Winnenden

Björn-Steiger-Stiftung landet China-Coup

1/2
c57512e5-e5ec-46e8-bd3d-f5bef16b1ca2.jpg_0
Pierre-Enric Steiger (rechts) bei der Unterzeichnung einer von vielen Kooperationserklärungen (wahrscheinlich im Jahr 2013). An diesem Montag, 13. Juni 2016, sollen in Peking bindende Rahmenvereinbarungen unterschrieben werden. © ZVW
2/2
e6841b0d-c83c-4926-88ac-495ebf5eb6fc.jpg_1
So könnten die Rettungshubschrauber aussehen – mit deutsch-chinesischem Logo der Winnender Björn-Steiger-Stiftung –, die bald in der südchinesischen Stadt Jieyang zum Einsatz kommen. © ZVW

Winnenden.
Spöttische Ungläubigkeit weicht anerkennendem Staunen: Die Winnender Björn-Steiger-Stiftung wird mit dem Aufbau eines Notfallrettungs-Systems in China beginnen. Endlich. Freilich mit vielen Projektpartnern. Beim Besuch der Merkel’schen Wirtschaftsdelegation an diesem Montag, 13. Juni 2016, soll eine entsprechende Rahmenvereinbarung unterschrieben werden.

„Ich hätte zum Schluss auch fast nicht mehr an eine Umsetzung geglaubt. Aber steter Tropfen höhlt den Stein“, sagte Pierre-Enric Steiger. Unzählige Verhandlungsrunden mit unzähligen unterschiedlichen Gesprächspartnern auf chinesischer Seite liegen hinter ihm. Der Präsident der Winnender Björn-Steiger-Stifung (BSS) zeigte dennoch Selbsthumor: „Wahrscheinlich waren die Chinesen schon von mir genervt. Der Steiger, der ist zu hartnäckig, den kriegen wir nicht von der Backe.“ Viele berghohe Hürden waren zu nehmen, um endlich zu der Rahmenvereinbarung zu kommen.

„Wir beginnen mit einer Pilotregion, der Stadt Jieyang in der Provinz Guangdong“, sagte Pierre-Enric Steiger. Das Projekt soll stufenweise bis 2018 in den Vollbetrieb gehen, erst in Jieyang mit 7,5 Millionen Einwohnern, bezirksweise, und dann nach und nach auch das Umland und insgesamt ein Drittel der südchinesischen Provinz Guangdong mit 30 Millionen Einwohnern bedienen. „Und wenn wir erfolgreich sind, und wir werden erfolgreich sein, dann wird das System stufenweise auf andere Regionen ausgeweitet.“ Eine landesweite Implementierung sei das letztliche Ziel.

Die Gesamt-Projektkoordination zwischen den einzelnen Partnern und die vertragsrechtlichen Flankierungen betreibt im Auftrag der BSS das Beratungsunternehmen KPMG. „Unser Ziel ist es aber, die KPMG nach und nach darin abzulösen und die gesamte Verantwortung auf die Stiftung zu übertragen“, sagte Pierre-Enric Steiger. Mit 150 Mitarbeitern der Stiftung sei dies jedoch nicht zu stemmen, deshalb werde man massiv Personal aufstocken. 1800 Mitarbeiter sind anvisiert. „Im Oktober wollen wir uns noch mal mit der Stadt Winnenden zusammensetzen und Möglichkeiten diskutieren.“ Dies bestätigte auch Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth.

Pierre-Enric Steiger hatte zunächst das ehemalige Areal der „Seifenfabrik Wöhrle“ als Standort im Auge. Die Idee musste jäh verworfen werden, weil Projektbau Pfleiderer mit der Stadt längst übereingekommen ist, dort eine Wohnbebauung vorzunehmen und einen Einkaufsmarkt anzusiedeln. „Infrastrukturell wäre das sowieso nicht günstig für einen großen Bürokomplex für 1800 Mitarbeiter. Das Gelände liegt quasi hinter der Stadt. Der Verkehr würde dann durch Wohngebiete fließen“, sagte Holzwarth. „Wir werden mit Herrn Steiger aber sicherlich eine Lösung finden für Grundstücke entlang der B 14.“

Derweil spukt in Winnenden das „Schreckgespenst“ von der Ansiedlung der 1800 neuen Arbeitsplätze der BSS in Berlin herum, „weil man dort näher an der Regierung dran ist“, wird gemunkelt.

Über alle Hintergründe des Megaprojekts inklusive der finanziellen Größenordnungen, die Projektpartner und über die Fallstricke des chinesischen Gesundheitssystems lesen Sie am Sonntagabend in unserer digitalen Abendzeitung oder am Montag in unseren Printausgaben.