Winnenden

Corona-Auflagen: Sind Winnender Geschäfte durch die Online-Konkurrenz bedroht?

Click and Meet
Wie läuft Click&Meet mit Schnelltest in der Stadt? Wie geht es den Winnender Einzelhändlern in der Corona-Krise? © ZVW/ Alexandra Palmizi

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund malt den Teufel an die Wand: Justamente am Tag, nachdem erstmals vielerorts, so auch in Winnenden, die Geschäfte wieder öffnen durften, kommt die Meldung: Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, sagte im ZDF-Morgenmagazin am Samstag (22.5.), dass er davon ausgehe, dass 52.000 Geschäfte von Schließung bedroht sind. Was sagen Winnender Geschäftsleute zu dieser Meldung?

Keine Überbrückungshilfen, weil die Umsätze ausreichend waren

Wie stark der Onlinehandel den stationären Einzelhandel verdrängt, ist offenbar stark branchenabhängig – findet Stefanie Kienzle, Geschäftsführerin von Firma Häussermann GmbH&Co. KG):

„In unserer Branche hat er definitiv nicht gesiegt. Wir sind einem Händlerverbund mit mehreren 100 Mitgliedern angeschlossen und haben regen Austausch, seit der Krise noch mehr als davor. Von meinen direkten rund 30 Händlerkollegen konnte keiner die Überbrückungshilfe beantragen, weil die Umsätze ausreichend waren. Wir hatten bis jetzt Glück, keiner von ihnen hat ernsthafte Probleme. Es gibt Einbrüche, aber es geht keinem so schlecht, dass er zumachen muss. Die Haushaltsbranche ist eine der wenigen, die die Krise gut überstehen wird. Die Kunden kommen gern. Sie wollen eine Ansprache und Kommunikation. Jeder freut sich, jemanden zu sehen, mit dem man sich unterhalten kann. Die Leute fassen gern Sachen an, sind haptisch. Bei uns war die komplette Zeit nie Ebbe, die ganze Krise über nicht. Die Kunden unterstützen uns immer noch, sie tun’s.“

"Der Onlinehandel wird immer stärker"

Für einen Umbau der Innenstädte, wie von Gerd Landsberg gefordert, spricht sich Tanja Heinz, Filialleiterin von Firma Fischer beim Tor, aus:

„Ob das Einkaufen über Internet das letzte Wort hat, weiß ich nicht. Es wird schwierig, es bleibt schwierig, der Onlinehandel wird immer stärker. Ob die, die sich daran gewöhnt haben, klickend einzukaufen, wieder zurückkehren in den Einzelhandel, ist fraglich. Man muss hoffen, dass die Innenstädte attraktiv bleiben.“
Domenica Müller von Domenica Moden fühlt sich nicht bedroht vom Onlinehandel.

„Wir bekommen so viel positives Feedback. Die tolle Beratung loben viele. Das gibt’s im Internet einfach nicht. Die meisten haben gesagt: Sie hätten gewartet, bis wir wieder öffnen und hätten gar nichts online bestellt. Das Warten auf die späte Öffnung ist vielen gar nicht so schwer gefallen, weil man bei dem regnerischen und kalten Wetter bisher die Sommerkleidung eh nicht hätte anziehen können.“

Es wird eine Co-Existenz bestehen

Von einer „Co-Existenz“ geht Matthias Wiedmann vom Spielwaren-Fachgeschäft aus:

„Corona hat dem Onlinehandel tatsächlich ziemlich in die Karten gespielt. Dennoch wird der stationäre Handel nicht verschwinden, sondern es wird eine Co-Existenz bestehen, die regional stark unterschiedlich sein wird. Es wäre wünschenswert, wenn endlich „Waffengleichheit“bestehen würde, und auch Onlinehändler ihren steuerlichen Beitrag zu Infrastruktur und Allgemeinwohl leisten würden, wie es stationäre Geschäfte und Unternehmen tun.“ Den Vorstoß von Gerd Landsberg, die Innenstädte umzubauen, begrüßt Matthias Wiedmann. „Alles, was die Aufenthaltsqualität und Frequenz in Städten fördert, ist das Wichtigste. Ich denke an einen ausgereiften Mix aus Einzelhandel und Gastro, aber auch Kultur. Der Großteil der Menschen möchte raus, und nicht nur Homeschooling, Onlineshoppen und Home Office.“ Gerd Landsberg fordert, dass sich Onlinehändler an den Folgen für den stationären Einzelhandel beteiligen, etwa in Form einer Steuer auf Paketversand. „Denn die großen Plattformen nutzten auch die Infrastruktur der Städte und Gemeinden“, so der Wortlaut im ZDF-Morgenmagazin. Wie realistisch die Umsetzung dieser Forderung ist, wagt Matthias Wiedmann nicht zu beurteilen. „Ich halte es für möglich, die Online-Riesen am Allgemeinwohl zu beteiligen, indem sie faire Abgaben leisten. Eine höhere Mehrwertsteuer auf Onlineverkäufe wäre eine Möglichkeit, aber natürlich auch eine Abgabe auf Pakete. Ich finde, es wird zu oft übersehen, dass auf der einen Seite durch den Onlinehandel lokale Einnahmen, Geschäfte und Arbeitsplätze wegfallen, aber gleichzeitig Dinge wie Infrastruktur, Straßen, Kindergärten und Krankenhäuser finanziert werden müssen. Da sehe ich dringenden Handlungsbedarf, Onlinekonzerne in die Verantwortung zu nehmen, und denke daher, dass Maßnahmen realistisch sind.“

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund malt den Teufel an die Wand: Justamente am Tag, nachdem erstmals vielerorts, so auch in Winnenden, die Geschäfte wieder öffnen durften, kommt die Meldung: Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, sagte im ZDF-Morgenmagazin am Samstag (22.5.), dass er davon ausgehe, dass 52.000 Geschäfte von Schließung bedroht sind. Was sagen Winnender Geschäftsleute zu dieser Meldung?

Keine Überbrückungshilfen, weil die Umsätze

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