Winnenden

Corona schränkt Abi-Rituale ein: In Winnenden entfallen Plakate

Abiplakate
„Yes, you can“ und „Vive la liberté“ – hier ist eine Auswahl von Motivationsplakaten für Abiturienten des Jahrgangs 2020. © Simon Kozok

Es wird das sterilste Abitur seit mindestens 50 Jahren: Am Montag haben die Prüfungen an den beiden Winnender Gymnasien begonnen, und die Abiturienten sind alle darauf gefasst, dass der sonst übliche Spaß, die Motivation über Plakate, die Freude auf den Abi-Ball oder der Gang zum Cannstatter Volksfest – dass dies alles in diesem Jahr gebremst ist oder ganz ausfällt. Der Infektionsschutz, notwendig geworden durch die Corona-Pandemie, belässt das Abitur zwar als wichtigste Prüfung und als Zugangsberechtigung zu den Hochschulen, aber es macht die Umstände ums Abi herum steril.

Die Aufmunterung vor Prüfungsbeginn fällt spärlich aus

Die Freude wird überwiegen, die stille Freude darauf, dass man die Reifeprüfung bestanden hat, dass man Zugang zu Hochschule und zu begehrten Berufen hat. Aber dieser Abi-Jahrgang 2020 weiß, wie die Abis der letzten Jahre waren, kennt die Motivationsplakate mit Sprüchen wie „Josi, du schaffst das!“ und „Laura, wir sind stolz auf dich!“ Diese Aufmunterung vor Prüfungsbeginn fällt in diesem Jahr spärlich aus. Am Georg-Büchner-Gymnasium hängen Plakate. Da hat Direktorin Ilse Bulling zusammen mit den Elternvertretern eine Kompromisslösung gefunden, mit der sie die Infektionsschutzregeln einhalten und dennoch bunte Muntermacher zulassen kann. Es wird natürlich nicht so stürmisch und wild, nicht so spontan und verspielt wie in normalen Jahren, aber es geht etwas: Alle Eltern, Geschwister und Freunde der 40 Abiturienten, die ein Plakat gemalt haben, haben es abgegeben bei der Elternvertretung, und drei Eltern hängten die Plakate auf. Damit verhindert die Schulleitung, dass Eltern reihenweise die Schule betreten, und sie sorgt dafür, dass die Plakate an Stellen hängen, an denen ein paar Personen genug Platz haben, um auf Abstand zu stehen.

Das Lessing-Gymnasium arbeitet unter schwierigen Umständen

So komfortabel hat es das Lessing-Gymnasium in diesen Jahren nicht. Die Schule ist gerade eine große Baustelle. Direktor Jörg Steinl und die Lehrer hatten schon nach passenden Prüfungsräumen Ausschau gehalten und sogar schon die Hermann-Schwab-Halle für die 100 Abiturienten der Schule reserviert, bis sie merkten, dass es doch eine unruhige und beengte Prüfungsatmosphäre würde mit 100 Abiturienten in einem einzigen Saal. Die Schule disponierte um. Zurzeit hat sie die Containerschule am Zipfelbach für sich als Ausweichschule, und dorthin verlegte sie die Prüfungen. In zehn Klassenzimmern zu je zehn Schülern sitzen zum Beispiel am Mittwoch die Abiturienten für die Deutsch-Prüfung. Die Containerschule hat schmale Flure und nur zwei Zugänge. Um Begegnungen und Nähe zu vermeiden, um den Infektionsschutz zu beachten, bekommen Schülergruppen ihre eigenen Zugangszeiten, wie Direktor Steinl im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. Motivationsplakate in diesen Fluren würden zu Staus führen – deshalb hat der Direktor sie lieber untersagt, auch wenn er zugibt: „Mir tut ja auch das Herz weh!“

Plakate, die nicht an die Wand dürfen, kommen in der Zeitung

Als Direktor muss er die Coronaviren ernst nehmen. Wenn je doch ein Infektionsträger in die Abiprüfung käme, und wenn während der Prüfungstage fünf oder zehn Abiturienten durch Ansteckung Infektionsträger würden ... müssten dann alle in Quarantäne? Müsste das Abi später nachgeholt werden? Der Infektionsschutz lässt sich einfach nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Die Abiturienten fügen sich in ihr Schicksal

Auch Schüler und Eltern sehen die Notwendigkeiten und entwickelten zur Freude von Direktor Steinl Ideen, wie sie doch etwas Farbe in die Abiprüfungen bringen. Eine Elterninitiative hat Fotos von Motivationsplakaten gesammelt und sie ins Intranet der Schule gestellt, wo alle Schüler, Eltern und Lehrer des LGs Zugang haben. Eine weitere Initiative von Eltern hat Plakate gemalt, sie per Handy fotografiert und sie weitergeschickt an Simon Kozok, den jüngeren Bruder einer Abiturientin. Der machte daraus (mit einem ziemlich großen Zeitaufwand) eine Collage und schickte sie an die Zeitung. Damit haben Abiturienten tatsächlich noch einen Motivationsschub auf echtem Papier, wenn sie am Dienstag in die Zeitung schauen. Das – immerhin – hat dieser Abiturjahrgang exklusiv für sich. Das hat noch keiner vor ihm geschafft.

Die Abiturienten fügen sich in ihr Schicksal und reden in diesem Jahr vom „Abipur“. Die Abiturprüfung bekommen sie ja, aber drum herum fast nichts.

Es wird das sterilste Abitur seit mindestens 50 Jahren: Am Montag haben die Prüfungen an den beiden Winnender Gymnasien begonnen, und die Abiturienten sind alle darauf gefasst, dass der sonst übliche Spaß, die Motivation über Plakate, die Freude auf den Abi-Ball oder der Gang zum Cannstatter Volksfest – dass dies alles in diesem Jahr gebremst ist oder ganz ausfällt. Der Infektionsschutz, notwendig geworden durch die Corona-Pandemie, belässt das Abitur zwar als wichtigste Prüfung und als

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