Und: Er war derjenige, der die dritte Sporthalle mit dem größten Schwung anging.

Im zweiten Amtsjahr Alfred-Kärcher-Sporthalle eröffnet

Die Sporthalle wurde das Meisterstück des Oberbürgermeisters Holzwarth, obwohl er gar nicht so viel zu tun hatte für sie, denn die Architektenentwürfe lagen schon vor, der Bauplatz stand fest, die Vorleistungen seines Amtsvorgängers waren groß. Nur sollte er das größte aller Hindernisse überwinden müssen: die Finanzhürde. Holzwarth hatte im Wahlkampf schon erkannt, dass Winnendens Finanzen besser würden, als es im Haushaltsplan stand. Es kam so. Bald beschloss der Gemeinderat - beflügelt von des Oberbürgermeisters Zuversicht - den Bau, und schon in seinem zweiten Amtsjahr stand Hartmut Holzwarth am Rednerpult bei der Eröffnung der Alfred-Kärcher-Sporthalle:

Von da an hatte man das Gefühl: Der kann’s. Und: Da geht noch mehr.

Rückzug beim Thema Robert-Boehringer Schule

Schon im Wahlkampf im Januar 2010 hatte Holzwarth auf Nachfrage unserer Zeitung über den Raumbedarf der Robert-Boehringer-Schule und der Albertville-Schule gesprochen. Er nannte sie genauso wichtig wie die Alfred-Kärcher-Sporthalle. Die Albertville-Schule wurde sehr schön umgebaut. Und für die Robert-Boehringer-Schule begannen Kostenschätzungen, ein Architekten-Wettbewerb wurde ausgelobt. Manchmal blieb Beobachtern die Spucke weg, wenn sie die Millionenbeträge hörten, die zu finanzieren wären. Aber die dritte Sporthalle war geschafft – dann muss doch eine schöne, neue Gemeinschaftsschule auch noch möglich sein. Die Pläne wurden extrem schön, und das Schulgebäude unsagbar teuer. Holzwarth musste eingestehen, dass dieser Schulbau nicht zu finanzieren ist. Zusammen mit dem Gemeinderat trat er den geordneten Rückzug an. Es waren schwierige Monate in einer insgesamt erfolgreichen Amtszeit. Oberbürgermeister, Bürgermeister und Gemeinderäte haben Hoffnungen enttäuscht, haben eine Schule, die gerade besonders schön am Aufblühen war, abgegeben an die Nachbarn. Das war nicht das, was Eltern und Lehrer von dem an sich ganz sympathischen Oberbürgermeister erwarteten. Ein Konflikt von großer Härte war ausgebrochen.

Hat Holzwarth in jenen Monaten seine Fähigkeit des Zuhörens verloren? Die direkt Betroffenen werden es so sehen. Beobachten konnte man, dass Holzwarth genau hinhörte, allerdings nicht nur bei den Betroffenen, sondern in der ganzen Stadt und bei den Gemeinderäten. Stunden und Tage verbrachte er mit Diskussionen. Als das Bürgerbegehren für den Bau der Schule aufkam, begleitete er es, ließ ihm seinen Lauf, bis sich herausstellte, dass das Begehren rechtlich nicht zulässig ist. Zaudern und Zögern waren nie seine Art. Holzwarth setzte den Schulbus nach Schwaikheim in Gang. Wenn eine Entscheidung steht, dann schaut er, dass sie zügig umgesetzt wird.

Zwei Kinderhäuser und ein Feuerwehrhaus sind entstanden

Das war beim Kinderhaus Schafweide so, beim Kinderhaus Seewasen und beim Feuerwehrhaus am Zipfelbach. Das sind alles Projekte, die in Holzwarths Amtszeit zustande kamen, die er vorwärtsbrachte, und die gut und schön geworden sind. Vereinzelt hört man Einwände, dass sie auch teuer geraten seien – alle drei. Auch solche Stimmen nimmt der gute Zuhörer wahr und macht am Ende doch das, was eine Mehrheit möchte.

Gartenhäuslegeschichten: Holzwarth hat seine Meinung geändert

„Ja, freilich hört er gut zu. Da kann man ihm nichts vorwerfen. Aber nachher tut er doch nicht das, was man ihm sagt“, behauptet ein Winnender beim Gespräch am Mittagstisch in der Markthalle. Man schaue sich nur mal die dass größere Wassertanks, wenn sie begrünt sind, irgendwie auch noch zulässig sind.

Tatsächlich ist er von seinen ersten Ansagen abgewichen, hat zugehört, eingelenkt, und dennoch hat er die große Linie beibehalten, weil er auch den Naturfreunden, Spaziergängern und Landschaftsschützern zuhört.

Gehfreundliche Fußgängerzone ist Beispiel fürs Zuhören

Ein großes, wunderschönes Beispiel fürs Zuhören ist die gehfreundliche Fußgängerzone. Er hatte von der über 90-jährigen Ursula Kwapill gehört, wie dringend alte Menschen sich eine rollatorfreundliche Fußgängerspur in dem Holperpflaster wünschen. Diesen Gedanken verfolgte er weiter, gegen alle Bedenken, gegen Kostenprophezeiungen und Befürchtungen vor einer komplizierten Baustelle. Beschlossen wurde zunächst eine Asphaltspur, mit der Betroffene einverstanden waren. Dann kamen Leute, die ans Stadtbild dachten, und schlugen ein rotbraun-meliertes Betonpflaster vor. Holzwarth hörte zu, brachte das Thema erneut aufs Tapet – die Baustelle kam und wurde kompliziert – aber sie war eine der schönsten, die die Stadt je hatte. Und heute freuen sich alle über den Belag.

Nach dem Amoklauf wichtige Stätte der gemeinsamen Erinnerung gefunden

Holzwarth, der Zuhörer, hat früh verstanden, wie das Memorial vorbereitet, hat in die Entscheidung nicht nur Volkes Stimme, sondern auch renommierte Kunstfachleute eingebunden, einen bundesweiten Wettbewerb ausgeschrieben und schließlich zu einem einmaligen, allgemein akzeptierten Memorial gefunden. Es ist, auch wenn es keine Millionen-Investition ist, eine für viele Jahrzehnte wichtige Stätte der gemeinsamen Erinnerung.

Ewiger Streit um Nussfigur am Marktbrunnen

Wie schwierig der Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum ist, zeigte sich bei der Marktbrunnenfigur. Es war eine elendige Streiterei, bis die Nussfigur einer liebevollen Umarmung letztendlich doch noch denkmalgerecht auf dem Brunnen stand.

Ein geselliger Oberbürgermeister

In froher Erinnerung blieb dafür das Mädlesfest, das an die Stadtgründung vor 800 Jahren erinnerte, und bei dem die halbe Stadt aktiv beteiligt war, Kostüme schneiderte, Spiele mitmachte oder musizierte. Holzwarth hatte es 2012 dank vieler Helfer geschafft, mit der 800-Jahr-Feier eine zupackende, selbstbewusste Stimmung zu verbreiten.

Überhaupt wurde die Stadt festfreudiger in diesen acht Jahren: Tausende genossen die Citytreff kam plötzlich wieder bei den alteingesessenen Winnendern gut an. Es ist nicht wichtig, wie viele Hammerschläge ein Oberbürgermeister braucht, um das Fass anzustechen, aber es ist entscheidend, dass er Gemeinschaft durch Geselligkeit anstiftet beim Fest. Das kann er.

Neue Stadtwerke aufgebaut

Die Verwaltungsarbeit, die Umgestaltung von Strukturen, beherrscht er auch. Zusammen mit dem Gemeinderat und der Stadtverwaltung baute er neue Stadtwerke auf, die außer Wasser jetzt auch Strom, Gas und Fernwärme verkaufen. Das hat etwas mit Umwelt zu tun, mit ressourcenschonenden Energieprojekten, und mit der wichtigsten Winnender Wonne, dem Wunnebad.

Der Spaß im Bad kostet so viel, dass er kaum zu halten wäre, gäbe es nicht die Gewinne aus den Stadtwerken, die zu einem Teil ins Wunnebad geschüttet werden. Jetzt kann jeder bei den Stadtwerken seinen Strom kaufen und weiß dann, dass er nebenbei etwas fürs Wunnebad tut.

Atomausstieg und Flüchtlinge: Auf gleichem Kurs wie Merkel

Zweimal in Holzwarths erster Amtszeit stellte die Bundespolitik Anforderungen an den Winnender Oberbürgermeister: beim Atomausstieg und als die Flüchtlinge kamen. Beide Male war Hartmut Holzwarth eindeutig auf dem gleichen Kurs wie Angela Merkel. Beim Atomausstieg drängte er – wenn auch letztlich erfolglos – auf Windkraftstandorte im Winnender Gebiet. Als Waiblingen auf der Buocher Höhe Windräder vorsah, plädierte er für deren Duldung. Als die Flüchtlinge kamen im Jahr 2015, nahm Holzwarth die Aufgabe an, redete, überzeugte, handelte und erlebte und förderte, dass aus der Bevölkerung viele Ehrenamtliche den Flüchtlingen einen freundlichen Empfang bereiteten und sie heute weiterhin freundschaftlich betreuen.

Kritik an Flüchtlingsaufnahme aufgenommen

Holzwarth, mit dem Ohr beim Volk, hörte auch Kritik an der Flüchtlingsaufnahme. Er nahm die Kritik auf, setzte ihr seine eigene Meinung entgegen und bestand immer darauf, dass die Gebote der Menschlichkeit gelten. Bald überzeugte er Franka Zanek, eine seiner besten Kräfte in der Verwaltung, dass sie die Integrationsarbeit übernehmen soll. Dass Zanek jetzt die gleiche Arbeit im größeren Schwäbisch Gmünd übernommen hat, beweist nur, dass er die Richtige für eine der größten neuen Aufgaben seiner Amtszeit ausgewählt hatte.

Winnenden nach acht Jahren Holzwarth ganz kraftvoll

Die Bilanz von Holzwarths acht Jahren besteht aus gebauten Projekten wie der Sporthalle, der Kinderhäuser oder der nicht gebauten Boehringer-Schule, aber auch aus weichen Faktoren, aus einer von ihm mitgestalteten Atmosphäre in der Stadt. In diesem Sinne steht Winnenden nach fast acht Jahren OB Holzwarth ganz kraftvoll da.

Aber keine Realität, auch nicht die Winnender Wirklichkeit, ist restlos rosig. Deshalb werden wir von der Winnender Zeitung in diesen Wochen vor der Wahl einige Konfliktthemen aus Holzwarths Amtsperiode aufgreifen und in mehreren Folgen unseres Wahl-Checks fragen: Wie geht es Winnendern?