Winnenden

City-Treff in Winnenden: Riesenandrang und gute Laune nach zwei Jahren Corona-Pause

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Die Handballer vom HC Winnenden haben in der Wallstraße Extra-Schichten geschoben, so groß war der Andrang. © Ralph Steinemann Pressefoto

Es war ein Stadtfest-Wochenende nach Maß. Vier Tage wummert der Festpuls beim City-Treff, der am Freitag per Fassanstich eröffnet worden ist. Die teilnehmenden Vereine und Gastronomen gehen an ihre Belastungsgrenze, um den Ansturm zu wuppen. Die Besucher genießen bei bestem Sommerwetter den bunten Mix aus Musik und Tanz auf vier Bühnen, die zahlreichen Leckereien und die Wiedersehens- und Wiederumarmungsfreude.

Wer in Winnenden zur Schule gegangen ist, braucht sich zum City-Treff nicht zu verabreden. „Einfach hingehen, du triffst ständig jemanden“, meint Stefanie aus Berglen. Die 41-Jährige holt sich ein Mischgetränk und verabschiedet sich in Richtung ihres Freundes und des zehnjährigen Sohns, die gegenüber auf sie warten. Weit kommt sie nicht. Kaum den letzten Satz mit der Frau von der Zeitung gesprochen, wird ihr von links zugewinkt. Ihre freie Hand geht den Gruß erwidernd nach oben. „Hallo, lang ist’s her, schön, euch zu sehen.“

Die Handballer werden schon am Freitagabend förmlich überrannt

„Bei uns war Vollgas“, sagt Jens Heck vom Vorstand des Handball Clubs (HC), einer der Winnender Vereine in der Wallstraße. Nach zwei pandemiebedingten Pausejahren stelle der Andrang neue Rekorde auf. Ihr Dienstplan hatte spätestens mit Beginn der SWR3-Party schon am Freitag ausgedient.

„Wir sind überrannt worden, an jedem Stand waren mehr Leute im Einsatz als eingeteilt“, sagt er. Überall seien spontan Helfer eingesprungen, die eigentlich frei hatten. „Jeder hat mitgeholfen, und die Spülmaschine lief ohne Unterbrechung durch“, gibt Jens Heck einen Eindruck. An der Cluss-Bar des HC machen zu Stoßzeiten zwei Helfer nichts anderes als Cocktails. Die Hauptzutat Sekt habe gedroht, vorzeitig zur Neige zu gehen. „Wir sind sicherheitshalber kurz in den Supermarkt gefahren und haben neuen geholt“, sagt Jens Heck.

Und die vielen Eiswürfel, die bei der Hitze fast schneller schmelzen als man trinken kann? 420 Kilo Eis hätten sie in vier Kühltruhen gebunkert und am Samstag verarbeitet. Stimmung am Sonntagvormittag: „Gänsehaut“, simst er auf Nachfrage der Zeitung. Aber nicht wegen dem Eis. Sondern: „Ganz viele nette Menschen, die friedlich und zufrieden ein bisschen feiern wollen.“

Polizei: Ein paar Schlägereien, eine Festnahme

Ein Eindruck, den auch die Polizei am Sonntagnachmittag bestätigt – trotz mehrerer Einsätze und sogar einer Festnahme, weil eine betrunkene Frau die Polizisten angegriffen hatte. „Es haben circa 10.000 Leute gefeiert – dass es da an der einen oder anderen Ecke zu einem Konflikt kommen kann, ist nicht ungewöhnlich“, so Friedhelm Veigel im Gespräch mit unserer Redaktion. (Ein ausführlicher Bericht zur Bilanz der Polizei und Rettungsdienste folgt.)

Auch die Handballer blickten aber in ganz überwiegend fröhliche Gesichter. Ihre Kalkulation hätten sie auf Basis der Zahlen aus Vor-Corona-Jahren erstellt, sagt Jens Heck. Doch dieser City-Treff habe eine neue Dimension. „Die Leute haben richtig Bock, und wir haben richtig Bock, auch wenn wir kurz vorm Kollaps waren“, so Jens Heck. Vorstand Michael Dengler habe am Samstagvormittag in der Whatsapp-Gruppe nochmals getrommelt: „Auch heute Abend brauchen wir 1000 Hände, geht rein, unterstützt, wo notwendig.“

An allen privaten Ständen haben 1000 Hände und mehr gemeinschaftlich starke Vereine und Gruppen präsentiert und, unterstützt durch lokale Händler und Weingüter, gezeigt, wie wichtig das Vereinsleben für dieses Fest und damit für Geselligkeit und die von vielen herbeigesehnten Begegnungen mit Freunden und Bekannten in der Stadt ist. Inklusive vergnügtem Remmidemmi und Gedränge vor den Bühnen an den Hotspots.

Knapp 40 Bands, DJs, Ensembles und Tanzgruppen, zum Großteil aus der Region

Auf vier Bühnen präsentieren sich knapp 40 Bands, Djs, Ensembles und Tanzgruppen, der Großteil aus der Stadt und nächster Umgebung. Lebensvolle Spielfreude mit unter die Haut gehender Intensität verbreitet zum Beispiel die junge Band „Supreme Blend“, die in der Wallstraße kurzfristig wegen der Absage einer Band eingesprungen ist. Musik mit Herz, ein lebensvoller Rhythmus, eine funkige Gitarre und ein Groove mit Seele schaffen eine samstagnachmittägliche Hommage an Größen aus Soul, Pop und Blues. Die Sängerin nimmt es mit flexibler und volumenreicher Stimme sogar mit Amy Winehouse auf und trifft die Tiefen ziemlich gut und sauber.

Auch vor den anderen Bühnen ist schon am frühen Abend gut was los. Schlagzeuger Fabian und Gitarrist Alex von „Just in Case“ aus der Pforzheimer Ecke überraschen in der unteren Marktstraße mit einem beachtlichen Soundvolumen - trotz Minibesetzung. „Wir machen alles, was uns gefällt, fetzig“, beschreiben sie ihren Stil, für den sie über Octaver-Pedale und eine Loopstation auch Rockelemente in die Songs packen. Sie seien erst seit einem halben Jahr eine Liveband, da sie kurz vor Beginn von Corona begonnen hätten und damit an Liveauftritte erst mal nicht zu denken gewesen sei. „So hatten wir schön viel Zeit zu üben“, witzeln sie. Ihr fetziger Spin treibt sogar der Ballade „Summertime Sadness“ die Melancholie aus. Zu dem Salsa-Anflug, den sie dem Song „I follow Rivers“ verpassen, wollen die Füße mancher Zuhörer auf Anhieb mitsteppen.

Der Platz ist eine „Oase“ auf dem City-Treff, findet eine Besucherin

Die softesten Klänge liegen über dem Santo-Domingo-de-la-Calzada-Platz. Die akustische Gitarre ist das Metier von Marcel Cestari. Er wird begleitet von einer Sängerin, die cremig sanfte Soulmelodien in den Sommerabend haucht. Mit einem sensiblen Singer-Songwriter-Fingerstyle ist das Akustikduo die ideale Besetzung für das lauschige Eckchen, in dem bei Zimmerlautstärke das Plätschern des Wassers zu hören ist. Bei dezenter Beleuchtung sitzen und plaudern entspannte Menschen an Holztischen.

Es sei immer gut was los, aber nie so, dass man nicht durchkomme, beschreibt Fabienne Kühnel von der Eventagentur KMR den Freitagabend. Die Holztische füllen sich am Samstag ab dem frühen Abend, und wie sich’s gehört, leeren sich parallel dazu die Weinflaschen des Weinguts Zaißerei aus Stuttgart-Münster. Kaltgestellt werden die gefragten Roséweine und Weißen in zwei Kühlschränken, der dritte habe kurz vor knapp den Geist aufgegeben, berichtet Fabienne Kühnel. „Wir kommen trotzdem klar, müssen halt öfter zum Kühlwagen rennen und Nachschub holen.“

So können auch Sabine Brutscher und Thomas Winger mit beschlagenen Roségläsern anstoßen. Sie sei gar nicht so die „Festlesgängerin“, aber der Platz habe gewonnen durch die Bestuhlung, sagt sie. „Hier ist’s nett, es ist eine Oase“, meint der ehemalige Büchner-Gymnasiast. Für ihn als Einheimischen sei Montag „der Tag“, wie er es nennt. „Da komme ich noch mal und treffe meine Schulkameraden.“

In der duftenden Marktstraße ist kaum ein Durchkommen

Nur noch im Slalom kommt man bereits zu der Uhrzeit ein paar Schritte weiter, in der unteren Marktstraße vorwärts. Hier mischen sich unglaublich viele Düfte und die Getränke mit und ohne Alkohol sind lila, grün, gelb oder orange. Sämtliche Küchen der Welt haben sich hier verabredet. Da werden Langoschfladen durch heiße Ölwannen geschoben, Frühlingsrollen eingewickelt und Balkanspezialitäten gegrillt. Einen heißen Arbeitsplatz zwischen Fritteuse und heißer Grillplatte haben Luisa und Raffaele in ihrer mobilen Burger-Bräterei. „Ohne Ventilator, und dann noch die Abwärme vom Kühlschrank“, sagt sie und lächelt. „Wir schaffen es nur mit ganz viel Wasser.“

Die Essensduftwolken setzen sich bis auf den Marktplatz fort. Beim Torturm beglückt die private Familie Özkan mit Lehmacun und Couscous das Genießerherz. „Wir sind zum ersten Mal dabei, um als Winnender hier unsere hausgemachten Sachen anzubieten“, sagt Mahsum Özkan. Zufrieden dürften auch die Schausteller sein. Fröhliches Kinderlachen ist besonders im Bereich des Karussells zu hören. Kinder drücken auf Hupen in Hubschrauber und Polizeiauto oder lassen sich auf einem Pferderücken herumfahren. Technobässe begleiten die gewünscht rumpeligen Boxauto-Fahrmanöver in den vielfarbig blinkenden Kinder-Elektrofahrzeugen, auch hier ist Betrieb.

Nicht ganz so üppig, zumindest was die Verkäufe angeht, äußert sich der Stuttgarter Upcycler Markus Schäfer in der Nachhaltigkeitsmeile. Es sei eine gute Idee und auch Werbung, für das Thema an sich sowie für seine Objekte aus recyceltem Glas. Er habe aber gar keinen großen Umsatz erwartet, sagt er. „Auf ein Stadtfest gehen die Leute hauptsächlich, um zu feiern und zu essen.“

Dazu haben die Menschen auch an diesem Montag noch die Gelegenheit, zum Abschluss des City-Treffs (siehe „Programm am Montag).

Wird „Layla“ nun auf dem City-Treff gespielt oder nicht?

Ehe auch dieser Artikel endet, gilt es eines unbedingt noch zu klären: Was ist eigentlich mit dem Aufreger-Ding Layla? „Ja, lief auch, gefühlt fünfmal“, sagt HC-Vorstand Jens Heck lachend und unaufgeregt über den Stimmungshit, der durch das Spielverbot der Stadt Würzburg während des Kilianifestes für Aufmerksamkeit gesorgt hatte.

Es war ein Stadtfest-Wochenende nach Maß. Vier Tage wummert der Festpuls beim City-Treff, der am Freitag per Fassanstich eröffnet worden ist. Die teilnehmenden Vereine und Gastronomen gehen an ihre Belastungsgrenze, um den Ansturm zu wuppen. Die Besucher genießen bei bestem Sommerwetter den bunten Mix aus Musik und Tanz auf vier Bühnen, die zahlreichen Leckereien und die Wiedersehens- und Wiederumarmungsfreude.

Wer in Winnenden zur Schule gegangen ist, braucht sich zum City-Treff

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