Winnenden

Bleibt der Körnle-Kindergarten?

Kinder
In den Wohnungen am Waldfriedhof sind Familien mit 30 Kindern im Vorschulalter eingezogen. © Palmizi / ZVW

Familien im Schelmenholz schätzen ihre vier Kindergärten im Quartier sehr, die rund 170 vorhandenen Plätze sind quasi immer belegt. „Jeder bekommt einen Platz, aber nicht immer im Wunschkindergarten“, sagt Thomas Pfeifer, Leiter des Amts für Familien im Rathaus. Weil im Schelmenholz aber viele neue Wohnungen entstanden sind und noch entstehen, soll das alte Kinderhaus Körnle geöffnet bleiben.

Schon im Oktober teilte Thomas Pfeifer dem Gemeinderat mit, dass bald 25 Plätze, eine normale Kindergartengruppe, im Schelmenholz fehlen. Der Gemeinderat bat Pfeifer deshalb, zunächst bei der evangelischen Kirchengemeinde anzufragen, ob sie eine dritte Kindergartengruppe im Christophorushaus, ihrem Gemeindehaus, einrichten könne. Die Antwort liegt dem Familienamtsleiter nun vor: Nein. Die Räume seien nicht geeignet, um eine weitere Gruppe dort dauerhaft unterzubringen.

Thomas Pfeifer muss sich eine andere Lösung ausdenken

Nun musste sich Thomas Pfeifer eine andere Lösung ausdenken, die er am Dienstag, 13. Dezember, dem Gemeinderat zur Abstimmung vorlegt. „Das Kinderhaus Körnle wird nicht – wie 2015 beschlossen – am Ende des Kindergartenjahres im August 2017 geschlossen, sondern weiterbetrieben.“ Als beschlossen wurde, den Bau von 1971 aufzugeben, ging die Stadt von sinkenden Kinderzahlen aus.

Die beiden Ganztagsgruppen, in denen 40 bis 45 Kinder bis zu zwölf Stunden betreut werden, sollen im Sommer ins neue Kinderhaus Seewasen umziehen. Für ihre Bedürfnisse (Mittagessen, Schlafplätze) waren die Räume ohnehin nicht länger geeignet. „Für eine normale Kindergartengruppe mit verlängerten Öffnungszeiten und 25 Kindern und entsprechend weniger Personal würden das Gebäude und seine Ausstattung aber ausreichen“, so Pfeifer.

Personalmehrkosten in Höhe von 37 000 Euro

Stimmt also der Gemeinderat dem Weiterbetrieb zu, muss er mit Personalmehrkosten in Höhe von 37 000 Euro fürs zweite Halbjahr 2017 rechnen und akzeptieren, dass kein Geld durch den Bauplatzverkauf in die Stadtkasse kommt, gerechnet wurde mit etwa einer Million Euro. „Wie lange dann das Kinderhaus Körnle in Betrieb bleibt, ist offen“, so Pfeifer.

Vorteil eines positiven Beschlusses zum Weiterbetrieb ist: Ab September 2017 kann die Stadt den Bedarf an Kindergartenplätzen im Schelmenholz decken. Wobei ein wichtiger Punkt noch fehlt: „In Hanweiler sind derzeit etliche Kindergartenplätze frei, die auch Kindern aus dem Schelmenholz angeboten werden, wenn der Wunschkindergarten belegt ist. Die Bereitschaft, die Kinder dort anzumelden, ist allerdings gering“, sagt Thomas Pfeifer auf Nachfrage.

Schwer zu sagen, ob der Bedarf bei der Kleinkindbetreuung steigt

Was die Betreuung der Kinder zwischen einem und drei Jahren angeht (inzwischen besteht ja ein gesetzlicher Anspruch auf einen Platz), ist der Bedarf für Thomas Pfeifer schwer einzuschätzen. 30 sogenannte Krippenplätze befinden sich im Schelmenholz derzeit. „Hier ist durchaus möglich, dass auf Kinderkrippen (oder Tagesmütter und -väter) in der Kernstadt oder den Stadtteilen verwiesen wird, oder dass gegebenenfalls auch Wartezeiten entstehen.“

Übergangsgruppe

Am Waldfriedhof sind in der neuen Flüchtlingsunterkunft Ende November Familien eingezogen. Sie haben mehr als 30 Kinder im Vorschulalter, etwa 15 sind unter drei Jahre alt und könnten ab einem Jahr in einer sogenannten Krippe betreut werden. Weitere 15 sind im Kindergartenalter zwischen drei und sechs Jahren.

Bis Kindergartenplätze geschaffen sind, wollen Stadt und Paulinenpflege an fünf Tagen die Woche Kinder bis zu zwei Stunden in den Räumen am Waldfriedhof betreuen, eventuell mit einer Erzieherin und Ehrenamtlichen, vielleicht auch Eltern aus der Unterkunft. „Wir sammeln schon Spielzeug“, sagt der Sozialarbeiter.