Winnenden

Christmette in Corona-Zeiten: Maskenpflicht, Abstand und kein Gesang in der katholischen Kirche in Winnenden

Christmettewinn
Die Christmette in der katholischen Kirche. © Gaby Schneider

Die Auflagen, die der Rottenburger Bischof Dr. Gebhard Fürst seinen Gemeinden für das Abhalten von Gottesdiensten auferlegt hat, waren vor den Feiertagen noch einmal verschärft worden. Die katholische Kirchengemeinde in Winnenden hat sich offensichtlich bemüht, sie akribisch zu befolgen: das Betreten der Kirche war nur über den Seiten-, das Verlassen nur über den Haupteingang möglich, die Laufwege waren markiert.

Die gekennzeichneten Sitzplätze hatten nach allen Seiten einen Abstand von mindestens anderthalb Meter, die Teilnehmer am Gottesdienst mussten sich anmelden und wurden in Listen erfasst. Dazu herrschte während der gesamten Zeit Maskenpflicht und der Gemeindegesang, einschließlich der Kehrverse, des Hallelujarufs und gesungener Gebetsteile, war ausdrücklich verboten.

Kirche in Dunkelheit getaucht

Umso klarer klang die Stimme von Anne Greiling, die bis in den hintersten Winkel des Kirchenschiffs trug. Ihr Sopran begleitete von der Empore herab durch den Gottesdienst und trug mit bekannten Liedern, wie „Es ist ein Ros entsprungen“, zu der vertrauten Atmosphäre bei, die vergessen ließ, dass die Gemeinde gerade einmal aus fünfzig Personen bestand, die sich zusammengefunden hatte, um die Geburt Jesus’ im Stall von Bethlehem zu feiern.

„Das Volk, das im Dunkel wohnt, sieht ein helles Licht“ lautete der Titel der Predigt, die Pfarrer Gerald Warmuth vortrug, nachdem die Dunkelheit, in die das Kircheninnere zu Beginn des Gottesdiensts getaucht war, durch die Kerzen am Weihnachtsbaum und die Lampen von der Decke verdrängt worden war. Die Botschaft dieses Festes spreche alle direkt an, Kinder und Erwachsene, Menschen, die ihr Leben aus der kirchlichen Tradition heraus deuten oder ihr fern stehen, so Warmuth. Licht in der Dunkelheit nehme die Angst und gebe Sicherheit. Man erkenne den Raum und wisse, dass es nichts Bedrohliches gebe. Man fühle sich sicher und behaglich, sehe Formen und Farben. Erst durch das Licht nehme man die Schönheit der Welt war.

Wenn man auf die Krippe schaue, sehe man in dem Kind im Stall sich selbst und die großen Möglichkeiten, die einem im Leben gegeben sind, aber auch die Schutzlosigkeit und Gefährdung, der man ausgeliefert sei. Ein Kind sorge sich aber nicht um morgen, sondern freue sich über einen Schmetterling. Es ängstige sich nicht vor drohenden Pleiten und Katastrophen, sonder lache, wenn es froh sei und vergesse darüber alles andere. Es weine, wenn es traurig sei, und schaffe beim Spielen immer wieder neue Welten, in denen es lebt. Ein Kind sei aber auch wehrlos und blicke nur treuherzig. „Wir aber wehren uns, bis wir uns selbst vernichtet haben.“

Hirten als Vorbild

Als Vorbild verwies Warmuth auf die Hirten der Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums. Die frohe Botschaft der Engel an sie lautete: „Fürchtet euch nicht, ihr braucht nur loslassen zu können und auf Gott zu vertrauen, dann scheint alles im Weihnachtslicht.“ Sie befolgten den Rat und kamen in den Stall. Das Licht, das man am Weihnachtsbaum anzünde, schenke Vertrauen und die Kraft, Mauern zu überwinden und Klüfte zu überbrücken Das Evangelium weise den Weg; das Kind liege nicht auf dem Marktplatz, nicht im Kaufhaus, nicht im Museum und auch nicht in der Universität, sondern im finsteren Stall am Rande der Stadt.

„Stellen wir uns wie die Hirten vor die Krippe und machen wir Gott eine Liebeserklärung“, empfahl der Pfarrer. „Eine Liebeserklärung von Gott an uns, das ist Weihnachten.“

Die Auflagen, die der Rottenburger Bischof Dr. Gebhard Fürst seinen Gemeinden für das Abhalten von Gottesdiensten auferlegt hat, waren vor den Feiertagen noch einmal verschärft worden. Die katholische Kirchengemeinde in Winnenden hat sich offensichtlich bemüht, sie akribisch zu befolgen: das Betreten der Kirche war nur über den Seiten-, das Verlassen nur über den Haupteingang möglich, die Laufwege waren markiert.

Die gekennzeichneten Sitzplätze hatten nach allen Seiten einen Abstand

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