Winnenden

Corona-Lockerung: Winnender Feuerwehrmuseum ist dafür ideal ausgestattet

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Harald Pflüger und ehrenamtliche Mitarbeiter des Feuerwehrmuseums, Oliver Kubitza, Dieter Fröhling und Ewald Seid (von links). Sie durften im Sommer 2020 auch schon mal nach dem ersten Lockdown unter Bedingungen öffnen - bis der zweite Lockdown kam. © Benjamin Büttner

In den Tagen vor der Wiedereröffnung an diesem Wochenende haben sich die Mitglieder des Feuerwehrmuseumsvereins auf die neuen Auflagen vorbereitet, um die Besucher coronakonform begrüßen zu können. Auch im großen, regionsweit einmaligen Feuerwehrmuseum Winnenden, direkt am Bahnhof gelegen, gelten ab sofort zahlreiche Bestimmungen.

Das Feuerwehrmuseum hat vielen Museen nicht nur die Vielzahl an beeindruckenden Exponaten voraus: Vor allem die zweite Tür, um Eingang und Ausgang voneinander zu trennen, ist eine Besonderheit, die andere Museen erst noch schaffen müssen, wie Harald Pflüger mitteilt. „Wir haben die beiden Ausgänge glücklicherweise beim neuen Anbau von vornherein getrennt voneinander geplant“, sagt der Erste Vorsitzende des Feuerwehrmuseumsvereins. Auch wenn an den ersten zwei Tagen noch nicht viele Besucher durchgegangen sind: Mit dem Seiteneingang erfüllt das Museum einen Teil der Corona-Auflagen. Ursprünglich war der Grund dafür das Bistro im ersten Stock. Es werde an Mitglieder für deren private Feiern vermietet, aus Sicherheitsgründen sei darum der zweite Ausgang hingekommen. Steigt oben eine Fete, muss nicht das ganze Museum geöffnet sein. „Die Besucher können in die Ausstellung reinsehen, kommen aber nicht in Berührung damit“, so Harald Pflüger.

Weiter heißt es in den Empfehlungen des Museumsverbands Baden-Württemberg: „Prüfen Sie einen definierten Rundweg, um Begegnungen zu vermeiden.“ Auch hier 100 Punkte für die gute museumspädagogische Ausstattung der Winnender Sammlung seit 2018: Durch die Anschaffung der 20 Audioguides (Hörführer) gibt es bereits einen vorgegebenen Weg durch die Ausstellung, er ist als Rundtour konzipiert. Sie bietet 46 erklärende Texte, jeweils auf Deutsch und auf Englisch.

Der Bewirtungsbereich liegt im ersten Stock des Museums, auf der Empore mit freiem Blick in die Fahrzeughalle. Das Bistro hat während der Zeit, bis das kulturelle Angebot wieder im Normalzustand läuft, geöffnet! Allerdings unter Auflagen: Entweder eine einzelne Familie oder zwei zusammengehörende Familien dürfen zur gleichen Zeit reinsitzen, dasselbe gilt für die Spielecke mit dem knallroten Kinder-Feuerwehrauto.

Weiterhin nutzbar soll die Drehleiter aus dem Jahr 1939 der Berufsfeuerwehr Stuttgart sein – ein Publikumsliebling: „Reinsitzen und ein Foto machen ist okay, allerdings nur mit anschließender Desinfektion“, erläutert Pflüger.

Ein zweites, ebenfalls beliebtes Fotomotiv, bleibt erhalten: Die Pferdezugleiter aus Schorndorf aus dem Jahr 1920, auf der viele Eltern gern ihre Kinder fotografieren, wie Harald Pflüger schildert.

Damit das Museumsleben weitergehen kann, musste an weiteren Schräubchen gedreht werden: Die Eingangstheke bekam am Tag vor der Eröffnung von einem handwerklich begabten Vereinsmitglied eine Plexiglaswand verpasst. „Sie fällt gar nicht auf, so, als wäre sie schon immer da“, staunt Mitglied Oliver Kubitza, der wie alle Mitglieder von Harald Pflüger mit den Schutzauflagen vertraut gemacht wird.

Begleitet werden die ersten kleinen Schritte hinaus aus dem Lockdown von einem umfassenden Hygienekonzept: Die Besucher können sich die Hände desinfizieren, zur Reinigung von Geländern, Türgriffen, Kassenbereich und „Spuckschutz“ steht spezielles Flächendesinfektionsmittel zur Verfügung. Die Stadt stellte Masken und Desinfektionsmittelspender zur Verfügung, die das Logo des Feuerwehrmuseums und damit beinahe identitätsstiftende Züge tragen. Im WC im Museum darf sich immer nur eine Person aufhalten. 

Die maximale Besucheranzahl wurde auf 50 Personen begrenzt, die gleichzeitig im Museum sein dürfen. Pflüger erläutert, warum sie von der Berechnung pro Quadratmeter abgerückt seien: Der deutsche Museumsverband empfehle eine Person pro 15 Quadratmeter. Mit seinen 2000 Quadratmetern käme das Feuerwehrmuseum auf 133 Personen. Weil ihm die Zahl hoch erschien und sich auch vor der Schließung selten solch große Besuchergruppen gleichzeitig im Museum aufgehalten hätten, habe er die maximale Personenzahl dem örtlichen Raumzuschnitt angepasst.

Führungen durch Vereinsmitglieder werde es nicht geben, Gruppen sind nicht zugelassen, außer es handelt sich um eine oder maximal zwei zusammengehörende Familien. „Aber auch sie bekommen keine Führungen“, sagt Pflüger. Als Lotsen stehen nur die Audioguides zur Verfügung. Neu sei die Vorschrift, die Geräte nach jedem Besucher zu desinfizieren. Wobei das die Museumsmitarbeiter ja schon immer machen, wie Pflüger versichert: „Manche Regel ist nichts Neues für uns.“

Zur Öffnung habe man sich entschieden, weil das Museum auf die Einnahmen angewiesen ist. 40 angemeldete Gruppen hätten bislang ihren Besuch storniert. Seit März seien überdies keine neuen Gruppenanfragen eingegangen. Dadurch, dass keine Besucher reindurften, sei auch die Spendenkasse am Ausgang leer geblieben. Nicht zuletzt schlagen auch entfallene Einnahmen aus dem Bistro und dem Verkauf von Büchern und Souvenirs zu Buche. Das Museum müsse im Vergleich zum selben Zeitraum im Jahr 2019 schon jetzt „große Verluste“ zwischen 10 000 und 12 000 Euro einstecken, die unter anderem zur Tilgung der beim Neubau entstandenen Verbindlichkeiten fehlen, sagt Pflüger.

In den Tagen vor der Wiedereröffnung an diesem Wochenende haben sich die Mitglieder des Feuerwehrmuseumsvereins auf die neuen Auflagen vorbereitet, um die Besucher coronakonform begrüßen zu können. Auch im großen, regionsweit einmaligen Feuerwehrmuseum Winnenden, direkt am Bahnhof gelegen, gelten ab sofort zahlreiche Bestimmungen.

Das Feuerwehrmuseum hat vielen Museen nicht nur die Vielzahl an beeindruckenden Exponaten voraus: Vor allem die zweite Tür, um Eingang und Ausgang

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