Winnenden

Bumerangwerfer trotzen dem Wind

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Fridolin Frost ist amtierender Europameister im Bumerangwerfen und kommt aus Bremen. © Ralph Steinemann Pressefoto
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Jaro Patzwahl reiste extra aus Itzehoe an © Ralph Steinemann Pressefoto

Winnenden. Trotz Wind und Wetter fanden am Samstag und Sonntag in Winnenden die 40. deutschen Bumerangmeisterschaften im Herbert-Winter-Stadion statt. Der VfR Birkmannsweiler erwies sich dabei einmal mehr als perfekter Gastgeber für die Teilnehmer, die aus der ganzen Republik anreisten.

Sie seien vor 32 Jahren zum letzten Mal in Winnenden angetreten, erinnerten sich Bruno Müller aus Speyer und Michael Siems aus Heidelberg, und bereits damals habe sich die Stadt als perfekter Austragungsort und Gastgeber erwiesen. Das sei auch an diesem Wochenende nicht anders, Wetter hin, Wetter her. Was das Besondere an dem Sport ausmache? Bei den Teilnehmern handle es sich um eine offene Gruppe, die sich gemeinsam an der Faszination des Bumerangwerfens begeistere, waren sich Müller und Siems einig. Es gehe ja nicht nur ums Werfen, mit jedem Bumerang, den man baue, und jedem Wurf, den man ausführe, stehe man aufs Neue vor der Herausforderung, sich an die Grenzen der Physik heranzutasten.

„In der Halle wäre es ausgesprochen langweilig“

Axel Heckner aus Gießen wiederum verglich seinen Sport mit den Herausforderungen eines Leichtathleten: „Anders als bei den Ballsportarten geht es nicht darum, im Gegenüber einen Gegner zu sehen und den Ball wegzunehmen. Jeder Teilnehmer erbringt für sich seine Leistung, wirft und fängt, geht an seine Grenzen. Du kannst mit ihm mitfiebern, dich an seiner Geschicklichkeit freuen und ihm sogar Tipps und Ratschläge zurufen, wie er seinen Wurf ansetzt und gegen Wind und Wetter ankämpft, wie an einem solchen Tag.“ Wind sei der große Feind des Bumerangwerfens, vor allem wenn er unregelmäßig bläst, erklärte er, es sei ungefähr so wie Tischtennisspielen bei Wind. „Allerdings“, schob er nach, „in der Halle ausgetragen wäre unser Sport auch nicht fesselnd, das wäre ausgesprochen langweilig!“

Wurfobjekte aus Holz, Kunststoff und Kohlefaser

Um gegen alle Widrigkeiten gewappnet zu sein, hatte Bruno Müller einen Koffer gefüllt mit über einem halben Hundert Wurfgeräten aus Speyer mitgebracht. „Aber das ist jedes Mal so, du reist mit deinem ganzen Bestand an, und am Ende bestreitest du den Wettkampf mit vier, fünf Bumerangs.“ Und natürlich seien sie alle selbst gebaut, aus Holz, Kunststoff, Kohlefaser oder Verbundswerkstoff.

Aus fünfzig Bumerangs bestand auch Fridolin Frosts Gepäck. Der amtierende Europameister aus Bremen rechnete sich gute Aussichten aus, auch den Titel eines Deutschen Meisters zu erringen. Die Wetterkapriolen am Samstag würden seine Chancen auf einen Titelgewinn höchstens noch erhöhen: „Lassen Sie sich eins gesagt sein, wir Nordlichter können mit Wind und Wetter umgehen!“ Sein Sport, den er seit 1986 betreibe, habe für ihn vier unterschiedliche Dimensionen, erklärte er.

Zum einen gehe es um den Wettbewerb als solchen, zum anderen bestehe die Herausforderung darin, die Wurfgeräte selbst zu konstruieren und zu bauen und zum dritten handle es sich um einen Randsport, der eine kleine, fest verschworene und freundschaftlich miteinander verbundene weltweite Gemeinschaft immer wieder aufs Neue zusammenbringe.

Nicht nur für den Sport, sondern auch für Organisation und Ablauf der Meisterschaft zeichneten an diesem Wochenende Heiko Deiss und Andreas Schön verantwortlich. Dazu gehörte auch die Versorgung der teilweise bereits am Freitag angereisten und im Stadion im Zelt campierenden Teilnehmer mit einem warmen Frühstück und am Samstagabend mit bodenständigen, deftigen schwäbischen Maultaschen.

Der VfR Birkmannsweiler organisierte die Meisterschaft im Auftrag des deutschen Bumerang-Clubs

Mindestens genauso spannend wie die Konstruktion sei der historische Hintergrund, die Vorstellung, mit dem Bumerang ein Gerät in der Hand zu halten, das seit Jahrtausenden von Menschen auf der ganzen Welt benutzt und ständig weiterentwickelt wurde, erklärte Fridolin Frost. Der älteste Bumerang, so Frost, stamme entgegen den üblichen Ansichten aus dem heutigen Polen und sei mindestens 20 000 Jahre alt.