Winnenden

Darf US-Amerikaner Dakota in Winnenden wählen?

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Zeitungs-Praktikant Dakota Cooper vor dem Rathaus. Er interessiert sich sehr für die OB-Wahl. Einen Stimmzettel hat er als Muster, und er weiß auch, dass man ins leere Fach Namen eintragen darf, falls man nicht Holzwarth wählen will. © Martin Schmitzer / ZVW

Winnenden. Ein Selfie mit dem OB-Kandidaten und Amtsinhaber auf dem Marktplatz ist schon auf seinem Handy: Dakota Cooper ist Amerikaner und macht seit zwei Wochen Praktikum in der Redaktion der Winnender Zeitung. Er bekommt alles zur OB-Wahl mit und wird langsam kribbelig. „Darf ich auch wählen?“, fragt der 19-Jährige. Wir forschen nach.

Interessanterweise erfüllt der junge Mann ein wichtiges Kriterium: Er hat nicht nur die amerikanische, sondern auch die deutsche Staatsbürgerschaft. So hätten wir den eher seltenen Fall, dass jemand von einem anderen Kontinent hier zur Wahlurne schreitet. Weitaus häufiger kommt es vor, dass jemand mit deutscher und türkischer Staatsangehörigkeit von seinem Wahlrecht Gebrauch macht.

Deutscher müsste man aber gar nicht unbedingt sein, um den OB zu wählen. EU-Bürger reicht auch! Also Schwede, Pole, Niederländer, Spanier, Italiener ... Ob das die Betroffenen auch wirklich wissen? Falls nicht, sie haben ja einen Brief vom Rathaus bekommen, den Wahlbenachrichtigungs-Schein, mit dem sie Briefwahl beantragen oder am Sonntag im aufgedruckten Wahllokal vorstellig werden können. Ausweis nicht vergessen!

Das Mindest-Wahlalter ist auf 16 Jahre gesenkt worden

Zurück zu unserem jungen Mann, der bei der Präsidentenwahl in seiner Heimat noch nicht abstimmen durfte, mit damals 17 Jahren. Das richtige Alter hätte Dakota inzwischen für USA wie auch für Deutschland, vergangenen Samstag ist er 19 Jahre alt geworden. Aber hallo, wäre Dakota vor drei Jahren hier gewesen, er hätte seine Stimme abgeben können. Nachdem die grün-rote Landesregierung 2011 an die Macht gekommen war, wurde das Wahlalter von 18 auf 16 Jahre gesenkt. Dies erklärt auch die hohe Zahl der Abstimmungsberechtigten, 21 995. Sie ist eher nicht dem Wachstum der Stadt seit der letzten OB-Wahl geschuldet (momentan hat Winnenden 28 400 Einwohner, vor acht Jahren waren es um die 1200 weniger).

Die gesetzlich verfügte Verjüngung bewirkt allerdings auch, dass die Wahlbeteiligung sinkt. Es ist nicht allein Politikverdrossenheit der Bürger. Denn die Jungen gehören eher nicht zum „eisernen Wählerbestand“, wie es der Städtetagspräsident Norbert Brugger nennt. Bei jenen „spielt demokratisches Pflichtgefühl und/oder die Anerkennung für die Leistungen des Amtsinhabers in der abgelaufenen Wahlperiode eine große Rolle, wenn es sich beim einzigen Bewerber um das bisherige Stadtoberhaupt handelt“.

Wer mindestens drei Monate hier lebt, darf wählen

Doch ist Dakota lange genug in Deutschland, um diese hohe Ehre zu erhalten? Darf er schon sagen, wer Winnenden regieren soll? Ja: Allen Wahlwilligen wird lediglich auferlegt, dass sie mindestens drei Monate vor dem Wahltermin hier leben. Dieses Kriterium erfüllt Dakota, er kam im September 2017 aus Kalifornien nach Deutschland.

Deutsch kann er übrigens auch ganz gut, unser Praktikant, er hat sogar einen schwäbischen Slang beim Sprechen. Der Verwandtschaft sei Dank, versteht er auch 90 Prozent unseres Dialekts. Aber weiß er auch, wie man den Stimmzettel ausfüllt? Das ist gar kein Problem, das steht nämlich drauf. Man soll ein Kreuz hinter den gedruckten Namen des Bewerbers machen oder anders kenntlich machen, dass man ihn will. Was Dakota Cooper allerdings nicht wusste: Auch ein Stimmzettel ohne Kreuzle wird als Stimme für Hartmut Holzwarth gezählt!

Wer den Amtsinhaber nicht bestätigen möchte, kann den Namen einer anderen Person in das leere Feld auf dem Stimmzettel schreiben und dahinter ein Kreuzchen machen. „Herr Müller, Winnenden, reicht aber nicht. Die Person muss zweifelsfrei identifizierbar sein.“ Also am besten Vor- und Nachname, Adresse und Beruf eintragen.

Plötzlich krank am Sonntag? Spontan-Briefwahl bis 15 Uhr!

212 ehrenamtliche Wahlhelfer sind übrigens am Sonntag in den 30 Wahllokalen und für die Briefwahl im Einsatz, so Hauptamtsleiterin Christina Riedl. Sie wird natürlich auch da sein und vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Telefonen, um die Ergebnisse aus den Wahllokalen anzunehmen und an den Wahlausschuss weiterzuleiten.

Frau Riedl, wann müsste sich Dakota denn in seinem Wahllokal einfinden? Kann er am Sonntag ausschlafen? „Ja, die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet“, sagt sie lächelnd. Wie immer bei Wahlen in Deutschland. Und was ist, wenn man plötzlich krank wird? Die Grippewelle hat begonnen. Das merkte Riedl schon bei ihrer Wahlhelfermannschaft. „Erst war es gar kein Problem, Leute zu finden. Aber in den letzten Tagen mussten wir noch einige Ersatzhelfer anrufen.“ Im amtlichen Blickpunkt hat Christina Riedl erklärt, dass man auch als erkrankter Wähler, oder wenn nicht zumutbare Schwierigkeiten auftauchen, noch bis Sonntag, 15 Uhr, Briefwahl beantragen kann! Dazu braucht man allerdings jemanden, der für einen, mit der Vollmacht vom Wahlbenachrichtigungsschein ausgerüstet, ins Rathaus geht, die Briefwahlunterlagen zum Kranken bringt und den verschlossenen Umschlag vor 18 Uhr im Rathaus abgibt.

Jetzt hat Dakota nur noch ein Problem. Er hat keine Wahlbenachrichtigung erhalten. Das kann theoretisch passieren. Oder sie wurde aus Versehen mit der Werbung weggeworfen. „Er kann bei uns anrufen, wir sagen ihm dann sein Wahllokal“, verweist Christina Riedl auf die Telefonnummer 0 71 95/1 31 01. Im Wahllokal reicht es, wenn er seinen Ausweis zeigt.

Dakota hat jetzt doch noch ein Manko: Wohnsitz Leutenbach

Also dann. Darf Dakota Cooper wählen? Nö. Bad luck, Pech: Er hat seinen Hauptwohnsitz im September in der Gemeinde Leutenbach beim Onkel angemeldet. Hätte er von seinem nun aufkeimenden Wahlwunsch etwas geahnt, hätte er sein Headquarter besser in die Wohnung der Oma in Winnenden gelegt. Dann wäre Dakota bei der OB-Wahl tatsächlich wahlberechtigt gewesen.

Die OB-Wahl im Netz:

Zur Oberbürgermeisterwahl am Sonntag, 21. Januar, bringt unsere Zeitung aktuelle Nachrichten in Textform im Internet ab Sonntag, 18 Uhr, unter www.zvw.de/wahl-winnenden.

Wir berichten direkt aus dem Rathaus-Sitzungssaal. Dort kommt der Wahlausschuss unter Leitung von Bürgermeister Norbert Sailer in einer öffentlichen Sitzung zusammen. Dort werden die Zwischenergebnisse und das Endergebnis der OB-Wahl bis ungefähr 19 Uhr auf eine Leinwand übertragen. Auch der einzige Kandidat Hartmut Holzwarth wird im Saal sein.

Den Liveblog aktualisiert unsere Redaktion immer dann, sobald ein weiteres der 30 Wahllokale sein Ergebnis in die Wahlzentrale gemeldet hat.