Winnenden

Corona-Beschränkungen: Der City-Treff in Winnenden fällt in diesem Jahr aus – doch was wird aus der Freitagabendreihe Kunsttreff und den Weintagen Ende August?

Citytreffinnen
Viele Winnender sitzen auf dem Marktplatz, essen etwas und trinken dazu ein Bier oder ein Glas Wein. Diese Bilder wird es in diesem Jahr nicht geben, denn der City-Treff, das viertägige Stadtfest im Juli, fällt 2020 aus. © Gaby Schneider

Gemeinsam mit Freunden, Nachbarn, Bekannten auf einer Bierbank sitzen, essen und trinken, das Wetter genießen. Feste sollen gefeiert werden, wie sie fallen. In diesem Jahr fallen sie aus. Jüngste Beispiele: das Fest zur Maibaumaufstellung auf dem Marktplatz und der Wonnetag. Die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus ist zu groß. Menschen stehen dicht an dicht, trinken Alkohol, werden nachlässiger, kommen sich doch näher als 1,50 Meter, vertauschen mal ein Glas. So macht Corona die Runde. Um das zu verhindern, ist auch der City-Treff abgesagt. Kunsttreff und Weintage sind noch nicht völlig verloren. Und: Was ist mit den Konzerttagen im nächsten Jahr? Ein Überblick.

Sonderförderung für Vereine geplant

Im März und April wären die Verantwortlichen der Stadt eigentlich damit beschäftigt gewesen, den City-Treff mit Vereinen, Dienstleistern, Ausstellern und Künstlern zu planen und Verträge abzuschließen. Da das Coronavirus allerdings schon grassierte, hat die Stadt bereits im März die Planungen nur rudimentär vorangetrieben. „Die aktuelle dynamische Lage lässt eine zuverlässige Veranstaltungsplanung somit nicht zu, und die daraus entstehenden Szenarien sind zu vielfältig“, heißt es in einem Papier für den Gemeinderat.

Trotzdem entstehen der Stadt Kosten, da gewisse Dinge schon geplant wurden. So erhält die Agentur KMR, mit der die Stadt zusammenarbeitet, für bereits geleistete Arbeit 6000 Euro. Zudem fließt ein Anteil von 30 Prozent der Auftragssumme, die insgesamt 25 890 Euro beträgt, an die Agentur, um den City-Treff 2021 zu planen.

Die Ersparnisse aus diesem ausgefallenen City-Treff-Jahr sollen in einer Sonderförderung an die Winnender Vereine fließen.

Die Stadt denkt indes nicht darüber nach, den City-Treff im nächsten Jahr zu verlängern. „Eine Verlängerung im kommenden Jahr ist nicht angedacht, schließlich ist der City-Treff ein Fest mit großer Beteiligung der Vereine, die bereits bei einer viertägigen Veranstaltung an ihre Grenzen bei den Personalressourcen stoßen“, heißt es auf Anfrage.

Für den Kunsttreff war schon alles geplant

Am 29. Mai sollte eigentlich der erste Kunsttreff in diesem Jahr am Marktbrunnen stattfinden. Doch auch daraus wird nichts. „Wir hatten schon alles vorbereitet und für jeden Freitagabend die Zusage eines Künstlers“, erzählt Doris Bredow vom ehrenamtlichen Veranstalterteam. Glücklicherweise habe man das Programmheft noch nicht in Druck gegeben. „Bis Ende Juli verzichten wir auf den Kunsttreff. Im Juli wollen wir Veranstalter uns zusammensetzen und beraten, ob es vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt noch Sinn macht. Das hängt natürlich davon ab, wie sich die Coronasituation entwickelt. Wir wollen nichts erzwingen“, sagt Bredow. Den Kunsttreff wolle man nicht nur für eine bestimmte Anzahl von Menschen zugänglich machen oder gar einzäunen. „Dann sammeln sich vor dem Zaun vielleicht die Leute auf engem Raum. Das wäre auch wieder kontraproduktiv“, sagt Rolf Weber, der ebenfalls zum Kunsttreff-Team gehört. Sollte sich bis Juli nichts an der Situation und den Veranstaltungsauflagen ändern, wolle man eben 2021 weitermachen. „Die Künstler, die in diesem Jahr bereits zugesagt haben, wollen wir dann auch 2021 auftreten lassen“, so Bredow.

Mick Scheuerle und die Rainbow Turtles, Winnenden, 13.09.2019.
Der Kunsttreff am Marktbrunnen, der in der Sommersaison jeden Freitagabend stattfinden sollte, wird vorerst bis Ende Juli ausgesetzt. © Benjamin Beytekin

Wengerter könnten Weintage spontan auf die Beine stellen

Ende August, genau genommen vom 28. bis zum 31., wären in diesem Jahr die Weintage geplant. Ein gemütliches Fest, auf dem die Winnender Wengerter ihre Produkte verkaufen und Besucher sich bei Livemusik und netten Gesprächen durch die Tropfen testen. Doch: Großveranstaltungen sind noch bis mindestens Ende August verboten. Der Stadt liegt ein Antrag vor, das Fest in den September zu verschieben. „Wir Wengerter könnten die Weintage auch relativ kurzfristig auf die Beine stellen“, meinte CDU-Rätin Anja Luckert dazu in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses. „Vielleicht würde es dann in diesem Jahr keine Livemusik geben, weil wir kurzfristig keinen Künstler bekommen. Aber das fände ich nicht so schlimm. Die Weintage sind ohnehin ein Fest der leiseren Töne.“ Bürgermeister Sailer sagte dazu, dass man sich das gut überlegen müsse. „Aus meiner Sicht macht es nur Sinn, wenn dann auch die Maskenpflicht nicht mehr gilt. Ich will meinen Wein nicht durch einen Strohhalm schlürfen und dabei die Maske aufhaben.“ Im Juli wird die Veranstaltergemeinschaft der Weintage laut Emely Rehberger, Pressesprecherin der Stadt, darüber entscheiden, ob die Veranstaltung verschoben wird oder in diesem Jahr ausfällt. 

Weintage2019
Finden die Weintage dieses Jahr statt? Es gibt zumindest eine Resthoffnung. Die Veranstaltergemeinschaft will mit der Entscheidung abwarten. © Gaby Schneider

Was wird aus den Konzerttagen 2021?

Alle zwei Jahre finden die Konzerttage in Winnenden unter der künstlerischen Leitung von Claudio Bohórquez statt. Seit Mitte des vergangenen Jahres ist die Stadt gemeinsam mit Bohórquez dabei, die Konzerttage für das kommende Jahr (30. Januar bis 6. Februar 2021) zu planen. Doch momentan weiß niemand, wie sich die Coronapandemie in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt. Eine Abfrage der Stadt bei 20 potenziellen Sponsoren für die Konzerttage 2021 ergab, dass für etwa die Hälfte eine Beteiligung im nächsten Jahr nicht infrage kommt. Die Stadt kalkulierte mit Sponsorengeldern in Höhe von 80 000 Euro, würde aktuell allerdings nur auf rund 20 000 Euro kommen. Die Abfrage bei den Sponsoren ergab allerdings auch, dass im Jahr 2022 wohl deutlich mehr Unternehmen für ein Sponsoring bereit wären. In der Vorlage für die Gemeinderatssitzung am Dienstag, 19. Mai, heißt es, dass eine vernünftige Planung im Moment nicht möglich sei. Außerdem sei nicht absehbar, ob es gegen Ende des Jahres zu einer zweiten Infektionswelle komme. „Noch befindet sich die Verwaltung an einem Punkt, an dem die bereits weitgehend abgeschlossenen Planungen für das Jahr 2021 zunächst gestoppt sind und eine Verlegung der nächsten Konzerttage ohne große finanzielle Auswirkungen auf das Jahr 2022 möglich ist“, heißt es darin weiter. Die Verwaltung schlägt den Gemeinderäten in der Sitzung am Dienstag daher vor, die Konzerttage um ein Jahr auf 2022 zu verschieben und ab dann wieder den zweijährigen Rhythmus beizubehalten.

Konzerttagetechnik
Vielleicht muss die Technik für die Konzerttage erst im Jahr 2022 wieder aufgebaut werden. Bisher gibt es nur wenig Sponsorenzusagen. © Schmitzer

Andachtssaal steht bis Ende des Jahres nicht zur Verfügung

Unterbrochen und abgesagt sind gerade die städtischen Konzert-, Theater- und Lesungs-Reihen. Wie es mit ihnen im Herbst weitergehen soll, ist noch unklar. Wie sollen die Verantwortlichen planen, wenn sie nicht wissen, was die Pandemie bis dahin macht? Die Verwaltung möchte deshalb nur kurzfristig für jeweils zwei oder drei Monate planen. Von September bis Dezember soll es außerdem weniger Veranstaltungen als gewohnt geben. Der Andachtssaal im Zentrum für Psychiatrie steht bis zum Ende des Jahres nicht mehr für externe Veranstaltungen zur Verfügung. Für die Schlossmatineen, Schlosskonzerte sowie Wort und Ton sucht die Stadt deshalb nach alternativen Räumen. Am Dienstagabend, 19. Mai, wird sich auch der Gemeinderat mit der Lage der städtischen Kulturreihen befassen und über die Vorstellungen der Verwaltung sprechen.