Winnenden

Damit Erzieherinnen nicht abspringen: Winnenden zahlt Kita-Personal mehr Einstiegsgehalt

Keine Gebührenerhöhung
In Zeiten des Fachkräftemangels sehr gefragt: Erzieherinnen. © Adoebstock/ lordn

Erzieherinnen sind heiß begehrt, immer wieder kommt es auch in Winnender Kitas und Kindergärten zu Personal-Engpässen. Ausgebildete Pädagoginnen können sich ihren Arbeitgeber heutzutage frei aussuchen – und achten dabei natürlich auch aufs Gehalt. Manche Städte und Gemeinden im Umkreis bezahlen den Einsteigerinnen deshalb mehr als im Tarifvertrag vorgegeben. „Einige Erzieherinnen sind schon in Nachbarkommunen abgewandert“, berichtet Thomas Pfeifer, Leiter des Amts für Jugend und Familien im Rathaus. Jetzt zieht Winnenden nach.

Erzieherinnen werden direkt in die höhere Gehaltsstufe eingeordnet

Konkret heißt das: Erzieherinnen, die bislang im Anschluss an ihre Praxisintegrierte Ausbildung (PiA) in Stufe 1 des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst eingruppiert wurden, sollen ab Herbst dieses Jahres direkt ein Gehalt nach Stufe zwei der Entgeltgruppe S8 erhalten.

In dieser Stufe verdienen Erzieherinnen etwas mehr als 2000 Euro netto im Monat. Das sind rund 100 Euro mehr als in Stufe eins. Der Stadt als Arbeitgeber entstehen dadurch laut Hauptamtsleiterin Emely Rehberger Kosten von 309 Euro monatlich pro Erzieherin, jährlich also etwas mehr als 3700 Euro.

Einem entsprechenden Antrag der Stadtverwaltung hat der Gemeinderat nach einem eindringlichen Appell von Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth einstimmig grünes Licht gegeben. „Wer das nicht tut, wird keine Erzieherinnen mehr einstellen können“, hatte Holzwarth gemahnt, „das ist dem Fachkräftemangel geschuldet.“

Bislang ist es nach Angaben der Stadtverwaltung so, dass Erzieherinnen bei der Einstellung in Stufe eins des Tarifvertrags eingestuft werden, „sofern keine einschlägige Berufserfahrung vorliegt“. Allerdings gelten Praktika als genau das, „einschlägige Berufserfahrung“. Wer also die bisherige vierjährige Erzieherausbildung (drei Jahre hauptsächlich schulische Ausbildung, ein Jahr Berufspraktikum in Vollzeit) absolviert hat, wird schon heute Stufe zwei zugeordnet.

„Unmut bei unseren Absolventen“ – Winnenden will die „PiAs“ halten

Anders verhält es sich bei den „PiAs“, den Erzieherinnen, die eine dreijährige „Praxisorientierte Ausbildung“ absolvieren. Während der gesamten Ausbildung sind sie stets an zwei Tagen in der jeweiligen Einrichtung im Einsatz, an den restlichen Tagen in der Fachschule. Haben sie die PiA abgeschlossen, werden sie bislang Stufe eins zugeordnet, rücken erst im zweiten Jahr in Stufe zwei.

In der Vorlage der Verwaltung zum Thema, das Ende Juni im Gemeinderat behandelt wurde, heißt es: „Verschiedene Städte und Gemeinden im Rems-Murr-Kreis sind nun dazu übergegangen, die PiA-Absolventen auch in Stufe 2 einzustufen. Dies führt nun zu Unmut bei unseren Absolventen.“

Sorge, dass Mitarbeiterinnen kurzfristig abspringen, setzt Stadt unter Zugzwang

Amtsleiter Thomas Pfeifer bestätigt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir hatten Sorge, dass Mitarbeiterinnen von uns, die wir schon eingeplant haben, noch abspringen“ – weil sie in einer Nachbarkommune direkt mehr verdient hätten. Diese Gefahr ist durch den Gemeinderatsbeschluss jetzt gebannt. Die „PiAs“, die in wenigen Monaten ihre Ausbildung in Winnenden abschließen, werden im Herbst dieses Jahres automatisch der höheren Gehaltsstufe zugeordnet.

Im Grunde ist die Regelung, die Winnenden jetzt getroffen hat, nur ein Vorgriff auf das, was im Rahmen der im Mai getroffenen Tarifeinigung im Sozial- und Erziehungsdienst (nach Streiks und Kita-Schließungen) beschlossen wurde, allerdings erst ab Herbst 2024 gilt: dass auch Praxistage während der PiA-Ausbildung als „einschlägige Berufserfahrung“ anerkannt werden und eine Einstufung nach Tarifvertrag in Stufe zwei ermöglichen.

Aktuelle Personallage in den Kitas: „Keine Not“

Wer Thomas Pfeifer nach der momentanen Personallage in den Winnender Betreuungseinrichtungen fragt, erlebt einen vorsichtig optimistischen Amtsleiter. Nachdem im Frühjahr teilweise die Öffnungszeiten von Kitas und Kindergärten hatten eingeschränkt werden müssen, weil sich viele Erzieherinnen krankgemeldet hatten, herrsche aktuell „keine Not“, es seien „weitgehend alle Stellen besetzt“. Es gelten die regulären Öffnungszeiten, keine Einschränkungen. Das große Aber: „Das ist nur eine Momentaufnahme.“

Das Bild kann sich jederzeit ändern: Schwangere würden in Corona-Zeiten sofort mit einem Beschäftigungsverbot belegt, es kommt immer wieder zu Erkrankungen und längeren Ausfällen. Unter „Stellenangebote“ auf der städtischen Homepage finden sich deshalb mehrere Einträge aus dem Bereich Kinderbetreuung. Unter anderem sucht die Stadt „ab sofort mehrere staatlich anerkannte Erzieher/-innen, Kinderpfleger/-innen oder Fachkräfte“. Thomas Pfeifer sagt, insbesondere Sprachförder- oder Integrationskräfte seien „praktisch immer ausgeschrieben“.

Erzieherinnen sind heiß begehrt, immer wieder kommt es auch in Winnender Kitas und Kindergärten zu Personal-Engpässen. Ausgebildete Pädagoginnen können sich ihren Arbeitgeber heutzutage frei aussuchen – und achten dabei natürlich auch aufs Gehalt. Manche Städte und Gemeinden im Umkreis bezahlen den Einsteigerinnen deshalb mehr als im Tarifvertrag vorgegeben. „Einige Erzieherinnen sind schon in Nachbarkommunen abgewandert“, berichtet Thomas Pfeifer, Leiter des Amts für Jugend und Familien im

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