Winnenden

Corona-Zeit: Winnender Wirt wünscht Pagodenzelt vor dem La Piazza

La Piazza
Im Sommer haben die Gäste von Aldo del Negro Sonnenschirme, brauchen sie im Winter ein Pagodenzelt? © Gabriel Habermann

Die Winnender Wirte und ihre treuen Gästen hatten einen schönen Sommer – aber jetzt geht das Elend mit Corona wieder los, und zwar genauso schlimm wie im letzten Jahr. So lange noch kein Lockdown vorgeschrieben ist, verhilft immerhin noch die Außengastronomie zu ein bisschen süffiger Geselligkeit für Ungeimpfte. Aldo del Negro, der Wirt des La Plaza im Alten Rathaus, hat für diesen Winter eine neue Idee: Ein Pagodenzelt in zurückhaltender Farbe, vier mal vier Meter groß, möchte er aufstellen. Um alles richtig zu machen, fragte er bei Stadtverwaltung und Gemeinderat nach, was die davon halten. Glücklich wurde del Negro nicht mit dieser Anfrage.

Die schöneren unter den Pagodenzelten gibt es nicht zum Schleuderpreis

Aldo del Negro ist ein findiger Unternehmer. Geht das eine nicht, probiert er eben das andere. Wenn die Leute im Advent gerne im Freien Glühwein trinken – bitte sehr: Dann baut der Wirt eben eine Glühweinhütte auf und und schenkt im Freien aus, solange es die Corona-Regeln noch erlauben. Im Sommer klappt er breite sandfarbene Sonnenschirme auf, nichts Grelles, nichts Knalliges. Geschmack hat er schon. Und beraten lässt er sich auch.

Seine Idee vom Pagodenzelt ist bestimmt nichts Billiges. Er hat sich erkundigt, hat Zelte verglichen, auf Stabilität und gute Optik geachtet und dann festgestellt, dass es schon immer etwas teurer war, einen guten Geschmack zu haben: Das schöne Zelt kostet 4500 Euro. Aldo del Negro würde das Geld ausgeben. Aber er wüsste halt gerne vom Gemeinderat, ob er das Zelt dann etliche Jahre lang immer wieder aufstellen dürfte.

Wer den ersten Pavillon erlaubt, kann der beim zehnten dann Nein sagen?

Sichere Aussagen kriegte er nicht am Dienstag im Gemeinderat. Die Stadt hat vor einiger Zeit schon einmal Anlauf genommen, das Erscheinungsbild der Fußgängerzone zu regeln. Fertig ist sie mit dem Regelkatalog noch nicht. Aber die Räte befassten sich auch diese Woche mit Fragen wie: Sollen wir grelle Farben zulassen? Bunte Sonnenschirme und neongelbe Gartenstühle? Was verträgt sich mit dem Stadtbild und was nicht? Wie viele Pagodenzelte verträgt die Marktstraße? Stadtentwickler Markus Schlecht warnte die Gemeinderäte: „Alles, was Sie heute beschließen, gilt für die ganze Fußgängerzone.“ Pavillons sind bisher nicht zulässig. Wer genau hinschaut, entdeckt jetzt schon einen von der weißen Sorte, über den aber diese Woche im Gemeinderat überhaupt nicht gesprochen wurde. Im Internet finden sich Pagodenzelte, die strunzbillig sind und auch so aussehen. Auf solche abschreckenden Beispiele ging OB Holzwarth gar nicht ein, sondern formulierte vorsichtig: „Wir können uns das für diese Wintersaison vorstellen, aber nicht für die nächsten Jahre, wenn sich die Lage wieder bessert.“

FWV-Stadtrat Markus Siegloch will Wirten mehr entgegenkommen: „Es ist eine große Herausforderung für die Gastronomie, durch diesen Winter zu kommen ... Für dieses Jahr sind Zelte eine gute Idee. Vielleicht können wir daraus in den nächsten Jahren ein Winterdorf machen.“

Muss auch Händlern genehmigt werden, was einem Wirt zugestanden wird?

„Können wir die Pavillons begrenzen auf die Gastronomie“, fragte Thomas Traub (CDU). Das wäre möglich, erklärte Markus Schlecht. „Können wir das Pagodenzelt für drei Jahre genehmigen“, fragte Diethard Fohr (FDP). Das sei nicht möglich, erklärte Ordnungsamtsleiterin Beatrice Hertel, höchstens vier Monate lang dürfe so ein Zelt erlaubt werden. Dann müsse der Wirt eine neue Genehmigung einholen. Stünde es länger, bräuchte es eine baurechtliche Genehmigung.

Was in diesem Jahr unter Pandemiebedingungen genehmigt werde, dürfe nicht zum Gewohnheitsrecht für die nächsten Jahre werden, meint Christoph Mohr (ALi). CDU-Stadträtin Petra Schäftlmeier hätte nichts gegen Glühweinhütten und Hütten allgemein, aber: „Was mir nicht gefällt, sind Zelte und Pagoden.“ Sie findet: „Dann wird’s uncharmant.“ Eine Abstimmung gab es nicht. Nur ein Meinungsbild.

Am Abend weht ein kalter Windhauch um die Beine der Glühweintrinker

Was macht Gastwirt del Negro mit diesem Meinungsbild? „Ich weiß es auch nicht“, sagte er außerhalb der Sitzung, „meine Gäste stehen bei der Hütte und haben es von oben her warm. Aber über den Marktplatz zieht am Abend immer ein kalter Luftzug um die Beine herum. Und da dachte ich mir: Die Leute können ins Zelt gehen und sich die Beine aufwärmen und dann wieder rausgehen. Aber jetzt? Ich kann keine 4500 Euro investieren – nur für ein paar Monate.“

Die Winnender Wirte und ihre treuen Gästen hatten einen schönen Sommer – aber jetzt geht das Elend mit Corona wieder los, und zwar genauso schlimm wie im letzten Jahr. So lange noch kein Lockdown vorgeschrieben ist, verhilft immerhin noch die Außengastronomie zu ein bisschen süffiger Geselligkeit für Ungeimpfte. Aldo del Negro, der Wirt des La Plaza im Alten Rathaus, hat für diesen Winter eine neue Idee: Ein Pagodenzelt in zurückhaltender Farbe, vier mal vier Meter groß, möchte er

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