Winnenden

Brandstiftungen im Hofweg: 49-Jähriger vor Gericht

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Unter anderem wegen dieses Brandes am 9. April im Hofweg in Hertmannsweiler muss sich jetzt ein 49-Jähriger vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. © Benjamin Beytekin

Winnenden/Stuttgart. Ein 49-Jähriger aus Polen muss sich seit Montag vor dem Landgericht Stuttgart verantworten, weil er mehrfach vor allem in Hertmannsweiler Feuer gelegt haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann versuchte schwere Brandstiftung und Sachbeschädigung vor. In dem Haus, in dessen unmittelbarer Nähe es öfter brannte, arbeitete die Ex-Frau des Angeklagten.

Der Mann sitzt seit Ende April dieses Jahres in Haft. Vor der 17. Großen Strafkammer am Stuttgarter Landgericht begann sein Prozess am Montagvormittag. Es wurde lediglich die Anklageschrift verlesen; weitere fünf Termine sind für diese Verhandlung bereits anberaumt.

Zu den Personalien des Mannes hieß es, er sei polnischer Staatsangehöriger, von Beruf Spinner (also Textilfadenerzeuger) und geschieden. Eine Dolmetscherin stand dem schmächtigen, grauhaarigen, unauffällig wirkenden Mann zur Seite.

Feuer hätte auch aufs Haus übergreifen können

Sieben Brandlegungen wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor. Meistens soll der Mann im Hofweg in Hertmannsweiler zugange gewesen sein. Dort soll er auf verschiedene Art und Weise Feuer sehr nahe an einem Mehrfamilienhaus gelegt haben, in welchem seine geschiedene Ehefrau als Pflegerin gearbeitet und zeitweise auch gewohnt habe. Die Frau habe sich dort um einen Mann gekümmert, der im Rollstuhl sitzt. Der Beschuldigte hat laut Anklage mehr als einmal „billigend in Kauf genommen“, wie das bei Juristen heißt, dass Feuer aufs Haus übergreift – und dort wohnten Menschen.

Auto aus- und Papiermülltonnen komplett abgebrannt

Hin und wieder erloschen die Brände von selbst – aber nicht immer. Am 9. April beispielsweise, einem Montag, mutmaßlich Papiermülltonnen in Brand, wieder im Hofweg in Hertmannsweiler. Ein Hausbewohner griff beherzt zum Gartenschlauch, weshalb das Feuer nicht aufs Haus übergriff. Die Mülltonnen brannten komplett ab.

Ende Oktober 2017 fing es an

Ein Nachbar eilte herbei, als am Abend des 2. April vermutlich Kartonagen angezündet worden waren. Das Feuer griff auf Palisaden über; es entstand Sachschaden. Ein im Vergleich zu den anderen Fällen relativ geringer Sachschaden entstand beim ersten Vorfall, den die Staatsanwaltschaft dem Polen anlastet: Am 27. Oktober vergangenen Jahres soll er am Abend versucht haben, die das Auto des Rollstuhlfahrers, den seine Ex-Frau pflegte, anzuzünden. Das Feuer erlosch von selbst; dennoch entstand am Wagen ein Schaden in Höhe von 10 000 Euro. 

Angeklagter soll Ex-Frau bedroht haben

Mit Hilfe eines Grillanzünders habe der 49-Jährige am 20. April versucht, wieder einen Wagen im Hofweg anzuzünden, diesmal einen Smart. Das Vorhaben misslang.

Drei Tage später soll sich der Mann dann einer Bedrohung schuldig gemacht haben: Er habe zu seiner Ex-Frau gesagt, er werde sie umbringen; eine weitere Frau sei ebenfalls bedroht worden.

Der Prozess gegen den 49-Jährigen wird am Montag, 15. Oktober, vor dem Stuttgarter Landgericht fortgesetzt.


Die Brände im Hofweg

Ende Oktober fing es an: Eine Holzrampe, die einem Rollstuhfahrer den selbsttätigen Zugang zum Haus ermöglicht, hatte einen Brandschaden. Die Polizei fand nachträglich einen Brandbeschleuniger und vermutet deshalb Brandstiftung.

Ende März hatte an derselben Stelle ein Ford-Transit einen Brandschaden. Das Feuer ging damals von alleine aus. Der Schaden wurde zunächst auf 2000 Euro geschätzt, aber die Autowerkstatt berechnete dann 9000 Euro für die Reparatur.

In der Nacht nach Ostermontag brannte ein Holzzaun in der Ecke des Hofwegs. So ein Zaun brennt auch nicht von alleine. Das Feuer muss jemand gelegt haben.

Am vergangenen 7. April brannte eine Papiertonne, und da ist die Polizei sicher, dass die sich nicht von alleine entzündet.

Einen erheblichen Schaden verursachte der Brand am 9. April: 25 000 Euro. Ein Bewohner des Hauses bei den Brandstellen vermutet, dass die gelegten Brände ihm gelten. Die Polizei ermittelt und will zuerst herausfinden, ob es auch für den Brand vom Montag Anzeichen für Brandstiftung gibt.

Am 21.04. hat der Brandstifter erneut einen Pkw angezündet.