Winnenden

Darum werden die Blühstreifen am Straßenrand abgemäht

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Die Stadtgärtnerei hat am Dienstag fast alle Blühstreifen an Straßenrändern der Stadt abgemäht. © Joachim Mogck
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Armin Schröder ist sicher: „In zwei Wochen beginnt es wieder zu blühen.“

Winnenden. Mit einem Aufschrei der Bevölkerung hat Armin Schröder von der Stadtgärtnerei fest gerechnet: Die Kollegen wollen ab Dienstag (23.7.) fast alle Blühstreifen an Straßenrändern der Stadt abmähen. Nicht aus Jux und Dollerei, Geschäft haben sie wahrlich genug. „Wir fördern damit den Neuaustrieb“, so Schröder. Er ist sicher: „In zwei Wochen beginnt es wieder zu blühen.“

Die Winnender lieben den bunten Sommerflor. Seit Jahren heimsen die Stadtgärtner dafür viel Lob ein. Gelb-rotes Mädchenauge neben blauem Natternkopf, roter Klatschmohn zu lila Wegwarte, Stockrosen kombiniert mit Zinnien und rotem Lein – das Auge badet regelrecht im Regenbogen der Farben und entdeckt überdies eifrig anfliegende Honigbienen, Hummeln und kleinere Wildbienen sowie Schmetterlinge. Und jetzt, Ende Juli, soll alles radikal weg? Es blüht doch drum herum kaum mehr was!

Nach dem Schnitt haben alle Blumen wieder mehr Licht und Luft

Armin Schröder fällt die Aktion durchaus schwer. Aber er hat Vor- und Nachteile abgewogen und ist zu dem Schluss gekommen, dass die radikale Maßnahme das kleinere Übel sei. „Viele der Pflanzen sind so stark gewachsen, dass sie schon umgekippt sind. Andere ragen weit in die Straße oder den Fuß- und Radweg hinein“, zeigt er beim Treffen vor Hanweiler am Montagnachmittag.

„Wenn wir nur die Ränder abschneiden würden, würde nichts Neues nachwachsen können. Wir nehmen alles auf zehn, 15 Zentimeter herunter, so dass alle neu austreiben können.“ Das Schmuckkörbchen (Cosmea) wird das mit einem kompakten und blütenreicheren Wuchs danken, auch die Ringelblumen, die im Hanweiler Streifen bisher nicht zu sehen sind, haben dann wieder Licht und Platz, sich zu entfalten. Einzig die bei Hanweiler schon kurz vor der Blüte stehenden Sonnenblumen werden sich wohl verabschieden.

„Würden wir nichts machen, könnten wir den Flor nicht bis zum Frost halten, dann wäre viel früher Feierabend“, ist Schröder sicher. Über den Winter sollen die absterbenden, samentragenden Pflanzen ja auch wie immer stehen bleiben, um Kleinstlebewesen und Insekten Zuflucht und Nahrung zu geben.

Nach dem Mähen wird eine Weile gegossen – Zusatzarbeit

Außer der Zusatz-Mäharbeit werden die Stadtgärtner die Blühstreifen in den nächsten zwei Wochen auch noch gießen. Damit sie die nächste Hitzewelle überstehen. „Dabei müssen wir schon zwei Männer fürs Gießen der jüngeren Bäume abstellen. Bisher hat das einer allein geschafft“, seufzt Schröder ob der Trockenheit.


Optimale Bedingungen - zu schneller Wuchs

„Wir hatten dieses Jahr nach der Aussaat Ende Mai Regen, also optimale Keimbedingungen. Jedes einzelne Samenkorn ging auf“, schildert Stadtgärtner Armin Schröder, dass dadurch der Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Pflanzen ungewöhnlich groß und die Stängel daher ungewöhnlich schnell viel zu lang wurden. Etliche kippten um.

„Manche Beete wiederum sind seltsam eintönig - beim Aldi sieht man fast nur eine gelbe Chrysanthemenart, bei der Albertvilleschule fast nur blauen Natternkopf.“ Nach dem Mähen haben auch andere Blumen eine zweite Chance.

Auch am Feuerwehrhaus Zipfelbach wird gemäht, um Gräser, Ampfer und Melde nicht überhandnehmen zu lassen.