Winnenden

Clowns kann es nie genug geben

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Die Faxen der Clowns mit Herz erfreuten auch Landrat Richard Sigel, Kärcher-Chef Hartmut Jenner und Klinikengeschäftsführer Marc Nickel (im Hintergrund von links nach rechts). © Leonie Kuhn
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Clowns mit Herz im Klinikum. © Leonie Kuhn
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Clowns mit Herz im Klinikum. © Leonie Kuhn
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Clowns mit Herz im Klinikum. © Leonie Kuhn
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Clowns mit Herz im Klinikum. © Leonie Kuhn
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Clowns mit Herz im Klinikum. © Leonie Kuhn
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Clowns mit Herz im Klinikum. © Leonie Kuhn
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Clowns mit Herz im Klinikum. © Leonie Kuhn
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Clowns mit Herz im Klinikum. © Leonie Kuhn
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Clowns mit Herz im Klinikum. © Leonie Kuhn

Winnenden. Fördermitglieder hatten am Mittwoch in der Kinderabteilung des Rems-Murr-Klinikums Winnenden Gelegenheit, „ihre“ Clowns bei der Arbeit zu beobachten. Der Verein Clowns mit Herz Rems-Murr besteht seit zwei Jahren. Fazit aus dieser Zeit: Clowns kann es nicht genug geben. Die Nachfrage steigt stetig.

Normalerweise ist gegen 19 Uhr auf dem Flur der Kinderklinik wenig los. Vereinzelt huschen Eltern aus den Krankenzimmern; Pflegekräfte räumen das letzte Geschirr vom Abendessen weg; einige ganz kleine Patienten schlafen schon. Stille herrscht. Doch an diesem Mittwochabend ist alles anders: Ein Dutzend Männer in dunklen Anzügen und Krawatten kommen zu Besuch, warten vor den Zimmertüren auf Einlass zu den Einsatzorten „ihrer“ Clowns. Die sind schon da und setzen sich mit ihren kunterbunten Kostümen sowie ihrer roten Nase deutlich von den Einheitsfarben der Geschäftskleidung ab. Die durchweg weiblichen Clowns heißen Brösel, Camilla, Meisie, Augustine und Brokkoli. Sie sind von Anfang an in ihrer Clownsrolle, aus der sie erst wieder schlüpfen, wenn sie die rote Nase absetzen, erläutert Brokkoli, warum sie keine Lust hat, jetzt über ihren normalen Beruf zu sprechen.

Die Männer in Anzügen heißen Landrat Richard Sigel, Hartmut Jenner, Chef der Firma Alfred Kärcher, oder Bernd Fickler, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Waiblingen. Um nur ein paar zu nennen. Aber die übrigen Anwesenden auf dem Flur der Kinderabteilung sind für den Verein Clowns mit Herz Rems-Murr ebenso wichtig. Sie sind Unternehmer und geben regelmäßig Geld, mit dem die Einsätze der insgesamt zehn Clowns bezahlt werden.

Nebenberuflich Clown

Die Clowns machen das nebenberuflich und gehen in ihrer Freizeit nicht nur in die Rems-Murr-Kliniken in Winnenden und Schorndorf, sondern auch in Pflegeeinrichtungen wie beispielsweise das Seniorenzentrum Bethel in Welzheim, das Karlsstift in Schorndorf, das Haus Miriam in Waiblingen, das Seniorenhaus Brunnenrain in Plüderhausen oder das Otto-Mühlschlegel-Haus in Endersbach. Auch der Zeitungsverlag Waiblingen gehört zu den Fördermitgliedern.

Zu den Senioren gehen die Clowns alle zwei Wochen. An den Kosten sind die Einrichtungen beteiligt. Zu den kleinen Patienten ins Klinikum kommen sie wöchentlich. Diese Kosten werden vom Verein voll getragen. Nach Winnenden kommen die Clowns normalerweise montags. Mittwochs kurz vor dem Schlafengehen waren Brösel, Camilla, Meisie, Augustine und Brokkoli noch nie da. Sie wollen den Vereinsförderern zeigen, dass Clowns beim Gesundwerden helfen. Zum Beispiel der kleinen Lena in Zimmer zehn. Die Vierjährige sitzt mit ihrer Mutter auf dem Krankenbett, ihre Geschwister sind auch da. Lena ist zuerst sehr schüchtern. Still, mit großen Augen, lehnt sie sich an ihre Mutter.

Im Nu haben Brösel und Camilla die Herzen der Kinder gewonnen

Brösel und Camilla treten als Duo auf und brauchen aber nicht viel Zeit, bis sie die kleine Patientin für sich gewonnen haben und sie zum Lächeln bringen. „Komm’, stell’ dich vor“, drängelt Brösel die Camilla, „sag, ich heiße …“ Camilla antwortet: „Ich heiße …“ Es dauert ein Weilchen, bis sich die Clownin mit ihrem Namen vorgestellt hat, weil sie alles wörtlich nimmt, was ihre Clownskollegin sagt. Am Ende singen sie ein Gute-Nacht-Lied und entschwinden leise aus dem Krankenzimmer. Die Clowns haben ihre Arbeit erfolgreich erledigt.

Die Clowns sind neben ihrem eigentlichen Beruf gut beschäftigt. „Es könnten noch viel mehr Clowns sein“, sagt Vereinsvorstand Christoph Beck, „wir haben eine Warteliste.“ Doch niemand kann so einfach das Handwerk des Clowns ausüben, nur weil er sich für witzig hält. Dazu benötigen Interessierte eine zwei- bis dreijährige Ausbildung. An den Schulungskosten von vier bis fünf Clowns möchte sich der Verein beteiligen. Aber dazu benötigt er zusätzliches Geld.

30 Euro kostet eine Einzelmitgliedschaft

Vorstand Beck bittet die Firmenvertreter daher, in der Belegschaft für eine Mitgliedschaft im Verein Clowns mit Herz zu werben. 30 Euro kostet eine Einzelmitgliedschaft im Jahr. Damit die Förderer etwas über die Arbeit der Clowns zum Vorzeigen haben, wird vom Besuch in der Kinderklinik ein Imagefilm gemacht. Den können die Unternehmen in ihrem Intranet zeigen.

Die Clowns bekommen immer mehr Aufträge. Nicht nur weitere Pflegeeinrichtungen fragen nach ihnen. Im Sommer haben sie minderjährige Flüchtlinge besucht, die ohne Eltern im Rems-Murr-Kreis gelandet sind. Auch bei Flüchtlingsfamilien mit kleinen Kindern schauten die Clowns vorbei. „Es war eine besondere Art, ihre neue Heimat kennenzulernen“, erinnert sich der Vereinsvorstand. Er zeigt sich offen für weitere Aufgaben „im Rahmen der Möglichkeiten“. Und fügt hinzu: „Am Geld ist noch nichts gescheitert.“

„Medical Clown“

Die Tamala-Clown-Akademie in Konstanz am Bodensee bietet als älteste Schule für Clown und Comedy in Deutschland seit 1983 Ausbildungen und Seminare rund um das Thema Clown, Comedy, Humor, komisches Theater und Klinikclown an. Die internationale Schule gibt Weiterbildungskurse für Anfänger und Fortgeschrittene und Präsenzunterricht für das international anerkannte Bachelor-Studium „Medical Clown“. Eine dreieinhalbjährige berufsbegleitende Ausbildung kostet rund 10 000 Euro plus Unterkunft und Verpflegung.

Die Ausbildung zum Clown und Gesundheitsclown schließt mit einer Prüfung in Theorie und Praxis ab, um den europaweit anerkannten Titel Gesundheit! Clown® zu erwerben. Mit dem ausgestellten Zertifikat ist eine Anstellung bei den Vereinen oder direkt in medizinisch/therapeutischen Einrichtungen möglich.