Winnenden

Bußgeld-Ärger in Winnenden: Warum ein Anwohner hier 55 Euro bezahlen musste

Gehweg Parkbucht
Der quer verlegte Randstein hinter dem schwarzen Auto zeigt an, wo der Parkplatz aufhört ... fürs Parken auf dem Streifen dahinter bekommt man einen 55-Euro-Strafzettel. © Lukas Stiegler

Ein Anwohner im Adelsbach kommt mittags nach Hause, stellt sein Auto auf einem Streifen neben dem Gehweg ab, vor und hinter ihm parken auf gleicher Höhe andere Autos. Doch eines Tages Ende November findet er nach dem Mittagessen einen roten Zettel an der Windschutzscheibe: Er habe auf dem Gehweg geparkt. Lukas Stiegler versteht die Winnender Ordnungswelt nicht mehr. Was soll das nur?

Der Strafzettel ist jetzt schon eine Weile her, lag Anfang Dezember im Briefkasten und ist längst bezahlt. „Ist ein Geschäftswagen“, zuckt Lukas Stiegler, Bewohner der Hungerbergstraße, die Schultern, da wollte er nicht lang rummachen von wegen Anhörung und Einspruch und so.

Lukas Stiegler fragt: Ist die Höhe des Bußgelds wirklich gerechtfertigt?

Die Sache aber lässt seinem Gerechtigkeitsgefühl keine Ruhe, er hat sich deshalb schon mit dem Bauamt der Stadt in Verbindung gesetzt und sich kürzlich mit unserer Zeitung vor Ort getroffen. „Hier habe ich geparkt und weder eine Einfahrt zugestellt noch eine Feuergasse noch Fußgänger auf dem Gehweg behindert“, zeigt er auf den mit hellen Betonsteinen gepflasterten Streifen zwischen der Kita-Baustelle und dem BGW-Wohnhaus, gegenüber der Pflegeheimbaustelle. Rein optisch unterscheidet sich der Bereich kaum von den mit quer verlegten Randsteinen abgeteilten Parkzonen. Schilder, die den feinen Unterschied erklären, gibt es nicht.

„Es wäre nett gewesen, wenn der Gemeindevollzugsdienst erst einmal mit einer kostenlosen Verwarnung auf die beginnenden Kontrollen hingewiesen hätte.“ Über die Höhe des Strafzettels wundert sich Lukas Stiegler außerdem: „55 Euro für Parken auf dem Gehweg. Hätte ich eine Zufahrt (eines noch nicht errichteten Gebäudes) blockiert, hätte es nur zehn Euro kosten dürfen laut Bußgeldkatalog.“

Pressesprecherin: Die Kontrollen waren angekündigt

Die Stadtpressesprecherin Franziska Götz hat zu dem Fall Rücksprache mit dem Ordnungsamt gehalten. Sie räumt ein, dass hier kein Halteverbot herrscht und das Auto Stieglers niemanden blockiert hat. Dennoch sei der 55-Euro-Strafzettel gerechtfertigt: „Nach dem vorgegebenen Regelsatz wurde wegen Parkens auf dem Gehweg ohne Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer verwarnt.“

Woran aber hätte der Anwohner erkennen können, dass das keine Parkbucht ist? „Die vorhandenen Parkbuchten sind durch entsprechende Pflasterung vom Gehweg optisch abgesetzt. Die Stelle, an welcher der Betroffene geparkt hat, ist dadurch klar als Teilfläche des Gehwegs erkennbar. Nach der geltenden Rechtslage ist das Parken auf dem Gehweg nicht erlaubt“, schreibt Götz.

Lustiger Hinweis: Bitte parken Sie in der Markthaus-Tiefgarage

Auch sei der Beginn der Kontrollen angekündigt worden, schreibt Franziska Götz unserer Redaktion: „In neuen Verkehrsbereichen oder dort, wo sich Verkehrsregelungen kürzlich geändert haben, werden vorübergehend gebührenfreie Verwarnungen erteilt. Als Hinweis, um die Verkehrsteilnehmenden auf die geltenden Regelungen aufmerksam zu machen. So wurde es auch anfänglich im Wohngebiet Adelsbach praktiziert.“ Offenbar hat die Vorwarnung Lukas Stiegler nicht erreicht. Stattdessen prangte der Ernstfall an seiner Windschutzscheibe – über den Text auf dem Zettel musste er dennoch lachen: „Als Alternative schlägt mir die Stadt vor, dass ich mein Auto in die Markthaus-Tiefgarage stelle.“

Statt 500 Meter Fußmarsch, denkt Lukas Stiegler laut nach, könnte die Stadt doch zumindest so lange ein Auge zudrücken, wie etliche Handwerkerfahrzeuge die Stellplätze für die Anwohner und ihre Besucher blockieren? Stimmt schon: Die Kindertagesstätte und das Pflegeheim werden gleichzeitig in der Hungerbergstraße gebaut. „Als Anwohner bekommt man tagsüber fast nie einen Stellplatz.“ Er und seine Frau haben sich im Mehrfamilienhaus zwar einen Tiefgaragenplatz kaufen können. Mehr gab es aber nicht, und teuer war er mit 20.000 Euro obendrein. Da die beiden zwei Autos haben, muss eines immer im Gebiet parken. Das eigentlich groß genug ist: Solche breiten „Gehwegstreifen“ wie der im Foto gezeigte gibt es in kurzer und langer Ausführung zuhauf im Adelsbach.

Ein Anwohner im Adelsbach kommt mittags nach Hause, stellt sein Auto auf einem Streifen neben dem Gehweg ab, vor und hinter ihm parken auf gleicher Höhe andere Autos. Doch eines Tages Ende November findet er nach dem Mittagessen einen roten Zettel an der Windschutzscheibe: Er habe auf dem Gehweg geparkt. Lukas Stiegler versteht die Winnender Ordnungswelt nicht mehr. Was soll das nur?

Der Strafzettel ist jetzt schon eine Weile her, lag Anfang Dezember im Briefkasten und ist längst

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