Winnenden

Covid-19-Impfung für junge Kärcher-Mitarbeiter: Vor dem Piks ein Lunchpaket, danach ein Eis

Kärcher Impft
Kärcher-Betriebsärztin Dr. Jessica Burger. Bevorzugt kommen Mitarbeiter dran, die nicht ins Home-Office ausweichen können. © Benjamin Büttner

Neue Erkenntnisse tun sich im Kärcher-Impfzentrum auf: „Junge Männer frühstücken nicht mehr. Deswegen sind einige am Standort oberes Bühlertal nach der Impfung umgekippt.“ Betriebsärztin Dr. Jessica Burger berichtet, dass die Sanitäter sich gleich um sie gekümmert haben, eine Viertelstunde bleibt ja jeder Geimpfte zur Beobachtung da. Und nun bekommen die jungen Männer von den Ärzten ein Lunchpaket zur Spritze. „Beim Biss ins Käsebrötchen bemerkt so mancher dann nicht einmal mehr den Einstich in den Arm“, erzählt sie lachend.

Donnerstag ist Impftag im Winnender Besucherzentrum. An der Rezeption im Foyer wird der Anmelde-, Termin- und Aufklärungspapierkram erledigt, in der Ausstellungshalle stehen Stühle, weiße Pavillonzelte mit humorvollen Schildern („wir fegen Corona von der Straße“) sowie eine Kühltruhe. „Beim Warten darf sich jeder ein Eis nehmen“, sagt Dr. Burger. Hey, als wären die Mitarbeiter nicht schon wegen der Impfung an sich dankbar. Die Anmeldung lief denkbar einfach: Registrierung online. Sobald montags klarwird, wie viel vom bestellten Impfstoff die Apotheke tatsächlich liefert, checkt das System die Priorisierung ab. Zuerst kommen Leute dran, die nicht ins Home-Office ausweichen können und viele Kontakte haben, aus Produktion, Post, Vertrieb und Logistik. Der Rest wird elektronisch verlost. Einem Winnender hat das Angebot eine Fahrt nach Mosbach erspart, andere reisen von Tochterunternehmen an. Wieder andere ziehen ihre Registrierung zurück, weil sie überraschend doch woanders zum Zuge kommen. „Von den 5050 Mitarbeitern in Deutschland waren zum Start unserer Bedarfsumfrage schon 25 Prozent geimpft. 60 Prozent wollten geimpft werden“, sagt Vorstandsvorsitzender Hartmut Jenner. „Das ist ein erfreulich hoher Wert!“ Er konnte über seinen Hausarzt eine dritte Impfstation in Stuttgart für die Beschäftigten auftun – und geht selbst mit gutem Beispiel voran: „Ich bin genesen und geimpft“, berichtet Jenner von einem „starken Schnupfen“ im Winter, der ihn nicht weiter besorgte, bis er bei einem Schluck aus dem Weinglas auf einmal nichts mehr schmeckte. Der Abend war gelaufen, der Test positiv, der Krankheitsverlauf mild, erzählt der Kärcher-Chef.

Biontech-Expertin Wöhrle

Die beiden Betriebsärzte haben Verstärkung von einer ehemaligen Betriebsärztin und einem Malteser-Team erhalten, drei Kolleg/-innen verabreichen die Spritzen, eine zieht sie auf. Die verantwortungsvolle Aufgabe hat Roswitha Wöhrle aus Ellwangen. Hartmut Jenner ist völlig begeistert von ihrem routinierten Umgang mit dem höchst empfindlichen Impfstoff von Biontech/Pfizer. „Das ist wie bei James Bond: gerührt, nicht geschüttelt“, kommentiert er Roswitha Wöhrles kreisendes Handgelenk, das kleine Fläschchen sicher zwischen den Fingern. Nun zieht sie Kochsalzlösung zum Verdünnen in einer Spritze auf. Dann wird's noch feinmotorischer: „Ich darf die Lösung nicht direkt in den öligen Impfstoff spritzen, ich muss sie über die Seitenwand des Fläschchens hinunterlaufen lassen.“ Dann kreist sie wieder mit den Handgelenken, um alles sanft zu mischen. „Und erst jetzt darf ich das Fläschchen auf den Kopf stellen.“ Sie zieht die Spritzen auf und achtet penibel darauf, keinen Tropfen zu vergeuden. Sechs Dosen holt sie aus einem Fläschle. Die Prozedur verlangt Zeit, Konzentration, Übung. Du lieber Himmel, denkt sich die Beobachterin. Der Impfstoff ist ein Vielfaches teurer als der von Astrazeneca, und dann ist er so empfindlich wie ein rohes Ei. Die Frage muss erlaubt sein: Ob auch wirklich in jeder Arztpraxis das Personal dermaßen gut für den Umgang mit Biontech geschult ist?

Mitte Juli alle erstgeimpft

Roswitha Wöhrle hat darüber keine Kenntnis, aber sie weiß: „Fällt ein Fläschchen herunter oder ein Tablett mit aufgezogenen Spritzen, wird Biontech unbrauchbar.“ Moderna hingegen sei nicht so empfindlich und wird bereits aufbereitet geliefert. Auch Johnson&Johnson liefert fix und fertig fürs Aufziehen in die Spritze.

Nächste Woche erwartet Kärcher in Winnenden 100 Johnson&Johnson-Dosen, die nach einer einzigen Impfung vollen Schutz bieten, und 144 Biontech-Dosen.  „Noch drei Wochen, dann haben alle eine Erstimpfung“, freut sich Hartmut Jenner. Und auch Dr. Burger ist stolz, wie alles bisher gelaufen ist mit den Testungen, der Cosima-App und den strengen Kärcherregeln. Und wie geht's weiter mit den Geimpften und Genesenen? „Wir diskutieren viel im Krisenstab, überlegen, wie wir die Rückkehr aus dem Home-Office regeln.“ Vor Juli wird daraus aber nichts, der Bund muss erst seine Arbeitsschutzverordnung ändern, sagt Jessica Burger.

Neue Erkenntnisse tun sich im Kärcher-Impfzentrum auf: „Junge Männer frühstücken nicht mehr. Deswegen sind einige am Standort oberes Bühlertal nach der Impfung umgekippt.“ Betriebsärztin Dr. Jessica Burger berichtet, dass die Sanitäter sich gleich um sie gekümmert haben, eine Viertelstunde bleibt ja jeder Geimpfte zur Beobachtung da. Und nun bekommen die jungen Männer von den Ärzten ein Lunchpaket zur Spritze. „Beim Biss ins Käsebrötchen bemerkt so mancher dann nicht einmal mehr den Einstich

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