Winnenden

Busticket für 1 Euro – wäre das möglich?

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Bus an der Haltestelle Rathaus in der Wallstraße: Für 1 Euro ein Ticket zu bekommen, wäre schön ... © Laura Edenberger

Winnenden. Bekommt Winnenden ein Ein-Euro-Busticket fürs Stadtgebiet inklusive aller Teilorte? Vielleicht. Die Freien Wähler im Gemeinderat haben so ein auffallend günstiges Ticket beantragt. OB Hartmut Holzwarth lässt den Antrag von der Stadtverwaltung prüfen und die Folgekosten ermitteln. Das heißt: In diesem Jahr wird es sicher noch nichts damit. Wenn so ein Ticket kommt, dann im Jahr 2020 oder 2021.

Die Busse fahren zurzeit ohnehin in Richtung günstigere Fahrkarten. Am 1. April senkt der VVS die Preise für viele Fahrten im VVS-Gebiet spürbar, um neue Fahrgäste zu gewinnen. „Das war überfällig“, sagt FWV-Sprecher Hans Ilg, der regelmäßiger und begeisterter Bus- und S-Bahn-Nutzer ist. Dass es in Eislingen an der Fils ein Modell mit Ein-Euro-Busfahrten gibt, hat Ilg bei seinen Bus-Ausflügen bemerkt. Von Ludwigsburg erfuhr er, dass dort die Stadt eine Tageskarte für 3 Euro eingeführt hat, die innerhalb der Stadtgrenzen gilt. Es ist also möglich, innerhalb des VVS-Netzes einen eigenen städtischen Bus-Tarif einzuführen – eine Stadt muss ihn allerdings finanzieren.

Die Hoffnung auf mehr Fahrgäste bei günstigeren Tickets besteht

„Ich glaub’ gar net, dass des insgesamt so teuer wird“, vermutet Ilg. Aber es ist ihm selbst und seinen Fraktionskollegen wichtig, dass vor einer Abstimmung im Gemeinderat die zu erwartenden Kosten geklärt werden. „Wir müssen wissen, was uns das kosten wird“, sagt er. Die Stadt müsste zusammen mit dem VVS kalkulieren, wie viele Fahrten dann von der Stadt subventioniert würden, also wie viele Busfahrten innerhalb des Stadtgebiets jetzt schon bezahlt werden und dann weniger Geld einbringen als bisher. Und andererseits müssen VVS und Stadt abschätzen, wie viele Fahrten mehr zustande kommen, wenn sie plötzlich bloß noch einen Euro kosten. Über Fahrgastzahlen aus den VVS-Statistiken lässt sich so etwas vielleicht ausrechnen.

Klagen über Busticketpreise beim Seniorennachmittag gehört

Auf die Idee des Ein-Euro-Tickets kam Ilg einerseits durch die Preissenkungen des VVS und andererseits durch einen Seniorennachmittag im Schelmenholz. Er war draußen und sprach mit den Senioren, die ihm nacheinander erzählten, wie teuer ihnen die Busfahrten vorkommen. Eine Fahrt kostet immer 2,50 Euro, wenn sie weitergeht als drei Haltestellen. Einmal raus ins Schelmenholz und wieder zurück macht fünf Euro. „Das ist schon viel“, sagt Ilg. Es ist ein Preis, bei dem jede und jeder überlegt: Fahr ich vielleicht doch mit dem eigenen Auto?

Umgekehrt wäre ein Busticket für einen Euro ein Preis, bei dem viele eingefleischte Autofahrer ins Grübeln kämen: Steige ich vielleicht doch um in den Bus? Wenn viele umstiegen, würde ein Zuschuss der Stadt für das günstige Ticket wirklich nicht so hoch ausfallen.

Das Kurzstreckenticket ist jetzt schon einigermaßen günstig

Manche Buslinien sind allerdings jetzt schon beliebt, zum Beispiel die Linie von Hertmannsweiler zum Kreisklinikum oder ins Schelmenholz. Steigern sich die Fahrgastzahlen, wenn diese Fahrt nur noch 1 Euro kostet?

Kurze Strecken innerhalb von Winnenden sind jetzt schon einigermaßen günstig: 1,40 Euro kostet eine Fahrt über drei Haltestellen. Aber mit dieser Methode kommt man zum Beispiel nicht von der Stadtmitte ins Schelmenholz; denn man fährt vom Kronenplatz zur Haltestelle an der Brückenstraße, dann zur Haltestelle beim Rewe, dann beim Klinikum, und dann sind die drei Haltestellen schon weg.

OB Holzwarth: „Ein vernünftiger Vorschlag“

Vor wenigen Tagen wurde der Antrag auf das Ein-Euro-Busticket und auf ein Drei-Euro-Tagesticket gestellt, aber behandelt wird er erst gegen Ende des Jahres, wenn der dann neu gewählte Gemeinderat im Amt ist.

Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth hält den FWV-Vorschlag für sinnvoll. Er passe zur Tarifreform des VVS, die am 1. April wirksam wird. „Es ist ein vernünftiger Vorschlag.“

„Allerdings muss man erst rechnen“, sagt Holzwarth. Dieses Rechnen übernimmt jetzt die Stadtverwaltung. Bis zu den Haushaltsberatungen im November oder Dezember will die Stadt Zahlen vorlegen. Der dann neu zusammengesetzte Gemeinderat hat die Entscheidung, wie bei allem, was die Stadt Geld kostet.