Winnenden

Dank neuer Rampe ohne Mühe in den Bus

Bus Rolli
Eigentlich käme Lichteiker auch ohne die Unterstützung von Busfahrer Artur Lutz rein, aber die Rampe muss der gleichwohl anlegen. © Habermann / ZVW

Berglen. Eigentlich schafft es Reinhold Lichteiker seit dem behindertengerechten Umbau der Bushaltestelle am Erlenhof alleine von der Rampe in den Bus, mit seinem Elektrorollstuhl sowieso. Aber Busfahrer Artur Lutz hilft dem 77-Jährigen trotzdem, von sich aus, wartet gar nicht ab, bis er um Hilfe gefragt wird.

Video: An der Bushaltestelle am Erlenhof können die Rollstuhlfahrer jetzt, dank einer Rampe, besser in den Bus einsteigen. 

Lichteiker wohnt an der Kiefernstraße in Steinach, zur Bushaltestelle im Erlenhof geht es für ihn runter, nach Hause dann später aufwärts. Wenn er mit dem Bus nach Winnenden will, braucht er also auf jeden Fall zusätzlichen Antrieb über die Hinterradnabe seines Rollstuhls. Um zur Bushaltestelle zu kommen, muss er aber erst mal eine Schleife drehen, weil der Bordstein nur auf der anderen Seite, also unterhalb, abgeflacht ist, bei der Rückfahrt ist es das Gleiche.

Lichteiker beschwert sich nicht über Umweg

Eigentlich würde man erwarten, dass Lichteiker sich über den Umweg beschwert, er tut es aber nicht. Verglichen mit den Problemen, die er sonst hat, wenn er in Städten irgendwo hinwill, sind die paar Zusatzmeter für ihn geradezu Peanuts, selbst wenn die zusätzliche Abflachung oberhalb der Bushaltestelle, die ihm den Umweg ersparen würde, eben auch nur ein Klacks wäre.

Bus kommt nicht nah genug ran

Lichteiker und seine Frau Maria Anna stammen aus Köln, wohnen seit 1980 in Berglen, sie sind seither keine schwäbischen Bruddler geworden. Als sie an der Bushaltestelle ankommen, lässt Lutz sofort den Bus hydraulisch so weit ab, dass der Einstieg auf der Höhe des Bordsteins ist. Allerdings kommt Lichteiker nicht direkt rein, weil Lutz bautechnisch bedingt den Bus nicht unmittelbar heranfahren kann, sonst würde er ihn beschädigen.

Lutz legt Rampe bereit

Es braucht also eine Rampe, die der Busfahrer bereitlegen muss, um den Spalt zu überbrücken. Für Lutz ist das keine lästige Pflicht. Er unterstütze gerne, das sei doch selbstverständlich, versichert er. Er hilft Lichteiker sogar mehr, als der eigentlich möchte, geleitet ihn so weit in den Bus hinein, bis der Rollstuhl an einem sicheren Platz steht.

Wird auch das Buswartehäuschen erneuert?

Lichteiker lobt ausdrücklich den Umbau, aber ihn stört etwas und das nicht wenig: der Zustand und Anblick des Wartehäuschens am Erlenhof. Jetzt habe man die Haltestelle so schön, ja ideal umgebaut, da passe das „verratzte Ding“ doch überhaupt nicht dazu. Dieser Klage will die Gemeinde allerdings abhelfen. In der nächsten Sitzung des Gemeinderats steht die Erneuerung des Buswartehäuschens am Erlenhof und an der Nachbarschaftsschule in Oppelsbohm auf der Tagesordnung.

Problem: Zentrale Bushaltestelle nicht umgebaut

Für Lichteiker gibt es allerdings nach wie vor ein wirkliches Problem: Die zentrale Bushaltestelle in Berglen, in der Ortsmitte von Oppelsbohm, wo sich die Buslinien kreuzen und wo Läden, Arztpraxen und das Rathaus sind, ist bislang nicht barrierefrei umgebaut. Laut Verwaltung würde, wenn der dortige Bordstein entsprechend erhöht würde, der Radius für den Bus nicht mehr ausreichen, um aus der Haltestelle herauszukommen. Lichteiker bezweifelt dies und ärgert sich: „Das kann nicht das letzte Wort sein, irgendwie muss das doch gehen.“

Der Einstieg in Berglen klappt, aber laufen die Winnender Aufzüge?

Für Lichteiker ist die Lösung des Problems auch wichtig, weil er seinen Augenarzt in Schorndorf hat. Er muss schon genug vorausdenken. Wenn er von Winnenden aus mit der S-Bahn fahren möchte, ruft er vorher dort an, erkundigt sich vorsichtshalber, ob die Aufzüge dort funktionieren. Wenn nicht, macht er sich erst gar nicht auf den Weg. Er ist auch schon deshalb auf der Rückfahrt vorher in Waiblingen ausgestiegen und hat sich den Rest des Weges vom Taxi heimbringen lassen, die Bahn bezahlt das seit einigen Jahren. Am Ludwigsburger Bahnhof stand er auch mal vor einem defekten Aufzug: „Bin ich halt wieder heim“.

Bordsteinabsenkungen sollten markiert werden

Mit der Situation in Berglen allgemein, den Zugängen, ist Lichteiker weitgehend zufrieden. Einen Vorschlag hat er aber: die Bordsteinabsenkungen markieren, damit sie für Rollstuhlfahrer, die ein eingeschränktes Sichtfeld haben, besser erkennbar sind.

Oppelsbohmer Ortsmitte: Noch mal Prüfung

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats hakte auch Christa Jooß, SPD, zu der Situation an der Bushaltestelle in Oppelsbohm nach, mit dem Hinweis, dass der Umbau auch älteren Bürgern mit Rollator zugutekäme.

Bürgermeister Maximilian Friedrich sagte zu, dies noch mal zusammen mit der Busfirma Knauss prüfen zu lassen. Ein Ausweg könnte aus seiner Sicht auch sein, den Bus nach Schorndorf eine Schleife fahren zu lassen, so dass sozusagen das „Rendezvous“ von dieser Linie mit der Winnender Linie an den beiden ebenfalls barrierefrei umgebauten Haltestellen beim „Netto“-Markt und der Nachbarschaftsschule erfolgen würde. Auch das soll mit der Busfirma geprüft werden.

Vier „frequenzreiche“ Bushaltestellen sind bislang barrierefrei umgebaut worden: im Erlenhof, in Oppelsbohm am „Netto“-Markt und an der Nachbarschaftsschule sowie an der ehemaligen Schule in Vorderweißbuch. Die Kosten betrugen rund 171 000 Euro. Dafür gab es eine Förderung in Höhe von knapp 113 000 Euro, so dass an der Gemeinde noch rund 58 000 Euro hängenblieben.